STREIK ANGEDROHT

Haben Reinigungskräfte bald weniger Urlaub?

Seit 1. August ist der Rahmentarifvertrag für die Reinigungskräfte außer Kraft gesetzt. Die Gewerkschaft IG Bau warnt Beschäftigtenun, keine neuen, schlechteren Arbeitsverträge zu unterzeichnen.
Rita Nitsch Rita Nitsch
Christian Johner Christian Johner
Laut der Gewerkschaft IG Bau drohen einem Großteil der 2040 Reinigungskräfte im Kreis Vorpommern-Greifswald ab sofort massiv
Laut der Gewerkschaft IG Bau drohen einem Großteil der 2040 Reinigungskräfte im Kreis Vorpommern-Greifswald ab sofort massive Einbußen – und ruft deshalb dazu auf, keine „schlechteren Arbeitsverträge zu unterzeichnen“. Ig Bau
Anklam.

Der Reinigungsbranche im Kreis Vorpommern-Greifswald droht ein Streik. Die Vereinigung der Betriebe des Gebäudereiniger-Handwerks, der sogenannte Bundesinnungsverband, hat den Rahmentarifvertrag für die Branche zum 31. Juli gekündigt.

In diesem Rahmentarifvertrag ist zwar nicht der Lohn Bestandteil, dafür aber beispielsweise die Zahl der Urlaubstage, die Zuschläge oder auch die Kündigungsfrist. Bereits seit dem April des vergangenen Jahres gibt es eine Tarifrunde zwischen dem Bundesinnungsverband und der Gewerkschaft IG Bau (Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt), die beide bundesweit verhandeln.

Massive Einbußen

Die nächsten Verhandlungen sind für den 15. August vorgesehen. Sollte es auch dann keine Einigung geben, zieht die IG Bau Ostmecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Neubrandenburg Streiks als Konsequenz in Betracht. „Firmen und Kunden müssen auch im Kreis Vorpommern-Greifswald mit Arbeitsniederlegungen rechnen“, teilte die Gewerkschaft mit und ergänzte: „Einem Großteil der 2040 Reinigungskräfte im Kreis drohen ab sofort massive Einbußen.“

Bevor Gewerkschaft und Arbeitgeber am 15. August über einen neuen Vertrag verhandeln, sollen nach Beobachtung der IG Bau in der Zwischenzeit die Standards gedrückt werden. „Statt bisher 28 oder 30 Tagen Urlaub sollen Beschäftigte jetzt das gesetzliche Minimum von 20 Tagen hinnehmen. Zuschläge für Überstunden oder besondere Aufgaben, wie etwa die OP-Reinigung, könnten in neuen Arbeitsverträgen eingekürzt oder ganz gestrichen werden“, warnt Wolfgang Ehlert von der IG Bau Ostmecklenburg-Vorpommern.

Die Gewerkschaft ruft deshalb dazu auf, keine schlechteren Arbeitsverträge zu unterzeichnen. „Die Friedenspflicht zwischen IG Bau und Arbeitgebern lief Ende Juli aus.“ Währenddessen hat der Bundesinnungsverband die Hoffnung, dass es am 15. August zu einer Einigung kommt. „Unser Ziel ist es, dass sich beide Seiten so schnell wie möglich auf einen neuen Rahmentarifvertrag einigen“, sagte ein Sprecher des Bundesinnungsverbandes.

Nur Stimmungsmache?

Doch wie sehen Arbeitgeber der Region aus dieser Branche die Sache? „Wenn wir schlechtere Arbeitsverträge abschließen wollen würden, dann bin ich mir sicher, dass die Beschäftigten zu einer anderen Firma gehen würden. Das ist Stimmungsmache der Gewerkschaft, die sich für die Verhandlungen nur in Stellung bringen will“, sagte Tilo Brüsch, Chef der Gebäudeservice GbR in Anklam. „Wer bei uns arbeitet, der soll auch sein Geld verdienen. Wir haben jedenfalls nicht vor die Arbeitsverträge unserer 25 Beschäftigten zu ändern“, teilte René Krönert, Geschäftsführer des Gebäudereinigungsservice Zabel in Strasburg mit

Dazu zählen die Urlaubstage zwischen 28 und 32 Tagen genauso wie der Stundenlohn für Reinigungskräfte von 10,05 Euro und die Gebäudereiniger von 12,50 Euro die Stunde. Jene Löhne wurden im November 2017 festgesetzt. „Für den Lohntarifvertrag hat sich die Gewerkschaft noch sehr gefeiert. Ab dem 1. Dezember 2020 gibt es eine Lohnangleichung in Ost und West“, gab der Bundesinnungsverband bekannt.

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