Schock beim Spaziergang nahe Bargischow: Sina Lissowskis Hund wurde an einem Maisfeld durch einen Streifschuss schwer verletzt. Hie
Schock beim Spaziergang nahe Bargischow: Sina Lissowskis Hund wurde an einem Maisfeld durch einen Streifschuss schwer verletzt. Hier direkt nach der OP – der neun Jahre alte Rüde hatte viel Blut verloren. ZVG/NK-Montage
Sina Lissowski kann langsam aufatmen, dem kleinen Aaron geht es bereits besser.
Sina Lissowski kann langsam aufatmen, dem kleinen Aaron geht es bereits besser. Anne-Marie Maaß
Fast verblutet

Kleiner Hund Aaron beim Spaziergang angeschossen

Ein Nachmittag am Maisfeld, dann fallen Schüsse. Für Sina Lissowskis Yorkshire-Terrier Aaron endet der Spaziergang beinahe tödlich. Die Polizei ermittelt.
Anklam

Der Schrecken sitzt Sina Lissowski noch immer in den Knochen, behutsam streichelt sie ihren Yorkshire-Terrier-Mix Aaron, den sie in einer Decke auf dem Arm durchs Haus trägt. Der neun Jahre alte Rüde kann zurzeit allenfalls kurze Strecken humpeln. Seine Besitzerin hofft, dass auch das stark lädierte linke Vorderbein wieder belastbar wird.

Aaron hat bei einem Spaziergang am Freitagnachmittag, dem ersten goldenen Oktobertag, schwere Verletzungen erlitten. Sein Frauchen geht davon aus, dass er angeschossen wurde.

Jäger in der Nähe

Der Vorfall ereignete sich in der Nähe des Bargischower Teufelsstein gegen 14.30 Uhr auf einem Feldweg. Dort nutzte die 39-Jährige das schöne Herbstwetter für einen ausgedehnten Spaziergang mit ihren beiden Hunden. Von Weitem sah sie die letzten Arbeiten auf einem Maisschlag, dann entdeckte sie mehrere Fahrzeuge, die sie Jägern zuordnete. Sina Lissowski trat den Rückweg nach Gnevezin an.

Schüsse am Maisfeld, dann überall Blut

„Meine zweite Hündin Enya reagiert sehr empfindlich auf Knallgeräusche. Ich habe mir schon gedacht, dass die Jäger auf die Schweine im Mais ansetzen werden und wollte deshalb zurück. Zwischen uns lag zwar noch ein ganzes Wegende und eine Wiese, doch die Windrichtung passte”, beschreibt sie die Situation.

Dann folgte schon der erste Knall. Beim zweiten Schuss heulte der kleine Aaron direkt neben ihr auf.

„Er hat sich immer wieder auf dem Boden gedreht, ich habe die Situation erst gar nicht erfasst. Dann war da überall Blut”, berichtet sie. Geistesgegenwärtig griff sie den verletzten Hund, zog ihre verängstige Hündin Enya hinter sich her. Zwei Kilometer der Angst lagen zwischen ihr und dem sicheren Zuhause – eine Strecke, auf der Aaron viel Blut verlor und die seinem Frauchen trotz guter Fitness einiges abverlangte.

Nach anschließenden bangen Stunden in der Greifswalder Tierklinik und einem nerven-zerrenden Wochenende ist der Hund nun auf dem Weg der Besserung. Ein Projektil oder Ähnliches wurde nicht gefunden. Aaron wurde wohl von einem Streifschuss am Vorderbein getroffen, der über den Brustkorb wieder ausgetreten ist, so sein Frauchen. Allesamt nur Fleischwunden, die zum Teil jedoch recht tief liegen.

Vorfall angezeigt

Seine Besitzerin hofft, dass keine Spätfolgen bleiben und sie noch viele gemeinsame Jahre haben. Den Vorfall hat sie bei der Polizei angezeigt.

„Mir geht es nicht darum, Jäger schlecht zu machen. Das will ich keineswegs. Doch wer Waffen nutzt, muss sich der Verantwortung immer bewusst sein”, sagt die Zollbeamtin, die selbst im Dienst an der Waffe ausgebildet wurde. „Einen mobilen Hochstand habe ich nicht gesehen, der hätte einen anderen Schusswinkel garantiert. Auch eine Absicherung wie bei einer Treibjagd hätte helfen können”, macht sie deutlich.

Erst im Nachhinein sei ihr nachts der Gedanke gekommen, dass der Schuss auch sie selbst hätte treffen können. Der Hund stand an der Leine nur etwa einen Meter von seiner Besitzerin entfernt, trotz roter Mütze und auffälliger Kleidung haben die Jäger sie nicht gesehen, ist sie überzeugt. „Ich gehe davon aus, dass es ein unglücklicher Unfall war, der so allerdings nicht passieren darf”, sagt sie.

Ihr Ziel sei es, Jäger wie Spaziergänger und Hundebesitzer für das Thema zu sensibilisieren – denn dieser Vorfall hätte deutlich schlimmer ausgehen können, mahnt Lissowski.

Kriminalpolizei ermittelt

Die Kriminalpolizei hat indes die Ermittlungen aufgenommen – neben Sachbeschädigung steht die Verletzung des Tierschutzgesetzes und des Jagdrechts im Raum. Dazu werden jetzt die Hintergründe geprüft, so die Polizei. Wenn sich der Verdacht bestätigt, sei dies durchaus eine ernste Angelegenheit, die zum Glück nicht allzu oft in der Region vorkommt, heißt es aus der Polizeiinspektion Anklam. Der Aufruf zur Vorsicht von Sina Lissowski sei dann allemal angebracht.

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