GESUNDHEITS-HACKS

Greifswalder holen ersten Platz mit Blutspende-App

Innovative digitale Lösungen für drängende Problemlagen im Gesundheitswesen entwickeln – das war das Ziel des Healthcare Hackathon Greifswald. Das Sieger-Team möchte das Blutspenden vereinfachen.
Mit dem ersten Preis belohnte die Fachjury David Wulff und Anna Rochow vom Team „MW-Studio“ für ihre Lös
Mit dem ersten Preis belohnte die Fachjury David Wulff und Anna Rochow vom Team „MW-Studio“ für ihre Lösung. Die Preise wurden von Wirtschaftsminister Harry Glawe (rechts) und Digitalisierungsminister Christian Pegel übergeben. ZVG/Annelie Bänsch/WITENO GmbH
Blick auf den Prototyp der „Blutspende-App für die Blutspendeversorgung“: So könnte der Blutspende-Auswe
Blick auf den Prototyp der „Blutspende-App für die Blutspendeversorgung“: So könnte der Blutspende-Ausweis der Zukunft aussehen. Müller & Wulff/Screenshot
Greifswald ·

Die Blutvorräte in Mecklenburg-Vorpommern werden zunehmend knapp. Aufgrund fehlender Konserven mussten Krankenhäuser sogar schon Operationen verschieben. Doch die sinkenden Spenderzahlen hängen nicht nur mit Corona zusammen. Manchmal sind es gesundheitliche Gründe, die gegen eine Spende sprechen, oft liegt es aber auch einfach an organisatorischen Dingen und Fragen wie: Darf ich schon wieder spenden? Wenn ja, wo ist das gerade möglich? Und wo ist eigentlich mein Blutspende-Ausweis geblieben?

Blutspende-App als Sieger

Dieses Problems nahm sich das Greifswalder Unternehmen Müller & Wulff an, das sich seit 2008 mit App-Entwicklungen einen Namen gemacht hat. Es will den klassischen Papier-Ausweis gegen eine digitale Version austauschen. Die Idee der Blutspende-App kam so gut an, dass das Unternehmen damit sogar einen Sieg verbuchen konnte, und zwar beim sogenannten Healthcare Hackathon Greifswald.

Es ist die erste Veranstaltung des sich in Gründung befindlichen Greifswalder Digital Health Hubs, einer Initiative der Witeno GmbH und der Universitätsmedizin Greifswald. Sie fand im Rahmen des Landes-Digitalkongresses NØRD statt.

Aber was versteckt sich hinter dem sperrigen Namen Healthcare Hackathon? Healthcare ist der englische Begriff für das Gesundheitswesen. Der Begriff Hackathon setzt sich aus den Wörtern „Hack” und „Marathon“ zusammen und steht hier für eine Veranstaltung, bei der in kleinen Kreativ-Gruppen und in lockerer Atmosphäre an Problemen getüftelt, neue Produkte entwickelt und Lösungen programmiert werden.

Digitale Lösungen schaffen

Beim Healthcare Hackathon in Greifswald arbeiteten mehr als 100 Teilnehmer gute drei Wochen an den besten digitalen Lösungsansätzen für verschiedene Herausforderungen des Gesundheitswesens im Land. Dabei hatten die Teams die Möglichkeit, aus neun Themenfeldern zu wählen, die von fachkundigen Themenpaten eingereicht wurden. So ging es zum Beispiel um die Steigerung der Reha-Nachhaltigkeit. Patin war Katja Enderlein von der Medigreif GmbH. Ein anderes Themenfeld, eingereicht von der DAK-Gesundheit, drehte sich um die Frage, wie man digitale Gesundheitskompetenz aufbauen und stärken kann.

Wegen der knappen Zeit aufs Wesentliche konzentriert

Und eines der Themenangebote beschäftigte sich eben mit der Sicherstellung einer ausreichenden Blutspendeversorgung. „Wir hatten uns zunächst die verschiedenen Themen angehört und eine Nacht drüber geschlafen. Schließlich entschieden wir uns für das Thema Blutspende“, sagt David Wulff, Geschäftsführer von Müller & Wulff und auch selbst Blutspender.

„Wir hatten so viele Ideen, wo man was besser machen könnte. Doch weil die Zeit knapp war, haben wir uns auf das Wesentliche konzentriert.“ Die App ist nicht webbasiert, die Daten werden also nur lokal auf dem Smartphone gespeichert. Der ausgefüllte Anamnese-Bogen zum Gesundheitszustand und Vorerkrankungen des Spenders wird zum Beispiel erst bei der Blutspende vor Ort ausgedruckt.

Zweiter Platz für Stralsunder, dritter Platz für Rostocker

„Die Konkurrenz beim Finale war sehr stark, und wir hätten nicht mit einem Sieg gerechnet“, sagt Wulff. So landete hinter ihnen auf Platz zwei das Stralsunder Team „Unter Druck“, dessen Projekt sich mit der Echtzeitabfrage von Bettenkapazitäten beschäftigt. Mit den bereits verfügbaren Systemen lassen sich zwar tagesaktuelle Bettenkapazitäten digital abbilden, spontan lässt sich die Verfügbarkeit aber nur telefonisch in Erfahrung bringen. Dadurch geht im Notfall viel wertvolle Zeit verloren.

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Das Team „Medventi-Vernetzung“ aus Rostock landete auf dem dritten Platz und präsentierte eine Lösung für optimierte Patientenflüsse und eine Entlastung der Notaufnahmen. Entwickelt hat es dafür eine digitale Portalpraxis und den digitalen Portalassistenten „Portal-Doc“ zur automatisierten Einteilung der Patienten nach der Schwere der Verletzungen.

Glawe: „Algorithmen können das besser lösen”

Übergeben wurden die Preise von Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) und Digitalisierungsminister Christian Pegel (SPD). „Digitalisierung macht Prozesse effizienter und wird die Aufgaben übernehmen, die Algorithmen besser lösen können als wir. Das soll auch im Gesundheitswesen so sein“, sagte Glawe. „So stecken wir mitten in der Einführung der digitalen Patientenakte, optimieren Arbeitsabläufe in allen Bereichen, verändern die Kommunikation. Jetzt ist entscheidend, dass wir die Herausforderungen annehmen und innovative Lösungen finden. Der Hackathon ist dabei ein wichtiger Ansatz, um neue Ideen zu entwickeln und Innovationen voranzubringen.“

Die drei erstplatzierten Teams präsentieren ihre Projekte im Herbst im Rahmen des Berliner Healthcare Hackathons einem bundesweiten Publikum. „Bis dahin wollen wir unseren Prototyp zusammen mit der Unimedizin Greifswald weiterentwickeln, bis er wirklich funktioniert“, sagt Wulff. „Denn wir wollen nachhaltig etwas bewirken und beweisen, dass wir mit dieser App den Negativ-Trend beim Blutspenden stoppen können. Und das soll dann auch das Bundesgesundheitsministerium in Berlin überzeugen.“

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