Knapp 60 Abiturienten des Abi-Jahrgangs 1972 haben im Lilienthal- Gymnasium zusammen ihr goldenes Abitur gefeiert. Als Geschen
Knapp 60 Abiturienten des Abi-Jahrgangs 1972 haben im Lilienthal- Gymnasium zusammen ihr goldenes Abitur gefeiert. Als Geschenk an ihre alte Schule hatten sie auch einen Spendenscheck dabei. Mareike Klinkenberg
Unter den Jubiläums-Pennälern waren auch Jürgen Stähle und seine Frau Brigitte (Mitte). Beide haben nicht
Unter den Jubiläums-Pennälern waren auch Jürgen Stähle und seine Frau Brigitte (Mitte). Beide haben nicht nur gemeinsam die Schulbank gedrückt, sondern die Schule auch später als Lehrer geprägt. Jürgen Stähle war von 1991 bis 2013 Direktor des Anklamer Gymnasiums. Mareike Klinkenberg
Klassentreffen

Goldene Abiturienten schwelgen in Erinnerungen

50 Jahre das Abi in der Tasche – das wurde jetzt in Anklam mit einem großen Wiedersehen und vielen Erinnerungen gefeiert.
Anklam

Während die Abiturienten aus dem jetzigen Jahrgang sehnsüchtig der Zeugnisübergabe am nächsten Wochenende entgegenfiebern, wurden am letzten Samstag diejenigen geehrt, die vor genau 50 Jahren ihr Abi in Anklam gemacht haben. Damals hieß das heutige Lilienthal-Gymnasium noch Erweiterte Oberschule (kurz: EOS) „Geschwister Scholl”.

Wenige hätten damals die Möglichkeit bekommen, die EOS zu besuchen und Abi zu machen, blickt Mathias Ruta, Schulleiter des Gymnasiums, in seiner Rede zurück. Nur 10 Prozent eines jeden Jahrgangs sollten das Abitur ablegen, sich während ihrer Schullaufbahn zu 'sozialistischen Persönlichkeiten entwickeln und auf ein Studium vorbereiten'", so zumindest sah es die damalige DDR-Regierung vor, erinnert Ruta.

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Und so waren es rund 100 Schülerinnen und Schüler, die am 2. September 1968 aus den Schulen in Anklam und dem Umland an die umgangssprachlich als „Penne” bezeichnete Schule wechselten. Zu DDR-Zeiten begann ein Schuljahr ja immer verlässlich nach acht Wochen Sommerferien am 1. September – 1968 aber nicht, denn der 1. September fiel damals auf einen Sonntag.

Und noch Einiges mehr war seinerzeit anders als im jetzigen Bildungssystem. Man ging beispielsweise auch samstags in die Schule. Die Einführung in die sozialistische Produktion (ESP) und der Unterrichtstag in der sozialistischen Produktion (UTP) gehörten selbstverständlich auch zum Bildungsplan.

Diese Einblicke in die Berufswelt machten einige der ehemaligen Schüler in den Landwirtschaftsbetrieben in Stretense oder Neetzow, in der Zuckerfabrik, im Hauptpostamt oder auch im Landtechnischen Instandsetzungswerk (LIW).

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Um noch mehr über den Schulalltag der rund 60 goldenen Abiturienten zu erfahren, haben Mathias Ruta und sein Organisationsteam die alten Klassenbücher aus dem Schularchiv gewälzt, die „ein wahrer Schatz an Informationen” seien, so der Lehrer.

Ob Sitzpläne, die Entschuldigungszettel der Eltern oder Sportbefreiungen, alles, was damals wichtig war, wurde darin bis jetzt aufbewahrt. So gab es in den Büchern auch Einträge, die an die Klassenfahrten nach Alt-Reddevitz und nach Ungarn erinnerten.

Erinnerungen wurden an diesem Tage sicher sehr viele ausgetauscht. Nach der Feierstunde konnten sich die Schulfreunde der einzelnen Klassen noch in der Schule zusammensetzen und gemeinsam die Klassenbücher durchstöbern und am Abend feierten sie gemeinsam ihr goldenes Jubiläum in der alten Post.

 

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