ELEKTRO-KESCHER

▶ Im Landgraben wird mit Strom geangelt (Video)

Ein Boot, ein Generator und ein langer Kescher. Wenn Gewässerwart Volker Worschech die Fischvielfalt im Landgraben untersucht, geht das ohne Angel. Die Arten, die er dabei findet, sind oft kaum bekannt.
Karsten Riemer Karsten Riemer
Im Landgraben bei Friedland wird zur Fischbegutachtung mit einem 300-Volt-Stromkescher geangelt.
Im Landgraben bei Friedland wird zur Fischbegutachtung mit einem 300-Volt-Stromkescher geangelt. Karsten Riemer
Hecht, Bitterling und Schlammpeitzger innerhalb kürzester Zeit zeigt sich die Artenvielfalt des Fließgewässers
Hecht, Bitterling und Schlammpeitzger innerhalb kürzester Zeit zeigt sich die Artenvielfalt des Fließgewässers. Karsten Riemer
Auch am Wehr in der Nähe von Kavelpass tummeln sich Fische. Um diesen den Weg durch das Gewässer zu erleichtern, gib
Auch am Wehr in der Nähe von Kavelpass tummeln sich Fische. Um diesen den Weg durch das Gewässer zu erleichtern, gibt es sogar eine Fischtreppe. Spannender wird der Bestand jedoch erst im weiteren Verlauf des Landgrabens Karsten Riemer
Hecht, Bitterling und Schlammpeitzger innerhalb kürzester Zeit zeigt sich die Artenvielfalt des Fließgewässers
Hecht, Bitterling und Schlammpeitzger – innerhalb kürzester Zeit zeigt sich die Artenvielfalt des Fließgewässers. Karsten Riemer
Regelmäßig ist Gewässerwart Volker Worschech auf dem Landgraben unterwegs und kontrolliert den Bestand.
Regelmäßig ist Gewässerwart Volker Worschech auf dem Landgraben unterwegs und kontrolliert den Bestand. Karsten Riemer
Ein Fang im Langrabental, den Volker Worschech mit dem Strom-Kescher gefangen hat.
Ein Fang im Langrabental, den Volker Worschech mit dem Strom-Kescher gefangen hat. Karsten Riemer
Ein Fang im Langrabental, den Volker Worschech mit dem Strom-Kescher leicht begutachten kann.
Ein Fang im Langrabental, den Volker Worschech mit dem Strom-Kescher leicht begutachten kann. Karsten Riemer
Ein Aal, den Volker Worschech mit dem Strom-Kescher leicht begutachten kann.
Ein Aal, den Volker Worschech mit dem Strom-Kescher leicht begutachten kann. Karsten Riemer
Und noch ein Fang im Elektro-Kescher.
Und noch ein Fang im Elektro-Kescher. Karsten Riemer
"So viele Gründlinge hatte ich noch nie", sagt Gewässerwart Volker Worschech.
"So viele Gründlinge hatte ich noch nie", sagt Gewässerwart Volker Worschech. Karsten Riemer
Der Schlammpeitzger ist nicht vielen bekannt und fühlt sich im Landgraben sehr wohl.
Der Schlammpeitzger ist nicht vielen bekannt und fühlt sich im Landgraben sehr wohl. Karsten Riemer
Kavelpass.

Meterhohe Wände aus Schilf erstrecken sich am Ufer des Landgrabens. Langsam, mit lautem Motor und einem dröhnenden Stromgenerator bahnt sich ein kleines weißes Boot seinen Weg durch das Wasser. Obwohl es sich um ein Fließgewässer handelt, liegt die Oberfläche glatt vor dem Bug. Einzig die Wasserbewohner sorgen an einigen Stellen für leichte Wellen. Denn hier an der Grenze zwischen Vorpommern und Mecklenburg wimmelt es vor Leben.

21 Fischarten leben im Landgraben – Hecht, Barsch, Schlei und Rotauge

„Der Landgraben ist das artenreichste Gewässer“, sagt der Gewässerwart des Kreisanglerverbands Ostvorpommern e. V., Volker Worschech. Rund 21 Fischarten leben in den verzweigten Gräben. Ein Wert, der weit über dem Durchschnitt liege. Neben bekannten Fischen, wie Hecht, Barsch, Schlei und Rotauge finden sich in dem schmalen Wasserlauf aber auch Arten, die selbst Anglern kaum bekannt sind. „Anglerisch sind die nicht relevant“, sagt Worschech.

 

 

Einer dieser unbekannten Namen ist Schlammpeitzger. Der langgestreckte bräunliche Grundfisch gilt als stark gefährdet, da sein Lebensraum, zu dem auch Moore, Sümpfe und schlammig-krautige Flüsse zählen, in der Vergangenheit oft trockengelegt wurden. Im Langraben hingegen hat der Fisch all das, was er zum Überleben braucht. Durch das klare Wasser lässt sich bis auf den Grund des rund 1,20 Meter tiefen Grabens gucken. Pflanzen wiegen sanft hin und her. Der Boden ist dunkel, besteht aus abgestorbenem Kraut und Schlamm – für den Schlammpeitzger ideal. „Die Wasserqualität ist top“, so der Gewässerwart.

Fauliges Wasser sorgte für großes Fischsterben

Das war und ist allerdings nicht immer so. „Der Landgraben wurde zu einem Wasserablauf degradiert, er ist nur noch eine Rinne“, sagt er. So werde das Gewässer auch bewirtschaftet und genutzt. Vor einigen Jahren wurde das besonders deutlich. „Als die Wiese überschwemmt war, wurde das Wasser in den Graben gepumpt“, erinnert sich Worschech. Durch die lange Zeit auf der Wiese war es allerdings faulig geworden. „Dadurch hatten wir ein großes Fischsterben“, so der Gewässerwart. Erstaunlich sei jedoch, wie sich das Gewässer immer wieder erholt.

Festmachen lässt sich das an der Artenvielfalt. Doch wie lässt sich diese feststellen? Mit der Angel oder der Senke sind die verschiedenen Fische kaum zu fangen; trotz klaren Wassers auch vom Boot aus nicht zu erspähen. Doch der Gewässerwart hat eine andere Technik für die Bestandskontrolle – Elektrofischen. Auch wenn diese Fischereimethode oft umstritten ist und einer besonderen Ausbildung bedarf.

Die Fische schwimmen dem 300-Volt-Strom-Kescher hinterher

Der Stromgenerator auf dem Boot ist mit einem langstieligen Kescher verbunden. 300 Volt liegen am Netz an. Sobald Worschech dieses ins Wasser hält, erzeugt er ein elektrisches Feld, welches die Fische in der Umgebung betäubt. Einige werden von dem Strom sogar angezogen und schwimmen dem Fanggerät hinterher.

Es dauert nur wenige Minuten, bis er die ersten Fänge begutachten kann. Ein Aal schlängelt sich im Kescher, Hecht und Barsch folgen. Aber auch die unbekannteren Arten sind schnell gefangen. Schlammpeitzger, Steinbeißer, Bitterling. „Die Gründlinge sind erstaunlich gut, so viele hatte ich bisher noch nie“, zeigt sich Worschech zufrieden. Gut einen Kilometer fährt er den Graben entlang, hält immer wieder den Kescher in Ufernähe ins Wasser und zieht das Netz durchs Kraut. In den meisten Fällen zappelt es hinterher in den Maschen.

Worschech: "Es ist eine sehr schonende Methode"

Und genauso schnell wie im Kescher landen die Tiere auch wieder im Wasser und schwimmen weg. Der Stromstoß zeigt dabei keine längere Wirkung. Selbst die kleinsten Fische berappeln sich nahezu sofort. „Es ist eine sehr schonende Methode“, sagt Worschech. Die Mortalitätsrate sei sehr gering, weil unter anderem die Schleimhäute nicht verletzt würden.

Schon nach kurzer Zeit hat der Gewässerwart eine erfolgreiche Ausbeute. „Ich habe die Fischarten gesehen, die ich wollte“, sagt er. Abgeschlossen ist die Bestandsaufnahme damit jedoch nicht. „Ich kriege ja nie alle Fische“, sagt er. Ein Ausflug auf dem Graben liefere immer nur eine Momentaufnahme. Und auch wenn nicht alle Fische an die Angel gehen, ist Worschech für ein umfassendes Bild doch auf die Fangmeldungen der Angler angewiesen.

 

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Kavelpass

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