Viele Angestellten in der Pflegebranche haben sich anscheinend schon in den vergangenen Monaten für die Impfung entschied
Viele Angestellten in der Pflegebranche haben sich anscheinend schon in den vergangenen Monaten für die Impfung entschieden. Michael Reichel
Impfpflicht in der Pflege

Impfquoten bei Pflege-Firmen schon jetzt hoch

Ab Mitte März soll die Impfpflicht gegen Corona für Pflegepersonal gelten. Eine Stichprobe in Anklam zeigt, dass man dort dem Stichtag gelassen entgegensieht.
Anklam

Während über die allgemeine Impfpflicht derzeit allerorten diskutiert wird, ist die Verpflichtung zur Corona-Schutzimpfung für Pflegepersonal bereits beschlossen. Im März soll diese in Kraft treten, damit tickt derzeit für bislang ungeimpfte Pflegekräfte die Uhr, um sich rechtzeitig die erste Spritze abzuholen.

In den Pflegeeinrichtungen der Stadt Anklam ist das Thema dementsprechend ebenfalls akut. Relativ gelassen schaut Pflegedienstchef Maximilian Vandree dem Stichtag entgegen. Aktuell seien lediglich zwei Mitarbeitende in seiner Firma noch nicht geimpft, sie hätten jedoch die Absicht, dies noch rechtzeitig zu tun, bereits erklärt. „Das ist von insgesamt 36 Mitarbeitern ein ziemlich guter Schnitt“, sagt Vandree.

Pflegedienstchef sieht Impfpflicht kritisch

Er selbst sei ein großer Freund der Impfung, einer Impfpflicht speziell für Pflegekräfte steht er dagegen durchaus kritisch gegenüber. „Es betrifft damit zurzeit nur einen Berufszweig, der ohnehin bereits große Probleme in der Mitarbeitergewinnung hat und seit Jahren um jede Fachkraft kämpft. Bei einer allgemeinen Impfpflicht wäre das was anderes“, erklärt er.

Ähnlich sieht das auch Thomas Falk, Geschäftsführer vom Pflegedienst Martina Baltz. Dort seien auch schon jetzt fast alle Mitarbeiter geimpft. Lediglich zwei oder drei von insgesamt 200 Angestellten seien derzeit noch nicht durch eine Impfung immunisiert. Thomas Falk zeigt sich damit zufrieden.

Kritikerin hofft auf Corona-Proteste

Auch er ist ein Impfbefürworter und habe sich selbst, so bald es möglich war, ebenfalls sofort impfen lassen. „Ich sehe das als wichtigen Schritt für den Eigenschutz und den Schutz der Menschen an, die wir jeden Tag bestmöglich betreuen wollen und für deren Gesundheit wir ebenfalls mit verantwortlich sind“, sagt er.

Kritik an der Impfpflicht nur für einzelne Berufsgruppen äußert er trotzdem und sieht sich in der jetzigen Situation auch als Arbeitgeber in der Bredouille: „Was passiert beispielsweise mit Pflegekräften, die ab dem 16. März eingestellt werden, um dann freigestellte Kollegen zu ersetzen, wenn sich Letztere dann doch zur Impfung entscheiden“, fragt er etwa. Darauf habe die Politik aus seiner Sicht noch keine Antworten gegeben. Rechtlich seien da Fragen offen, so Falk.

Offen ist derzeit auch für Kirsten Bräsel, wie sie persönlich ab dem 16. März weitermacht. Noch hofft die Pflegedienstgründerin in Anklam, dass der montägliche Corona-Protest die Politik in Sachen Impfpflicht zum Umdenken bringt. Ansonsten ist am 16. März für sie als gelernte Krankenschwester nach 42 Jahren in ihrem geliebten Beruf Schluss. „Ich lasse mich nicht impfen und stehe dazu“, sagt Bräsel. Die Impfstoffe seien aus ihrer Sicht nicht ausreichend erforscht, zur „Labormaus“ wolle sie sich nicht machen lassen.

Krankenschwester will keinen Eingriff in Körper

Viele ihrer Kollegen sehen das auch im eigenen Haus anders. Von 19 Mitarbeitenden seien rund zwei oder drei ungeimpft. Kirsten Bräsel, die selbst seit einigen Jahren nur noch als Angestellte arbeitet, ist eine davon. Das Unternehmen werde also auch nach dem bisher gesetzten Stichtag weiter funktionieren.

Corona leugne sie keineswegs, betont Kirsten Bräsel. Die Anklamerin sei selbst schon erkrankt gewesen – mit leichten Symptomen. Ihre Patienten seien zudem zu rund 90 Prozent alle geboostert, also bereits aufgefrischt. Viele seien auch in den vergangenen Monaten an Corona erkrankt – niemand sei in ihrem Haus jedoch verstorben. Die allesamt milden Verläufe rechnet Bräsel deshalb durchaus der Impfung zu. Die Entscheidung für ihren eigenen Körper ändere das jedoch nicht. Deshalb will sie auch weiter gegen die Impfpflicht jeden Montag in Anklam protestieren.

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