Wolgasts winzige Welten

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Hier werden ganze Welten gebaut

Das ehemalige Möbelversandhaus soll, als Museum, in neuem Glanz erstrahlen.
Das ehemalige Möbelversandhaus soll, als Museum, in neuem Glanz erstrahlen.
Karsten Riemer

Herr der Ringe, Harry Potter oder Game of Thrones: in Wolgast kann man bald ganze Miniaturwelten davon bestaunen. Doch bis zum Wunderland fehlen noch zwei Millionen Euro.

Vier Türme zieren das ehemalige Möbelversandhaus in Wolgasts Gewerbegebiet und verleihen dem Gebäude bereits jetzt einen gewissen Charme. Auf rund 11 000 Quadratmetern ist hier eine ambitioniertes Projekt in Arbeit, welches in dieser Größe einzigartig sein dürfte. Unter dem Namen Weltenkonstruktorium planen die Brüder Ronny und Roland Roeßler ein Museum der besonderen Art. Und sie brennen für ihre Sache.

„Das ganze hat sich aus einem Hobby heraus entwickelt”, sagt Roland Roeßler auf die Frage nach der Ideenfindung. Die private Miniaturensammlung der beiden Brüder sorgte für Begeisterung im Freundeskreis. Daraus entstand die Idee eine Ausstellung mit den Figuren zu machen. Bereits seit 2012 entwickeln sie den Plan immer weiter. „Wir haben uns gefragt, was wir für Mecklenburg- Vorpommern machen können, da wir von hier kommen und auch mit unserer Idee nirgends anders hinwollen”, so Roeßler. Mittlerweile hat Bruder Ronny Roeßler zu 200 Miniaturenherstellern weltweit Kontakt aufgenommen um Produkte aus den unterschiedlichsten Themenfeldern in die Ausstellung zu holen. Der ehemalige Bundeswehrsoldat kümmert sich inzwischen ausschließlich um die Belange des zukünftigen Museums. Roland Roeßler unterhält weiterhin eine Rechtsanwaltskanzlei in Greifswald und stützt damit die Ausgaben, die während der langen Planungszeit aufgelaufen sind.

25 bis 33 Millimeter groß

Die ausgestellten Figuren im Maßstab 1:56 sind nur 25 bis 33 Millimeter groß, in Kombination mit Fahrzeugen, Bäumen, Häuser und anderen Komponenten entstehen Dioramen, die eine ganz eigene Faszination ausstrahlen. Diese kleinen gebauten Welten sollen historische Schlachten darstellen, aber auch Szenen aus Filmen und Serien. „Wir haben von allem etwas da. Der Herr der Ringe, Harry Potter, Game of Thrones und Star Wars werden in dem Museum beispielweise Einzug halten”, so die Brüder. Zusätzlich zu den komplexen Dioramen, sind Einzelausstellungen geplant in denen rund 100.000 Miniaturen zu sehen sind. „Es gibt kaum einen Ort an dem man so viele Produkte live sehen kann”, gibt Ronny Roeßler an.

Aber nicht nur die kleine Figuren haben ihren Platz in den weitläufigen Hallen. Zusätzlich sollen lebensgroße Kunstwerke aus den Themengebieten ausgestellt werden. Das ganze Projekt ist als Mitmachmuseum angelegt. „Eine Kombination aus Erlebnis, Bildung und Tourismus”, sagt Roland Roeßler. Das heißt, dass es nicht nur Ausstellungsstücke zu bestaunen geben soll, sondern die zukünftigen Besucher ganz aktiv in den Prozess mit eingebunden werden. „Die Dioramen werden offen sein, damit jeder sehen kann, wie so eine Miniaturwelt entsteht”, erklärt Ronny Roeßler. In geleiteten Workshops können außerdem Miniaturen bemalt oder andere Requisiten hergestellt werden, die dann auch Teil der Welten werden.

Mitmach-Museum

Da die Miniaturen zu großen Teilen aus den sogenannten „Tabletop-Spielen” stammen, wird auch der Spielfaktor nicht zu kurz kommen. Über 20 Spieltische planen die Brüder in ihrem Museum. „An denen können dann ständig wechselnde Abenteuer bestritten werden”, sagen die Beiden zu ihren Plänen.

Wolgasts Bürgermeister Stefan Weigler steht laut der beiden Gründer vollkommen hinter dem Projekt. Das Problem ist dennoch die Finanzierung. „Einen Investor haben wir bereits gefunden," gibt Roland Roeßler an. Trotzdem sind die Banken von einer Kreditvergabe noch nicht vollends überzeugt. Insgesamt 2 Millionen Euro sind für das Projekt inklusive der laufenden Kosten des ersten Jahres kalkuliert. „Wir brauchen nur eine Bank, die die Idee unterstützt, der Rest ist fertig”, so Ronny Roeßler.

Dieses Projekt, welches jedem die Möglichkeit gibt, in seine eigene Fantasie abzutauchen, künstlerisch tätig zu werden und zu lernen, ist eine Herzensangelegenheit. „Es gibt keinen Plan B, das wird jetzt durchgesetzt”, sagt Ronny Roeßler lachend.