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Die Ostseeküste entlang

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Kaputte Knie können Hanse-Radler nicht stoppen

Hans, der Hanse-Radler aus Lübeck, ist wieder einmal auf den Spuren der Hanse unterwegs. Am 1. Juni gestartet, will er am 18. Juni in Rostock eintreffen, wo am 21. Juni die 38. Hansetage beginnen.
Hans, der Hanse-Radler aus Lübeck, ist wieder einmal auf den Spuren der Hanse unterwegs. Am 1. Juni gestartet, will er am 18. Juni in Rostock eintreffen, wo am 21. Juni die 38. Hansetage beginnen.
Veronika Müller

Hans, der Hanse-Radler, ist auf Tour: In 17 Tagen besucht der 72-Jährige ein Dutzend Städte und legt dabei mehr 1200 als Kilometer zurück. Im Rathaus in Anklam erzählte er warum.

Das Rad ist vollbepackt – rund 100 Kilogramm sind darauf verstaut, Schlafsack und Zelt inklusive und natürlich jede Menge Gastgeschenke. Hans, der Hanse-Radler, ist wieder auf Tour. Jede Nacht in einer anderen Stadt, jeden Tag neue Bekanntschaften. Das gefällt dem Lübecker, der eigentlich Hans Potratz heißt, aber lieber nur Hans genannt werden möchte. „Ist einfacher“, sagt der 72-Jährige verschmitzt und stellt erst einmal sein Rad ab, bevor er charmant Komplimente verteilend die Rathaustreppe hinaufstürmt. Schließlich hat er dort einen Termin: Der Bürgermeister erwartet Hans.

Michael Galander und der Radler kennen sich seit Jahren, denn der Lübecker radelt bereits zum 32. Mal seine persönliche Hanse-Tour, die ihn mehrmals nach Anklam führte. Anfangs war er noch mit zwei Freunden unterwegs, inzwischen tritt er allein in die Pedale. „Mit Elektroantrieb“, gibt er unumwunden zu. Schließlich habe er fünf Knie-Operationen und einen Beinbruch hinter sich und dann das Alter – grinsend setzt er sich zum Bürgermeister, der den Anklamer Hanse-Stempel schon parat hat.

Hanse-Pass für Hansetage

Der Hanse-Pass, in den Galander nun sorgfältig Ankunft und Abfahrt einträgt und die ganze Sache mit dem Stempel offiziell macht, ist wichtig. Ein Ausweis quasi, der zeigt, wo Hans überall Station gemacht hat und der ihn als Hanse-Radler in Rostock bei den Internationalen Hansetagen legitimiert. Denn die sind der Anlass für die Aktion. Am 1. Juni hat sich der ehemalige Lokführer auf seinen Drahtesel geschwungen – jeden Tag zwischen 70 und 80 Kilometer sind das Pensum, das aber kein Dogma ist. „Ich bin ja nicht in Eile.“ Er lässt sich hier und da mal Zeit; Freunde besuchen, das muss schließlich drin sein.

In Wismar war der „Hanse-Bummler“ schon, in Krakow am See, Malchin und Demmin – jetzt also ist Anklam dran. Die nächste Station ist Ueckermünde, von wo aus es über Altwarp in Richtung Stettin geht. 1218 Kilometer sind es offiziell. „Wenn ich mich verfahre wie vor zwei Tagen, kommen schnell ein paar Extra-Kilometerchen dazu.“ Auch Baustellen oder fehlende Radwege erschweren das Leben des Freizeitradlers. Die gute Laune lässt Hans sich aber nicht verhageln. Zu viele schöne Erlebnisse bietet die Reise, die über Swinemünde, Insel Usedom und Darß nach Rostock führt.