CORONA-KRISE

Ist bald Endstation für den Busverkehr?

Schon vor der Corona-Krise hatten die Busbetriebe im Kreis keinen leichten Stand. Der Linienverkehr war immer ein Tauziehen zwischen Nutzen und Notwendigkeit. Nun stellt sich aber die Frage: Wer fährt denn jetzt noch mit dem Bus?
Auch in den Bussen, die im Landkreis unterwegs sind, ist zu sehen, dass dies keine normalen Zeiten sind. Wegen Corona-Gefahr s
Auch in den Bussen, die im Landkreis unterwegs sind, ist zu sehen, dass dies keine normalen Zeiten sind. Wegen Corona-Gefahr sind Abstandsbereiche zum Fahrer abgesperrt. Gäste müssen hinten einsteigen. Stefan Hoeft
Leere Bushaltestellen gibt es aktuell viele im Kreis. Es fehlen die Schüler und zahlreiche der restlichen Gäste.
Leere Bushaltestellen gibt es aktuell viele im Kreis. Es fehlen die Schüler und zahlreiche der restlichen Gäste. Stefan Sauer
Anklam.

Verteilt auf den rund 4000 Quadratkilometern des Kreises Vorpommern-Greifswald befinden sich mehr als 2200 Haltestellen. Und eigentlich, ja eigentlich sollen sie alle angefahren werden, weil es überall im Kreis Bewohner gibt, die sonst keinen Zugang zu Infrastruktur, wie Ärzten, Apotheken oder Supermärkten haben. Mit der Corona-Krise ist diese organisatorische und wirtschaftliche Herausforderung allerdings noch mal größer geworden. Der Schülerverkehr ist weggebrochen und der öffentliche Nahverkehr gilt generell als mögliche Übertragungsquelle für das Virus.

Was passiert, wenn zu wenige Gäste eine Linie nutzen, hat sich vor wenigen Wochen in der Nähe von Greifswald gezeigt. Hier wurde die Linie 127 eingestellt. Es gab einfach zu wenige Passagiere, als das sich ein weiterer Erhalt für die Anklamer Verkehrsgesellschaft AVG, gelohnt hätte. Doch was, wenn nun die Fahrgäste flächendeckend und nicht nur auf einer Linie fehlen. Frank Lettkemann, Geschäftsführer der AVG, zeichnet ein düsteres Bild: „Es fehlen die Schüler, es fehlen viele der restlichen Passagiere.

Kurzarbeit für die Angestellten der AVG

Aktuell befördern wir flächendeckend etwa 10 Prozent der Gäste, die wir normalerweise hätten.“ Ein finanzieller Schlag ins Gesicht der eigenwirtschaftlichen Busunternehmen. Neben der AVG gibt es noch drei weitere Unternehmen im Kreis, die den Linienverkehr betreiben. Hier dürfte die Lage nicht besser aussehen. Seit die Schulen im Kreis geschlossen haben, es keinen Bedarf mehr für Schüler gibt, morgens und nachmittags transportiert zu werden, fahren praktisch alle Unternehmen im Kreis nach dem Ferienplan. Bei der AVG heißt das, dass nur etwa 60 Prozent der normalen Touren geleistet werden.

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Dabei hat der Chef des Robert-Koch-Institutes, Prof. Lothar Wieler gerade erst betont, dass die Taktung im öffentlichen Nahverkehr noch erhöht werden müsse. Volle Busse und Bahnen, die Wieler dadurch vermieden wissen will, sind jedoch eher Probleme in der Großstadt. In den Bussen in Vorpommern-Greifswald nimmt aktuell jedoch nur noch ein Passagier Platz, wo vorher noch zehn gesessen haben.

Neben den Schülern ist – durch Kontaktverbot, Reisesperren und den Schließungen der zahlreichen Geschäfte – auch die Zahl an anderen Fahrgästen deutlich zurückgegangen. Für Lettkemann und sein Unternehmen, das aus insgesamt 85 Mitarbeiter (davon 60 Busfahrer) besteht, sind die Verluste kaum zu verkraften. Schweren Herzens musste eine Entscheidung getroffen werden. 50 Prozent Kurzarbeit für die Angestellten.

Auch Einnahmen von Bus-Vermietungen weggebrochen

Zu den Verlusten im Linienverkehr kommt, dass die Vermietung von Bussen, im April und mindestens Mai weggebrochen ist. Lettkemann will keine konkreten Zahlen nennen, spricht aber von Stornierungen bei der Vermietung der Busse, die deutlich im sechsstelligen Bereich sind. Auch das Busunternehmen Pasternak aus Lassan hat schwer an dem wegbrechenden Linienverkehr und den ausbleibenden Vermietungen zu knabbern. Konkrete Zahlen will man nicht nennen, aber auch hier sei es kein Geheimnis, dass Kurzarbeit und auch eine schnelle Förderung durch den Bund oder das Land geprüft werden.

Auch bei der Anklamer Verkehrsgesellschaft wird eine Förderung geprüft. Hier findet Lettkemann lobende Worte für die verantwortlichen Politiker. Es sei gut, dass Soforthilfen nun auch für Unternehmen bis 100 Mitarbeitern genehmigt würden, das sei ein Hoffnungsschimmer. Auch die Möglichkeit nach einem gesetzlichen Ausgleich laut dem Gesetz über den öffentlichen Personennahverkehr in Mecklenburg-Vorpommern, wäre denkbar. Es gibt noch Möglichkeiten für die Busunternehmen im Kreis. Allzu lange dürfen die Beschränkungen nicht mehr anhalten. Sonst ist bald, finanziell gesehen, die letzte Station erreicht.

 

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