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Erste Taufe nach der Restaurierung

VonVeronika MüllerDie zehnjährige Mette Trettin wird diesen Moment wohl niemals vergessen:Sie wurde getauft. Aber es gibt noch einen Grund für das Erinnern ...

VonVeronika Müller

Die zehnjährige Mette Trettin wird diesen Moment wohl niemals vergessen:
Sie wurde getauft. Aber es gibt noch einen Grund für das Erinnern – der fast
700 Jahre alte Taufstein, der seit seiner Grund- sanierung zum ersten Mal wieder zum Einsatz kam.

Anklam.Eine Taufe ist immer ein besonderes Ereignis – für die Täuflinge, deren Familie, die Kirchgemeinde und auch für den Pastor oder die Pastorin. In diesem Fall bekommt die Taufe der zehnjährigen Mette Trettin in der evangelischen Anklamer Marienkirche noch einen Extra-Besonderheitsbonus. Es ist der Taufstein. Fast 700 Jahre hat der fast 600 Kilogramm schwere dreiteilige Koloss aus gotländischem Kalkstein auf dem Buckel. Vor einem dreiviertel Jahr wurde er aus dem Altarraum gehoben, um ihn in der Steinmetzwerkstatt des Berliner Restaurators Thomas Schubert wieder zum Strahlen zu bringen. Im Januar dann endlich war es soweit, das kostbare Stück kehrte an seinen Platz zurück. Die Jahre sind dem Taufstein mit den prachtvollen Reliefs zwar immer noch anzusehen, aber das soll so sein. „Er hat eine Geschichte, diese erzählt von all den Menschen, die in ihm getauft wurden, aber auch davon, wie mit ihm im Laufe der Jahrhunderte umgegangen worden war“, sagt Pastorin Petra Huse.
Das gute Stück hat auch so sehr bewegte Zeiten hinter sich. Nachdem der Taufstein in der Marienkirche jahrhundertelang seinen Dienst tat, wurde er, weil es die Mode gerade so wollte, kurzerhand ausgemustert. Er hatte bei einem Gewölbeeinsturz Schaden genommen und die Reparatur schien den Kirchenoberen nicht mehr zeitgemäß. Es wurde eine Metallschale für die Taufen angeschafft und der Taufstein entfernt. Seither fristete er ein Dasein als Blumentopf und Dekoschale – mal im privaten, mal im städtischen Besitz. 1899 setzte die Kirche dem unchristlichen Treiben ein Ende und kaufte den Stein zurück. Knapp 40 Jahre später wurde er sogar teilweise restauriert, wobei vor allem Ölfarbe im Bereich der mittelalterlichen Ornamente zum Einsatz kam. In den Taufstein fand eine Metallschale Platz, die zumindest die Nutzung als Taufstein wieder ermöglichte. Doch das alles waren nur Provisorien, wenig effektive Reparaturen, die dem einst so prachtvollen Teil seine Schönheit eher nahmen als zurückgaben.
Pastorin Huse hat gemeinsam mit der evangelischen Kirchgemeinde lange dafür gekämpft, dass der historische Taufstein komplett restauriert werden kann. Erst die Spende der Rudolf-August-Oetker-Stiftung ermöglichte dieses finanziell aufwendige Vorhaben, das nun mit der Taufe der zehnjährigen Mette seine Vollendung gefunden hat. So verbinden sich Vergangenheit und Zukunft auf wunderbare Weise. Dem Taufstein ist damit eine
weitere spannende Episode in seinem „Geschichtstagebuch“ hinzugefügt worden – und Mette wird das aufregende Erlebnis als Erste nach
der „General-Restaurierung“ über ihn getauft worden zu sein, mit in ihr Leben nehmen.

Kontakt zur Autorin
v.mueller@nordkurier.de