Der Landkreis Vorpommern-Greifswald hatte am Dienstag, 11. Januar, eine Sieben-Tage-Inzidenz von 453,8 Neuinfektionen auf 100.
Der Landkreis Vorpommern-Greifswald hatte am Dienstag, 11. Januar, eine Sieben-Tage-Inzidenz von 453,8 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner. NK-Grafik
Insgesamt wurden bis Dienstag von 26 Schulen Positivfälle gemeldet, darunter acht mit Fallhäufungen, also einer Mehr
Insgesamt wurden bis Dienstag von 26 Schulen Positivfälle gemeldet, darunter acht mit Fallhäufungen, also einer Mehrzahl an Fällen. Hinzu kamen zwölf Kindertagesstätten und Horte mit drei Fallhäufungen sowie sieben Pflegeeinrichtungen mit sechs Fallhäufungen. NK-Grafik
Corona-Zahlen

Infektionszahlen steigen in Vorpommern wieder rasant an

Weiterhin hat der Landkreis Vorpommern-Greifswald hohe Infektionszahlen. Sorgen bereiten vor allem Impfdurchbrüche, die auch vermehrt Kinder- und Pflegeeinrichtungen treffen.
Greifswald

Landesweit gilt Warnstufe Orange, im Landkreis Vorpommern-Greifswald jedoch weiterhin Rot. Mit einer Hospitalisierungs-Inzidenz von 9,8 Neueinweisungen pro 100.000 Einwohnern binnen einer Woche registriert der äußerste Nordosten am Dienstag derzeit das landesweit höchste stationäre Krankheitsgeschehen – mehr noch als der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte als bisheriger Spitzenreiter, dessen Hospitalisierungs-Inzidenz von 11,6 auf 9,7 sank.

Auch für Nichtinfizierte ist Situation belastend

Die Situation auf den Intensivstationen sei angesichts vieler nichtgeimpfter Personen angespannt, sagt Christian Arns, Sprecher der Unimedizin Greifswald, wo aktuell 38 infizierte Personen behandelt werden, darunter 13 auf Intensivstation. Das seien natürlich hohe Zahlen, dennoch schätze man die aktuelle Lage innerhalb der gegenwärtigen Omikron-Welle noch einigermaßen als beruhigt ein.

Belastend sei die Situation vor allem für Nichtinfizierte, sagte Arns. „Wir behandeln natürlich alle Notfälle und Schwererkrankte wie Krebspatienten. Und wann immer wir Lücken sehen, führen wir auch planbare, dringende Operationen durch, etwa bei Schmerzpatienten.“

Belastbare Zahlen für den als sicher geltenden Vormarsch der neuen Omikron-Variante im Landkreis liegen bislang nicht vor. Welche Auswirkungen das für die Krankenhäuser haben wird, bleibt nach Einschätzung von Experten abzuwarten. Die neue Virus-Mutation sei wesentlich ansteckender, aber im Krankheitsverlauf auch milderer, sagt Arns. Viele Patienten würden also nicht unbedingt gleich krankenhauspflichtig, dennoch müsse man sich angesichts deutlich steigender Infektionszahlen auch wieder auf mehr Einweisungen einstellen.

Hoffnung auf neue Medikamente

„Wir werden in den nächsten Wochen sehen, welcher Effekt überwiegen wird und welche Rolle dabei letztendlich auch die Impfungen und Impfverweigerungen spielen.“ Abzuwarten bleibe auch, welche Auswirkungen die teilweise inzwischen angewendete Antikörpertherapie für Erkrankte im Frühstadium haben werde. In Sicht sind zudem auch neue Medikamente, wie das von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) zugelassene „Virus Nucleotid Analogon“, das aber hierzulande noch nicht zur Verfügung steht.

Nach fast zweijähriger Pandemie haben sich die Krankenhäuser zum Beispiel mit strikteren Quarantänevorkehrungen relativ gut auf die Situation eingestellt. Es gebe aktuell keine besondere personalkritische Situation, sagt Arns. Es existierten beispielsweise Pläne, mit denen man im Ernstfall gegebenenfalls bestimmte Stationen schließen und zusätzliche Betten für Coronapatienten zur Verfügung stellen könne. Dazu gehöre auch, dass im Bedarfsfall die Notaufnahme mit einem zweiten Arzt oder einer Ärztin besetzt werde.

Unterdessen gehen die Ansteckungszahlen im Landkreis Vorpommern-Greifswald durch die Decke, was Experten nicht nur auf die seit dem Jahreswechsel wieder ansteigenden Testungen und Meldungen zurückführen, sondern auch auf die zunehmende Ausbreitung von Omikron. Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit stieg die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Infektionen im Landkreis binnen einer Woche von 347,8 auf 453,8.

In Heringsdorf hat sich Inzidenz verdoppelt

Den rasantesten Anstieg meldete die Gemeinde Heringsdorf. Hier schnellte laut Gesundheitsamt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen einer Woche auf mehr als das Doppelte von 415 auf 888. Auch die Stadt Pasewalk mit einer Inzidenz von 633 (Vorwoche: 352), die Stadt Greifswald mit 380 (Vorwoche: 211) und das Amt Landhagen mit 339 (Vorwoche: 170) registrierten hohe Zuwächse. Infektionstreiber im Kreis ist aktuell das Amt Am Stettiner Haff mit einer Inzidenz von 947 (Vorwoche: 570).

Made with Flourish

Gemeldet wurden auch mehrere schwerwiegende, besorgniserregende Impfdurchbrüche. So seien aktuell im Pflegeheim „Haus Meerblick“ in Lubmin 20 Personen infiziert worden. Auch das „Haus der Geborgenheit“ in Eggesin registrierte mit 23 Neuinfektionen eine starke Erkrankungswelle.

Insgesamt wurden bis Dienstag von 26 Schulen Positivfälle gemeldet, darunter acht mit Fallhäufungen, also einer Mehrzahl an Fällen. Hinzu kamen zwölf Kindertagesstätten und Horte mit drei Fallhäufungen sowie sieben Pflegeeinrichtungen mit sechs Fallhäufungen. Besonders betroffen sind unter anderem das Kursana-Domizil Greifswald, die Regionale Schule „Heberlein“ in Wolgast, das „Haus der Zufriedenheit“ in Ferdinandshof, die Integrierte Gesamtschule Greifswald, die Gyscare-Intensivpflege Eggesin sowie das Ostseegymnasium und die Kita „Lütt Matten“ in Greifswald.

Für die nächsten Wochen kündigte die Kreisverwaltung verstärkte Impfaktionen an. An allen Stützpunkten seien Impfungen ohne vorherige Terminabsprache möglich. Allerdings könnte es dabei auch mal zu Wartezeiten kommen, schränkte Kreissprecher Achim Froitzheim ein. Zudem würden ab sofort künftig an jedem Dienstagnachmittag im Impfzentrum Greifswald auch Impfmöglichkeiten für Kinder ab einem Alter von fünf Jahren angeboten. Dafür würden auch Kinderärzte zur Beratung anwesend sein. Außerdem solle es jeden Samstag sogenannte Familienimpftage geben, für die es ebenfalls keine vorherige Terminvereinbarungen bedürfe.

Bundeswehrsoldaten unterstützen den Kreis

Während der aktuellen vierten Pandemiewelle unterstützen voraussichtlich bis Ende Januar Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten die mobilen Impfteams. Fünf Angehörige der Bundeswehr werden am Impfzentrum Greifswald eingesetzt. Weitere 15 Kräfte helfen am Standort Pasewalk bei der Kontaktnachverfolgung. Und drei Bundeswehrangehörige haben das Team im Abstrichzentrum des Kreises in Pasewalk verstärkt.

Übersicht am Dienstag: Mehr als 1700 neue Corona-Fälle in MV

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