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Jetzt reicht's dem Amt: Güllebomber zwingt sogar Schulbus von Straße

Es geht immer noch frecher: Weil sich die Güllebomber auf der Straße nach Kadow breit machten, mussten andere Fahrzeuge vom Asphalt runter. Sogar einen Bus zwangen sie dazu.   FOTO: Stefan Hoeft

VonStefan HoeftEs wird ernst im Feldzug gegen den Missbrauch ländlicher Wege: Jarmens Stadtverwaltung eröffnet ein Verfahren gegen Halter, deren Lkw im ...

VonStefan Hoeft

Es wird ernst im Feldzug gegen den Missbrauch ländlicher Wege: Jarmens Stadtverwaltung eröffnet ein Verfahren gegen Halter, deren Lkw im Amtsbereich die Gemeindestraßen zerfahren. Der Ärger insbesondere mit den Güllebombern von der Schweinezucht Alt Tellin setzt sich fort.

Jarmen/Alt Tellin/Völschow.Zwar hatte Ordnungsamtsleiter und Vizebürgermeister Rainer Hardt auf tatkräftige Hilfe von anderen Behörden wie dem Landkreis oder der Polizei gehofft. Doch nach mehreren Konsultationen steht für ihn fest: Um nachhaltigen Erfolg zu erzielen, muss das Jarmener Rathaus diese Geschichte wohl allein durchziehen. „Da wird uns keiner bei helfen. Wir werden deshalb versuchen, das auf dem Verwaltungsweg sauber durchzukriegen.“ Sprich, es läuft auf ein so genanntes Ordnungswidrigkeitsverfahren hinaus. Und dann die Hoffnung, dass sich mögliche Nachahmer abschrecken lassen.
Kommunen und Bürger im Amtsbereich Jarmen-Tutow fürchten, dass so einige Straßen in der Region bald irreparable Schäden davon tragen, wenn sich der momentan enorme Lasterverkehr unter dem Deckmantel „Landwirtschaft“ nicht stoppen lässt. Schließlich existieren gute Gründe, warum insbesondere an vielen der über den ländlichen Wegebau geförderten relativ neuen Strecken eine Tonnage-Beschränkung gilt, meist 5,5 Tonnen. Mehr gibt der Unterbau nicht her, daher dürften nur ausnahmsweise Busse hier lang fahren und eben Landwirte, die ihre angrenzenden Felder erreichen müssen. „Durchgangsverkehr zählt nicht als landwirtschaftlicher Verkehr“, stellt Hardt klar. Und bei den meisten Tanklastern, die von und zur Schweinezucht Alt Tellin rollen, sehen er und andere Kritiker eben nur eine Transitfunktion. Sie nutzten die Gemeindestraßen als Abkürzung, obwohl es Kreis- und Landesstraßen gibt, über die ein Großteil der Wege zu meistern wäre. „Es besteht die Möglichkeit, eine Ausnahmegenehmigung bei uns zu beantragen. Dann würden wir das prüfen, ob die Straße dafür geeignet ist“, sagt der Vizebürgermeister. „Aber so einen Antrag gibt es nicht. Also begehen die Firmen eine Ordnungswidrigkeit. Und da gibt es rechtliche Möglichkeiten gegen.“ Zum Auftakt in der Schlacht um die Wege existieren zwei konkrete Anzeigen mit Fahrzeugbeschreibungen und „Tathergang“, nun warte die Verwaltung im Rahmen einer Anhörung auf die entsprechenden Stellungnahmen der Beschuldigten. Eine Anzeige kommt von einem Bürger und betrifft Brummis, die zwischen Neu Tellin und Roidin die ländlichen Wege benutzt haben, um über die Brücke an der ehemaligen Burg Osten auf die andere Tollenseseite zu kommen. Die andere fußt auf Material von Rathaus-Mitarbeitern und betrifft die Gemeinde Völschow.
Denn auch dorthin lässt die Ferkelfabrik ihre Gülle transportieren, um sie in Traktoren mit Spezialtechnik umzufüllen, die die Brühe dann auf den Äckern verteilen. So zum Beispiel jüngst am Verbindungsweg von der Kreisstraße nach Jagetzow in Richtung des Ortsteiles Kadow, ebenfalls eine Strecke in Verantwortung der Kommune. Hier leisteten sich die Brummi-Piloten laut Rainer Hardt gleich zwei dicke Fehler. Entweder hätte das Umpumpen noch auf der Kreisstraße passieren müssen oder eben am Feldrand abseits der Fahrbahn. Aber die schweren Tanklaster blieben einfach die ganze Zeit auf dem schmalen Verbindungsweg stehen und blockierten so obendrein alle anderen Verkehrsteilnehmer. Nicht nur Autos wurden auf diese Weise vom Asphalt gezwungen, sondern sogar der Schulbus. Das blieb natürlich nicht ohne Folgen für den Randstreifen der Straße.