KINDESENTFüHRUNG

Hunderte Polizisten üben den Ernstfall

Am Mittwoch herrscht im vorpommerschen Hintersee der Ausnahmezustand. Polizisten aus Deutschland und Polen üben den Fall einer Kindesentführung. Der Einsatz hat einen realen Hintergrund.
Holger Schacht Holger Schacht
Ende eines Entführungsfalls aus dem Jahr 2015: Polizisten bringen in Anklam Entführer Adrian M. zum Polizeiauto.
Ende eines Entführungsfalls aus dem Jahr 2015: Polizisten bringen in Anklam Entführer Adrian M. zum Polizeiauto. Kai Horstmann
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Hintersee.

Polizeihubschrauber kreisen am Himmel, Straßen werden gesperrt, der fließende Verkehr kontrolliert, hunderte Beamte aus Deutschland und Polen durchkämmen zu Fuß, mit Autos und Fährtenhunden das Waldgebiet zwischen Hintersee und Dobieszcyn. Unter dem Arbeitsnamen „Most“, was aus dem Polnischen übersetzt „Brücke“ heißt, üben kommenden Mittwoch Polizeikräfte eine Kindesentführung. Von neun Uhr bis mittags herrscht in der Region der Ausnahmezustand. Danach verlagert sich das Geschehen bis 16 Uhr hinter die Grenze nach Polen.

Polizeisprecherin Claudia Tupeit vom Polizeipräsidium Neubrandenburg: „Alles soll so realistisch in Szene gesetzt werden wie bei einem echten Entführungsfall. Die Übung dient in erster Linie dazu, die Zusammenarbeit zwischen der polnischen und der deutschen Polizei zu verbessern. Auch sprachliche Barrieren sollen überwunden werden.“

Der Einsatz für die Beamten wird gegen 7.15 Uhr an der Grundschule „Theodor Bauermeister“ in Ribnitz-Damgarten beginnen. Details sind bisher nicht bekannt, aber es ist anzunehmen, dass dort ein Schüler oder eine Schülerin von einem Erwachsenen ins Auto gezerrt werden wird. Polizeisprecherin Tupeit: „Ermittlungen am Tatort und Aussagen von Zeugen bringen uns zur Annahme, dass sich das Fluchtfahrzeug mit den gesuchten Personen im Grenzgebiet zwischen Stettiner Haff und A 11 aufhalten könnten.“

Entführte Schülerin bei Friedland befreit

Zu grenzüberschreitenden Entführungen zwischen Deutschland und Polen ist es in Vorpommern in den Jahren 2015 und 2016 zweimal gekommen. Im April 2015 verschleppte der psychisch kranke Adrian M. (31) die Schülerin Maja (10) aus Wołczków bei Stettin mit seinem Opel Vectra mehr als 20 Stunden. Polizisten fassten den Täter zwischen Galenbeck und Friedland.

Das Mädchen erlitt bei einem Fluchtversuch einen Beinbruch. Adrian M. sitzt heute in der geschlossenen Psychiatrie. Im April 2016 ereignete sich ein spektakulärer Fall in Löcknitz. Landsleute holten dort wegen nicht bezahlter Schulden einen Polen (30) aus einem Taxi, rasten mit ihm in einem anderen Wagen davon. Später tauchte das Opfer wieder in seinem Wohnort Grambow auf. Polizisten nahmen ihn wegen offener Haftbefehle fest.

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