Alexander Kurtenbach wird auf seinem Boot stets von seinem Hund Eddy begleitet.
Alexander Kurtenbach wird auf seinem Boot stets von seinem Hund Eddy begleitet. Louise Stauf
Alexander Kurtenbach bietet mit seiner Segelyacht geführte Törns an.
Alexander Kurtenbach bietet mit seiner Segelyacht geführte Törns an. Louise Stauf
Der junge Skipper vor seiner Segelyacht „Sir Rudolf in Greifswald.
Der junge Skipper vor seiner Segelyacht „Sir Rudolf in Greifswald. Louise Stauf
Ostsee-Tourismus

Junger Skipper fordert Angebote abseits der vollen Insel Usedom

Alexander Kurtenbach bietet geführte Segeltörns in Greifswald und auf der Ostsee bis nach Skandinavien an. Er sieht noch viel touristisches Potenzial in Vorpommern.
Greifswald

Den 28-jährige Alexander Kurtenbach trifft man häufig bei seinem „Sir Rudolf” im Greifswalder Museumshafen an – so heißt die Segelyacht, mit der er seit einem Jahr Segeltörns für interessierte Greifswalder und Urlauber anbietet. Geboren in Bonn und aufgewachsen in Oberbayern, entdeckte er bereits in jungen Jahren seine Leidenschaft fürs Segeln. Er machte früh seinen Jollenschein und erkundete zunächst die Seen, die Süddeutschland zu bieten hatte.

In Augsburg studierte er nach dem Abitur Geographie mit dem Schwerpunkt Tourismus, 2017 schloss er seinen Bachelor ab. Für den jungen Skipper war klar, dass er sich auch im Masterstudium mit dem Thema Tourismus beschäftigen wollte. Da diese Fachrichtung von nur wenigen deutschen Universitäten angeboten wurde und sich das Studienangebot der Greifswalder Uni vielversprechend anhörte, schrieb er sich dort für den Masterstudiengang „Tourismus und Regionalentwicklung” ein, welchen er 2020 erfolgreich abschloss. Während seiner Studienzeit wurde er Mitglied in einem Greifswalder Segelverein, was seine Liebe für das Segeln noch mehr verstärkte.

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Von der Stadtverwaltung auf die Segelyacht

Erste Berufserfahrungen machte er dann in Anklam. Die zunächst auf ein Jahr befristete und durch EU-Gelder geförderte Stelle in der Stadtverwaltung nahm Kurtenbach im April 2020 an. „Ich war dafür zuständig, das Tourismus- und Kulturkonzept für die Stadt Anklam zu erstellen”, erzählt er. Zwar machte ihm die Arbeit Spaß, doch er entschied sich am Ende gegen eine Verlängerung des Vertrages: „Ich habe gemerkt, dass die Büroarbeit nicht das ist, was ich für immer machen möchte.”

Und noch eine andere Sache beschäftigte den leidenschaftlichen Segler: „Es gibt hier in der Region zwar Unternehmen, die Boote vermieten, aber man braucht dafür immer einen Bootsführerschein oder anderweitige Erfahrungen. Aber es möchten ja auch viele Menschen ohne Vorkenntnisse erleben, wie es ist, zu segeln. Für diese Leute gibt es hier keine Angebote. Ich habe darin eine Marktlücke gesehen.”

Also wagte er den Schritt in die Selbständigkeit. Im April 2021 gründet er seine Firma „AbenteuerSegeln”, im Juli desselben Jahres leitete er als Skipper seinen ersten Törn. Heute können Urlauber und Einheimische die geführten Segeltouren in Greifswald, nach Rügen und sogar nach Skandinavien buchen.

Viel Potenzial, doch Luft nach oben

Und wie schätzt der ehemalige Tourismusbeauftragte der Stadt Anklam das touristische Potenzial der Region ein? „Wir haben hier mit Vorpommern-Greifswald eine tolle Region, die viel zu bieten hat”, so Kurtenbach. Doch es gibt auch ein 'aber': „Die Insel Usedom ist natürlich das bekannteste Reiseziel, doch wir beobachten dort seit einiger Zeit einen „overtourism” – die Insel ist voll.”

Seiner Meinung nach sollte man die Touristen besser verteilen. Dies würde die Insel entlasten und könnte Städten wie Anklam oder Greifswald mehr Möglichkeiten bieten, sich touristisch zu entfalten. „Diese Orte könnte man als Basis nehmen, von denen aus man Unternehmungen machen kann – auch nach Usedom, aber eben nur für Tagesausflüge.” Dafür müsse die Region geschlossener auftreten und nicht jede Stadt dürfe ihr eigenes Süppchen kochen. „Es wird zu viel 'Klein-klein' gedacht. Die Städte vermarkten sich noch zu sehr für sich alleine”, so Kurtenbachs Einschätzung.

Auch durch weitere Großprojekte wie das Ikareum könnte auf das vorpommersche Hinterland aufmerksam gemacht werden. „Man sollte den potenziellen Touristen einfach zeigen, dass es hier auch noch etwas anderes als Usedom gibt”, sagt er. Auch der Nahverkehr spiele eine wichtige Rolle und müsse in Zukunft ausgebaut werden, damit die Region besser vernetzt wird.

Und wie Kurtenbach seit knapp einem Jahr auch Urlauber nach Greifswald holt, so will er mit seinen Segeltörns auch dazu beitragen, die gesamte Region Vorpommern-Greifswald für Touristen attraktiv zu machen.

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