Für den Verdacht, dass die Brandkatastrophe bei der Schweinezucht Alt Tellin durch unbefugt von außen eingedrungene
Für den Verdacht, dass die Brandkatastrophe bei der Schweinezucht Alt Tellin durch unbefugt von außen eingedrungene Täter verursacht wurde, sieht die Staatsanwaltschaft bisher offenbar keine Anhaltspunkte. Stefan Hoeft
Die Polizei sicherte zwar Bauteile wie diese für die Brandursachenermittlung. Doch ein technischer Defekt wurde inzwische
Die Polizei sicherte zwar Bauteile wie diese für die Brandursachenermittlung. Doch ein technischer Defekt wurde inzwischen ausgeschlossen. Stefan Hoeft
Schweinezucht

Kamen die Alt Telliner Brandstifter von außen?

Wurde die Schweinezucht Alt Tellin angesteckt, um diese Art von Tierhaltung zu diskreditieren? Ein Verdacht, der hinter vorgehaltener Hand immer wieder mal geäußert wurde und nun durch eine Anfrage im Landtag neue Nahrung erhält.
Alt Tellin

Schon kurz nach dem verheerenden Feuer bei der Schweinezucht Alt Tellin Ende März 2021 gab es manchen, der hinter der Katastrophe eine gezielte Brandstiftung vermutete, gar militante Tierschützer ins Spiel brachte, deren Aktion außer Kontrolle geraten war. Doch stichhaltige Berichte oder gar Belege gab es nach Nordkurier-Informationen dafür nie, schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Trotzdem schwelt diese These bis heute in Vorpommerns Luft, schaffte es jetzt verklausuliert sogar in den Landtag. Dort nämlich stellte der CDU-Abgeordnete Thomas Diener eine sogenannte Kleine Anfrage zu Europas einst größter Ferkelfabrik.

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Was tut die Regierung, um Stalleinbrüche zu verhindern?

Der Fraktionssprecher für Agrar-, Fischerei-, Forst- und Jagdpolitik, selbst Landwirt, will dabei nicht nur Genaueres zur Brandursache und dem Stand der Ermittlungen von der Regierung erfahren. Sondern legt vor allem Augenmerk auf das Thema Stalleinbrüche. So verlangt Diener Auskunft, welche Erkenntnisse den Ministerien über solche illegalen Taten in Mecklenburg-Vorpommern in den vergangenen zehn Jahren vorliegen, für ganz Deutschland in den vergangenen fünf Jahren. „Wie bewertet die Landesregierung Stalleinbrüche, bei denen es zu sogenannten Tierbefreiungen oder Sabotagemaßnahmen an technischen Einrichtungen kommt, aus Sicht des Tierschutzes, des Brandschutzes und des Schutzes des Eigentums gemäß Grundgesetz?“, heißt es unter Punkt vier seines Schreibens. Ergänzt um die Nachfrage, welche Maßnahmen die Regierung getroffen habe, um Stalleinbrüche zu verhindern beziehungsweise zu erschweren.

Abgeordneter will endlich genauere Angaben

Er habe zwar keine konkreten Anhaltspunkte für so einen Fall in Alt Tellin, räumte der Politiker auf Nordkurier-Nachfrage ein. Aber man höre ja so einiges und wisse um die nicht gerade immer rechtlich einwandfreien Aktionen von sogenannten Tierschützern. Gerade die Schweinezucht Alt Tellin habe von Anfang an eine große politische Dimension entfaltet, diene nach dem Brand mit zehntausenden toten Sauen und Ferkeln erst recht als Totschlag-Argument gegen größere Tierhaltungen. Dass die Ermittlungsbehörden inzwischen einen technischen Defekt ausschließen und von Brandstiftung sprechen, aber auch rund 14 Monate nach dem Feuer eine etwaige Fahrlässigkeit dabei bisher völlig offen ließen, sieht Thomas Diener nicht gerade als Widerspruch gegen eine Sabotage-Möglichkeit an. Da verlange er nun endlich etwas genauere Angaben.

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Auf die warten auch Alt Tellins Gemeindevertreter, wie sie bei ihrer Sitzung diese Woche erneut unterstrichen. Bürgermeister Frank Karstädt und die Abgeordneten sehen sich dabei vom Land und den Behörden schlechter informiert als viele andere, obwohl sie ja nun mal die direkt Betroffenen seien. Es gebe vom Betreiber LFD-Holding die Zusage zu weiteren Gesprächen über die Zukunft des Geländes, wenn das Ergebnis der Brandursachenermittelung vorgelegt werde. Was eigentlich noch im Mai passieren sollte.

Staatsanwaltschaft will bis Mitte Juni Ergebnis liefern

Ein Termin, den die Staatsanwaltschaft Stralsund angesichts des Aktenberges zu dem Verfahren aber wohl nicht halten kann, wie deren Sprecher Martin Cloppenburg dem Nordkurier jetzt sagte. Die polizeilichen Ermittlungen seien zwar tatsächlich gerade abgeschlossen, aber nun müsse erst mal die zuständige Kollegin diese Unterlagen sichten und bewerten. „Bis Mitte Juni wird ein Ergebnis vorliegen, spätestens in der zweiten Woche ab Pfingsten“, versprach der Oberstaatsanwalt.

Gleichzeitig äußerte er schon mal starke Zweifel an einer gezielten Sabotage von Betriebsfremden als Auslöser für die Katastrophe in Alt Tellin. Selbst wenn dies derzeit niemand hundertprozentig ausschließen könne. „Das ist natürlich kein abwegiger Gedanke bei den Ermittlungen gewesen und ist deshalb in unsere Überlegungen mit einbezogen worden“, so Cloppenburg. „Aber es gibt keine Zeugenaussagen oder Spuren, die darauf hindeuten, dass so etwas in einem zeitlichen Zusammenhang passiert ist.“ Auch anderweitige Hinweise in dieser Richtung seien all die Monate ausgeblieben. „Wir haben also keinerlei konkreten Anhaltspunkt dafür, dass dort jemand von außen eingedrungen ist.“

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