WILDFLEISCH

Jäger wünschen sich: Leute, esst mehr Wild!

Wildfleisch taucht auf den Tellern in der Region kaum auf. Und das trotz seiner offensichtlichen Vorteile. Wenn es nach den Jägern geht, soll sich das möglichst bald ändern.
Karsten Riemer Karsten Riemer
Die Zubereitungsmöglichkeiten für Wild sind vielfältig. Ein Braten, wie hier aus dem Hirschrücken, ist nur
Die Zubereitungsmöglichkeiten für Wild sind vielfältig. Ein Braten, wie hier aus dem Hirschrücken, ist nur eine Möglichkeit. HLPhotoL - Fotolia.com
„Mehr Bio geht gar nicht“, sagt der Anklamer Jäger und Schatzmeister des Landesjagdverbandes Mecklenburg-Vorp
„Mehr Bio geht gar nicht“, sagt der Anklamer Jäger und Schatzmeister des Landesjagdverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Bernd Wieczorkowski, zu Wildfleisch. Anne-Marie Maaß
Anklam.

In gut einem Monat, nach der Hubertusmesse, beginnt die Drückjagdsaison in der Region. Damit steigt bei den Waidmännern auch wieder das Angebot an frischem Wild. Der Weiterverkauf ist für die Jäger allerdings wenig zufriedenstellend. Und das, obwohl das Fleisch selbst die schärfsten Bio-Richtlinien erfüllen dürfte.

Egal, ob Reh, Hirsch oder Wildschwein – in den heimischen Wäldern wachsen die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum auf. Unbelastet von den oft gescholtenen Antibiotika, wie sie in Zuchtbetrieben eingesetzt werden. „Mehr Bio geht gar nicht“, sagt der Anklamer Jäger und Schatzmeister des Landesjagdverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Bernd Wieczorkowski.

Auch seien Jagd und Verarbeitung besonders nachhaltig. „Da bleibt nix übrig, das wird voll verwertet“, sagt er. Gründe, die dafür sprechen, statt Rinderbraten dem Hirsch den Vorzug in der Küche zu geben. Dennoch taucht Wild in den Statistiken über den Fleischkonsum der Deutschen nicht auf.

Wild aus dem Supermarkt sieht der Jäger kritisch

Doch warum ist das so? Eine klare Antwort darauf hat Wieczorkowski nicht. An den Zubereitungsmöglichkeiten könne es jedoch nicht liegen, wie er weiß. Bulette, Gulasch, Braten und Suppen – aus dem Fleisch der Waldbewohner lässt sich allerhand zaubern. „Das ist das Gute am Wild“, sagt der Jäger. Grund genug für ihn, das Wild mehr ins Bewusstsein zu rücken.

Auch der Landesjagdverband arbeitet offensiv daran, den Menschen der Region das Wild wieder schmackhafter zu machen. 2018 gab der Verband, gemeinsam mit dem Landesfischereiverband e. V., die Broschüre „Ehrlich genießen“ heraus, in der neben Rezepten auch Händler für Wild aufgeführt sind. „Aber die Leute können sich auch an den Jäger des Vertrauens wenden“, sagt Wieczorkowski.

Wild aus dem Supermarkt sieht er hingegen kritisch. Denn dies sei Zuchtwild und werde in den meisten Fällen aus Neuseeland oder Australien importiert. „Dabei haben wir genug Wild vor Ort, das zudem gesünder ist“, so der Jäger. Außerdem sei dieses Fleisch seiner Erfahrung nach teurer, als es beim Jäger zu kaufen.

Eine regelmäßige Belieferung ist für Jäger schwierig

Eine Zusammenarbeit mit den großen Lebensmittelketten kann sich Wieczorkowski aber vorstellen, sieht darin allerdings auch ein entscheidendes Problem. „Die Händler würden sicher einheimisches Wild nehmen, aber die wollen gleich Tonnen haben“, sagt er. Eine kontinuierliche Belieferung, wie sie auch seitens des Kunden gewünscht wird, können die Jäger jedoch nicht leisten. „Vor allem in jagdärmeren Zeiten nicht“, so Wieczorkowski.

Für die Jäger bleibt daher nur auf öffentlichen Veranstaltungen, wie der Hubertusmesse in Anklam Anfang November, für ihr Fleisch Werbung zu machen und möglichst viele Menschen von der Bio-Qualität zu überzeugen.

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