„Fische” gibt es in diesem Laden nicht. Die Aufkleber stammen noch von einer Filmproduktion.
„Fische” gibt es in diesem Laden nicht. Die Aufkleber stammen noch von einer Filmproduktion. Matthias Diekhoff
Im „Fische-Laden” präsentieren Kunsthandwerkerinnen aus der Region ihre Produkte.
Im „Fische-Laden” präsentieren Kunsthandwerkerinnen aus der Region ihre Produkte. Matthias Diekhoff
Die Wände im Laden sind zum Teil unverputzt.
Die Wände im Laden sind zum Teil unverputzt. Matthias Diiekhoff
Eiserne Säulen prägen das Innere des „Fische-Ladens”.
Eiserne Säulen prägen das Innere des „Fische-Ladens”.
Geschichte

„Fische-Laden” erinnert an das jüdische Leben in Lassan

Jüdinnen und Juden haben auch in der Region an vielen Orten ihre Spuren hinterlassen. Unter anderem in einem Geschäft in der Stadt am Peenestrom. Nun ist neues Leben eingezogen.
Lassan

Im sich dem Ende neigenden Jahr wurde und wird unter dem Motto „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland” mit zahlreichen Projekten und Veranstaltungen unter anderem daran erinnert, dass Jüdinnen und Juden die deutsche Kultur seit jeher vielfältig geprägt haben. Auch in der Region haben sie in vielen Orten ihre Spuren hinterlassen. So auch in Lassan, wie Margarete Groschupf mit Hilfe von Bernd Jordan von der Interessengemeinschaft Heimatgeschichte Lassan herausgefunden hat.

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Spielzeug und Papierwaren

Es geht um das Geschäft in der Langen Straße 48 in Lassan, das Einigen vielleicht noch als Spielzeug- und Papierwarengeschäft in Erinnerung geblieben ist. Am Schaufenster steht zwar in großen Buchstaben „Fische”, das soll aber noch von einer Filmproduktion herrühren. Bereits vor 1860 soll dort von einem J.B. Cohn eine Textilhandlung eröffnet worden sein. Bereits im Jahr 1810 seien erste jüdische Bürger in Lassan erwähnt worden, berichtet Margarete Groschupf. 1831 habe es zwölf jüdische Einwohner gegeben, genauer die Familien Cohn und Jacobi. Max Jacobi, vermutlich der Schwiegersohn von J. B. Cohn, habe das Textilgeschäft bis 1911 weitergeführt.

Das Haus in der Langen Straße selbst bot Raum für ein Lager, hatte Wohnräume und Tierställe bis hin zur Böttchergasse. Max Jacobi war ein offensichtlich integrierter Bürger mit Kaiser-Wilhelm-Bart sowie Mitgliedschaft im Schützenverein und im „Sängerbund“, einem Männergesangsverein. Dann allerdings müssen die Zeiten schlechter geworden sein, vermutet Margarete Groschupf. Jacobi verkaufte das Geschäft 1911 an Carl Duden und zog mit seiner Frau nach Berlin.

Kunsthandwerk in ehemaligem Kleiderladen

In das ehemalige Kleidergeschäft – ein großer Raum mit dunkelroten Eisensäulen und zum Teil unverputzten Wänden – ist unterdessen wieder Leben eingezogen. Bis vor Kurzem war es ein Möbellager und nur einmal im Jahr zu „Kunst offen“ zugänglich. Über den Sommer zeige sich dort nun Lassan in seiner „sinnvollen Langsamkeit”, schwärmt Margarete Groschupf. Kunsthandwerkerinnen, zumeist Quereinsteigerinnen, stellen aus und bieten ihre Produkte zum Kauf an. Es gibt unter anderem Kinder- und Damenkleider, Arbeiten einer Buchbinderin, Kissen und Taschen, die aus Musterproben von Polsterstoffen entstanden sind, Augenkissen zur Entspannung und nicht zuletzt handgewebte Handtücher und Teppiche.

Wer sich das alles mal ansehen möchte, hat dazu an den ersten beiden Adventswochenenden Gelegenheit. Dann hat der „Fischeladen” sonnabends und sonntags jeweils von 12 bis 17 Uhr geöffnet, ebenso wie die „Lassaneria”, in der sich um das leibliche Wohl gekümmert wird.

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