Arndt-Debatte

Kanzlerin kritisiert Greifswalder Universität

Auf dem Neujahrsempfang der Greifswalder CDU hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Stellung für den Namenspatron der Uni Greifswald bezogen.
Am Freitag beim Neujahrsempfang der CDU Vorpommern-Greifswald: Rechts sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), links hing demonstrativ ein großes Ernst-Moritz-Arndt-Banner.
Am Freitag beim Neujahrsempfang der CDU Vorpommern-Greifswald: Rechts sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), links hing demonstrativ ein großes Ernst-Moritz-Arndt-Banner. Gabriel Kords
Greifswald

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich im Namensstreit der Greifswalder Universität deutlich positioniert: Beim Neujahrsempfang der Kreis-CDU in der Greifswalder Stadthalle sagte die Kanzlerin, sie sei „einigermaßen fassungslos“ über die Entscheidung des Senats der Universität, sich vom Namenspatron Ernst Moritz Arndt zu trennen. Merkel begründete dies vor allem damit, dass die Diskussion über die Ablegung des Namens viel weniger demokratisch gelaufen sei als bei der letzten Arndt-Diskussion.

Sie nahm damit offenbar Bezug auf die letzte Debatte um Arndt in den Jahren 2009/10. Damals war in Greifswald monatelang über Arndt diskutiert worden, ehe es eine studentische Urabstimmung gab, in der mehr Studenten für als gegen Arndt votierten. Anschließend hatte sich der Senat der Universität mit deutlicher Mehrheit für die Beibehaltung des Namens ausgesprochen. Dieses Mal, so der Vorwurf gleich mehrerer CDU-Politiker am Freitagabend, sei die Debatte weitestgehend ohne Beteiligung der Greifswalder Bürger und auch bei Weitem nicht so breit geführt worden wie vor sieben Jahren.

Und so kritsierten denn auch nicht nur die Kanzlerin, sondern ausnahmslos alle CDU-Politiker, die auf dem Neujahrsempfang zu Wort kamen, die Entscheidung gegen Arndt scharf. Vincent Kokert, CDU-Landtagsfraktionschef und „Kronprinz“ für den CDU-Landesvorsitz, ermahnte die Greifswalder allerdings, es gebe wichtigere Themen als den Namensstreit. Der Streit schade sowohl der Uni als auch der Stadt.

Uni-Rektorin Hannelore Weber, die an dem Empfang teilnahm, reagierte verärgert auf die zum Teil an sie persönlich adressierte Kritik an der Entscheidung des Senats. Sie hatte wiederholt betont, die demokratische Entscheidung des Gremiums sei zu respektieren. Danach sieht es vorerst allerdings nicht aus: Am Montag um 17 Uhr wird die Greifswalder Bürgerschaft im Rathaus in einer von der CDU einberufenen Sondersitzung über den Namenspatron beraten. Die CDU fordert die Rücknahme des Beschlusses.

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Kommentare (3)

Darf man in einer Demokratie kritisieren, hinterfragen .... Unverständnis zeigen?

Ich persönlich finde die Entscheidung auch reichlich dämlich, wenn nicht 'gar dumm!
....die Entscheidung passt aber in die Zeit, leider!

Die Argumentation, auf die die CDU-Politiker - und wohl auch die Kanzlerin - verweisen, war hier wohl zu verkürzt wiedergegeben, weshalb ich den Artikel nachträglich um einen Absatz ergänzt habe. Zumindest am Freitag wurde (anders als zu anderen Gelegenheiten in den vergangenen Wochen) von allen Rednern nicht darauf abgestellt, die Legitimation des Senats zu der Entscheidung in Frage zu stellen, sondern die Art und Weise, wie die öffentliche Debatte über die Entscheidung im Vorfeld geführt wurde. So war meines Erachtens auch die Einlassung der Kanzleirn zu verstehen.

Die Urabstimmung 2010 befürwortete die Beibehaltung des Namens, dem sich der Senat mehrheitlich anschloss. 2017 entschied der Senat ohne Urabstimmung gegen die Beibehaltung des Namens. Das wird die Bundeskanzlerin gemeint haben.