THEATER-PREMIERE IN ANKLAM

Geiz muss nicht immer geil sein

Nicht wenige Menschen empfinden es als unangenehm, zu wenig Geld zu haben. Aber auch zu viel davon kann für Probleme sorgen, wie die Komödie „Der Geizige“ beweist. Das Stück von Moliére feiert am Donnerstag im Anklamer Theater Premiere.
Matthias Diekhoff Matthias Diekhoff
Arm, aber sexy: Harpagon hat ein Auge auf die schöne Mariane geworfen.
Arm, aber sexy: Harpagon hat ein Auge auf die schöne Mariane geworfen. Matthias Diekhoff
Mariane (links) soll den Geizigen heiraten, hat sich aber in dessen Sohn verliebt. In ihrer Not wendet sie sich an Kupplerin Frosine.
Mariane (links) soll den Geizigen heiraten, hat sich aber in dessen Sohn verliebt. In ihrer Not wendet sie sich an Kupplerin Frosine. Matthias Diekhoff
Dank seiner sparsamen Lebensweise hat es Harpagon zu einigem Reichtum gebracht, der ihm aber nichts als Ärger macht.
Dank seiner sparsamen Lebensweise hat es Harpagon zu einigem Reichtum gebracht, der ihm aber nichts als Ärger macht. Matthias Diekhoff
Anklam.

Das Schöne an Theater-Klassikern ist, dass sie eigentlich in jede Zeit passen. Immer lassen sich Bezüge finden. Entweder zu den eigenen Befindlichkeiten oder zum großen Ganzen drumherum. Bei der Komödie „Der Geizige“ von Moliére ist das nicht anders. Im Mittelpunkt steht Harpagon, der es dank seiner sparsamen Lebensweise zu einigem Reichtum gebracht hat, der ihm aber nichts als Ärger macht, da alle etwas davon abhaben wollen.

Seine Diener werden vor Weihnachten entlassen, damit er ihnen nichts schenken muss. Misstrauen gegenüber Banken und Angst vor Dieben haben ihn dazu gebracht, sein Geld im Garten zu vergraben. Und allein schon der Gedanke, dass es jemand findet, verursacht ihm Panikattacken. Und dann sind da auch noch seine beiden konsumfreudigen Kinder Elise und Cleante, die der Meinung sind, ihr Vater wäre ein Geizhals, weil er ihnen nichts vom Kuchen abgibt.

Lustig machen über den Umgang mit Geld

Doch ist er das wirklich? Wo fängt Geiz überhaupt an? Und was ist, wenn Harpagon gar nicht geizig ist, sondern seine Kinder nur dazu anregen will, sich selbst etwas aufzubauen, „Hotel Mama“ zu verlassen und sich einen Job zu suchen? Das ist zumindest eine der Perspektiven, aus der Regisseur Marco Bahr heute auf das Stück blickt, das ursprünglich im Jahr 1668 geschrieben wurde. Schon vorab hat er sich viel mit dem Thema „Geiz“ beschäftigt und herausgefunden, dass Geiz alles andere als geil ist. Ganz im Gegenteil. Laut einer Umfrage sei Geiz die Eigenschaft, die Frauen an Männern am wenigsten schätzen.

Trotz allen Reichtums sei Harpagon also eigentlich „eine arme Sau“, meint Marco Bahr. Denn es gäbe nichts an ihm, das man mögen könnte. Einige Schauspieler, in diesem Fall Sebastian Hildebrand, reize es natürlich, solche durchweg schlechten Menschen darzustellen. Es soll aber auch schon Zuschauer gegeben haben, die Mitleid mit dem reichen, armen Tropf hatten. Daher wolle er auch in seiner Inszenierung nicht mit dem Zeigefinger auf den Geizigen zeigen. Vielmehr gehe es in der Komödie doch darum, sich lustig zu machen über den Umgang mit dem Geld, das die meisten nur in zwei problematischen Zuständen kennen: Zu wenig – oder zu viel, wie die Geschichte des Geizigen beweist.

Premiere ist am Donnerstag, 1. November, um 19.30 Uhr im Theater Anklam. Weitere Vorstellungen gibt es unter anderem am 3. November in Anklam sowie am 13. November in der Zinnowitzer Blechbüchse.

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