ERDGAS AUS RUSSLAND

Erster Strang der Eugal-Gaspipeline fast fertig verschweißt

Ungeachtet politischer Debatten kommt der Bau der riesigen Rohrleitung Eugal voran. Rund 2000 Menschen arbeiten daran. Schon bald soll hier Gas fließen.
dpa
Ein Pipeline-Stück der Erdgas-Pipeline Eugal wird mit Hilfe von Seitenbaumkränen ins Erdreich verlegt.
Ein Pipeline-Stück der Erdgas-Pipeline Eugal wird mit Hilfe von Seitenbaumkränen ins Erdreich verlegt. Stefan Sauer
Ende 2019 soll der erste von zwei Leitungssträngen fertiggestellt sein, durch die das russische Erdgas der Ostsee-Pipeline No
Ende 2019 soll der erste von zwei Leitungssträngen fertiggestellt sein, durch die das russische Erdgas der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 in das Landesinnere transportiert wird. Stefan Sauer
Die Trasse beginnt in Lubmin bei der Anlandungsstelle von Nord Stream 2 und verläuft über 480 Kilometer durch Mecklenburg-Vo
Die Trasse beginnt in Lubmin bei der Anlandungsstelle von Nord Stream 2 und verläuft über 480 Kilometer durch Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen in die Tschechische Republik. Bernd Wüstneck
Die Pipeline soll in Zukunft russisches Erdgas von Lubmin in Vorpommern bis Tschechien transportieren.
Die Pipeline soll in Zukunft russisches Erdgas von Lubmin in Vorpommern bis Tschechien transportieren. Stefan Sauer
MV-Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gefällt das.
MV-Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gefällt das. Stefan Sauer
Anklam.

Der Bau der Gaspipeline Eugal, die russisches Erdgas von Lubmin in Vorpommern bis Tschechien transportieren soll, kommt planmäßig voran. Von rund 480 Kilometern des ersten Stranges der riesigen Rohrleitung sind bisher knapp 470 Kilometer verschweißt und etwa 75 Prozent schon in den Boden abgesenkt, wie Ludger Hümbs als Eugal-Projektleiter der Gascade Gastransport GmbH am Dienstag bei einem Besuch von Landesumweltminister Till Backhaus (SPD) in Anklam sagte. Durch diese Leitung mit einem Durchmesser von 1,40 Metern, die bei Radeland (Brandenburg) und Deutschneudorf (Sachsen) zusätzliche Verdichterstationen erhält, soll ab Januar 2020 Gas fließen.

Am zweiten Strang der „Europäische Gasanbindungsleitung“, der parallel über 329 Kilometer bis Südbrandenburg verlegt wird und 2021 fertig sein soll, werde auch schon gearbeitet. Insgesamt seien derzeit rund 2000 Menschen aus 21 Nationen bei dem Großprojekt beschäftigt. Ein Großteil der insgesamt rund 47.000 Rohre wurden bei einem Spezialhersteller in Mühlheim/Ruhr hergestellt.

Arbeiten wurden durch Protest gestoppt

„Wir brauchen diese Leitungen für die Versorgungssicherheit in Europa und als Brückentechnologie, um das Kernkraftzeitalter hinter uns zu lassen“, betonte Backhaus, der sich ansah, wie ein 36-Meter-Rohr mit hohem Druck unter einer Eichenallee durchgepresst wurde, um die Bäume zu schonen. Erdgas sei für die Chemieindustrie, zur Strom- und Wärmeerzeugung und als Ausgleichsspeicher für erneuerbare Energien unverzichtbar in Europa. Das werde auch angesichts aktueller politischer Debatten um eine sichere Energieversorgung in Europa deutlich.

Zudem sei Erdgas mit 25 Prozent weniger Kohlendioxidemissionen als Erdöl auch klimafreundlicher als andere fossile Träger, meinte Backhaus. Er dankte dem Unternehmen für seinen „besonnenen Umgang“ mit Protest. So hatten im Mai einige junge Leute eine Baustelle bei Wrangelsburg südlich von Greifswald kurzzeitig besetzt, um auf „Klimaschäden durch Erdgas“ aufmerksam zu machen. Die Firma hatte die Arbeiten zeitweise gestoppt, damit niemand verletzt wurde, bis die Aktion vorbei war.

Trasse liegt drei bis sechs Meter tief

Die Eugal ist bis nach Tschechien mehrfach mit Strängen in Richtung Westen verbunden. Grundsätzlich sollen über die Nordstream-2-Leitung rund 55 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr fließen, die zu vier Fünftel über die Eugal-Leitung und ein Fünftel über die bereits bestehende Leitung von Lubmin nach Westen fließen sollen. Den Bedarf hätten Befragungen im Vorfeld ergeben, sagte Hümbs. Dies sei auch im Netzentwicklungsplan der Bundesnetzagentur von 2018 bis 2028 verankert. An dem Erbauer und Betreiber der Eugal-Leitung, der Gascade, sind der russische Gaskonzern Gazprom und die BASF je zur Hälfte beteiligt, wie Hümbs erklärte.

In Mecklenburg-Vorpommern liegt die Trasse in Tiefen zwischen drei und sechs Metern. Durch die Arbeiten können Geologen zugleich die geologischen Schichten im Nordosten neu untersuchen und einige Unklarheiten in der eiszeitlichen Geologie beseitigen.

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