Tierschützer warnen

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Haustiere sind kein Weihnachtsgeschenk

Viele Tiere, die zu Weihnachten vermittelt werden, kommen wieder zurück ins Heim.
Viele Tiere, die zu Weihnachten vermittelt werden, kommen wieder zurück ins Heim.
David-Wolfgang Ebener

Ein tapsiger Welpe oder eine flauschige Katze unterm geschmückten Baum sind doch zuckersüß – oder nicht? Tierschützer in Vorpommern halten wenig von lebendigen Geschenken zum Fest, denn mit dem Alltag ziehen oft Probleme ein.

Zu Weihnachten Tiere zu vermitteln, kommt für Sabine Schultz nicht infrage: „Deswegen schließen wir auch eine Woche vor Weihnachten das Tierheim“, sagt die Leiterin von Berndshof in Ueckermünde. In 20 Jahren hat sie so einiges in dem Verein erlebt und weiß daher, wie schnell so eine spontane Idee für Tier und Besitzer zur Last wird. „Vor allem um Silvester ist es so laut, da haben die Tiere gar keine Ruhe, um sich an eine neue Situation zu gewöhnen“, sagt sie. In Ueckermünde wird daher vom 17. Dezember 2018 bis 2. Januar 2019 kein Tier vermittelt.

Es habe bereits Situationen gegeben bei denen Kinder und Enkelkinder ihren Großeltern einen Hund schenken wollten. „Da sag ich dann, okay, kommt mit Oma und Opa her oder bastelt ihnen einen Gutschein, damit sie sich ihr Tier selbst aussuchen können“, sagt Sabine Schultz. Oft würden die Senioren dann gar kein Haustier haben wollen.

Chemie zwischen Besitzer und Tier muss stimmen

Generell sei es sehr problematisch, in ein Tierheim zu gehen und für jemand anderen ein Hund oder eine Katze zu finden. „Wir müssen gucken, ob die Chemie zwischen Besitzer und Tier stimmt“, sagt Sabine Schultz. Es sei also unbedingt notwendig, dass Mensch und Hund sich erst mal an einander gewöhnen. Laut der Leiterin ist es aus diesem Grund auch gar nicht möglich ein Tier sofort mitzunehmen.

Stattdessen müssten die potenziellen Besitzer erst einmal mit dem Vierbeiner Gassi gehen und später testweise den Hund für ein paar Tage mit nach Hause nehmen. Erst nach einiger Zeit kann das künftige Haustier mit nach Hause genommen werden. Wie lang dieser Zeitraum ist, hängt von Tier und Herrchen oder Frauchen ab. Aber auch nach der Vermittlung gebe es stichprobenweise Kontrollbesuche bei den frisch gebackenen Haustierbesitzern.

Zuerst über Bedürfnisse des Tieres informieren

Auch im Greifswalder Tierheim sieht es ähnlich aus. „Wir geben keine Tiere als Geschenk mit“, sagt die dortige Leiterin Silvia Grünberg. Zwar schließt das Tierheim in Diedrichshagen nicht zum Fest, aber die Mitarbeiter seien nicht erpicht darauf Tiere zu dieser Zeit zu vermitteln: „Denn zwischen Weihnachten und Neujahr sind die Leute viel unterwegs und haben keine Zeit für das Tier“, so die Leiterin.

Kerstin Lenz, Vorsitzende beim Tierschutzverein Demmin, sieht das genauso. Sie sagt aber auch, dass die Menschen für das Thema sensibler geworden seien. Vor zehn Jahren hätten noch viele Familien Tiere mitgenommen. Aber spätestens vier Wochen nach dem Fest wurden diese dann ausgesetzt oder im Tierheim abgegeben. Aber was ist denn eine Alternative, wenn das Kind unbedingt einen Hund möchte? „Es wäre eine gute Möglichkeit, ein Buch über das Tier zu verschenken“, sagt Lenz. Dann könnten Eltern und Kinder sich gemeinsam mit den Bedürfnissen des Tiers beschäftigen und entscheiden, ob es zur Familie passt.

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