BAUAUSSCHUSS

Große Skepsis gegenüber riesigem Solarpark bei Anklam

150 Millionen Euro Investitionen für ein Mega-Solarfeld bei Stretense und Gewerbesteuereinnahmen in Millionenhöhe? Für die Anklamer Bauausschussmitglieder klang das wohl zu gut, um wahr zu sein.
Das Ortsbild von Stretense könnte sich mit dem Großprojekt deutlich verändern, so die Befürchtung.
Das Ortsbild von Stretense könnte sich mit dem Großprojekt deutlich verändern, so die Befürchtung. Dennis Bacher
Anklam ·

Solarparks sind derzeit in vielen Gemeinden in aller Munde und Thema in den Ortsräten. Am Dienstagabend nun auch im Bauausschuss in der Stadt Anklam. Wobei die Dimensionen, die dort womöglich bei Stretense entlang der Bundesstraße 197 geplant sind, schon aufhorchen lassen. So ist eine Gesamtprojektfläche von rund 308,5 Hektar im Gespräch. Auf rund 272,5 Hektar davon könnten künftig Solarmodule stehen. Die restlichen Flächen dienen etwa zur Umfriedung als Ausgleichsflächen und Streuobstwiesen.

Gemessen an der reinen Fläche der Anlage wäre das Stretenser Bauvorhaben sogar doppelt so groß, wie Deutschlands bislang größter Solarpark in Brandenburg, mit dessen Bau in diesem Jahr begonnen wurde. Auf die Frage des Bauausschussvorsitzenden Holger Meyer (Initiativen für Anklam), ob es in Deutschland derzeit eine vergleichbare Anlage gibt, wie sie in dem Anklamer Ortsteil geplant wird, antwortete Investor Markus Borsch vom Ingolstädter Unternehmen „Anumar“ schlichtweg, mit einem Nein. Er spricht allein von einer Investitionssumme von 150 Millionen Euro.

Dorf wäre von Wind- und Solarenergiefeldern eingekreist

Um den Solarpark zu ermöglichen, wäre zunächst jedoch die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Gebiet und somit auch eine Ergänzung des Flächennutzungsplans der Stadt Anklam notwendig, um Baurecht für die Anlage zu schaffen. Vor Ort findet das Projekt ein geteiltes Echo, wie Ortsvorsteher und CDU-Stadtvertreter Marco Schulz (CDU) den Ausschussmitgliedern gestern nahelegte.

Er habe in all den Jahren als Ortsvorsteher selten so starken Kontakt zu den Anwohnern gehabt. Seine Befürchtung angesichts des gigantischen Ausmaßes: Stretense werde künftig komplett von bereits vorhanden Windparks und den geplanten Solarfeldern eingekreist. Das sei ein erheblicher Einschnitt für das Leben im Dorf, der so nicht gewollt ist, schlussfolgert er. Sowohl für die Lebensqualität als auch für den Wert der Grundstücke und die weitere Entwicklung des Ortes. Aufgrund der bislang weitgehend fehlenden Informationen herrschen zudem Gerüchte, Verunsicherung und Angst, so Schulz.

Information der Bürger von Planern abgelehnt

Er kritisiert, dass es bislang keine Einwohnerversammlung der betroffenen Stretenser gegeben habe. Eine Information der Bürger über das Bauvorhaben sei seitens der Planer abgelehnt worden, so Schulz, demnach seien Einzelgespräche und Bürgersprechstunden angeregt worden. Ein mögliches Beteiligungsverfahren stünde erst nach dem Aufstellungsbeschluss an, erklärte Anklams Bauamtschefin Sylvia Thurow.

Für die Anklamer Stadtvertreter könnte es am Ende eine Abwägung zwischen den Belangen der Stretenser Bürger und den finanziellen Auswirkungen für die Stadtkasse werden. Kommt der Solarpark der Anumar GmbH, wäre dies wohl nicht nur für den privaten Flächenbesitzer des Bavaria Saatgutbetriebs attraktiv, sondern auch für die Stadt hinsichtlich der Gewerbesteuereinnahmen, die dann in Millionenhöhe fließen könnten – über 30 Jahre winken geschätzte 30 Millionen Euro, so der Investor. Zudem sollen rund 20 Prozent der Investitionskosten an regionale Unternehmen gehen, verspricht Brosch.

Stadtvertretung entscheidet am 1. Oktober

Im Anklamer Bauausschuss konnte er gestern dennoch nicht überzeugen. So lehnte etwa Bernold Moede (FDP) die Nutzung von 300 Hektar landwirtschaftliche Fläche für Solarpaneele klar ab. Am Ende gab es für das Vorhaben im Bauausschuss nur eine Fürstimme bei drei Gegenstimmen und drei Enthaltungen. Dieses Votum hat jedoch nur beratenden Charakter. Die endgültige Entscheidung über den Projektvorstoß muss die Stadtvertretung auf ihrer Sitzung am kommenden Donnerstag, den 1.  Oktober, um 15.30 Uhr im Sparkassensaal in Anklam treffen.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Anklam

zur Homepage

Kommentare (1)

Ist doch wieder mal eigenartig: Eine Firma aus Bayern will einen Riesen-Solarpark bauen.
Das Gelände dafür gehört bisher einer bayrischen Firma mit dem treffenden Namen "Bavaria"

Informationsveranstaltungen werden abgelehnt und die Profite gehen nach Bayern und wir hier dürfen weiter den teuersten Strom Deutschlands bezahlen und dafür zusätzlich mit der Zerstörung unserer Landschaft bezahlen.

Wann bauen die Bayern mal in ihrem Land Anlagen. Trassen. Windräder???? Aber nein, "Heiliger St. Florian, verschon mein Haus, zünd andre an".....