SPATENSTICH

▶ Klinikum Karlsburg baut für elf Millionen Euro eigene Notaufnahme

Rund 2.500 Notfallpatienten werden pro Jahr im Klinikum Karlsburg versorgt. Das Problem: Es gibt keine Notaufnahmestation, Corona verschärfte die Lage. Das soll sich ändern.
Im Klinikum Karlsburg wurde der erste Spatenstich gefeiert (v.l.): der Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor, Wirtschaftsminist
Im Klinikum Karlsburg wurde der erste Spatenstich gefeiert (v.l.): der Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor, Wirtschaftsminister Harry Glawe, Landrat Michael Sack (alle CDU) und der Ärztliche Direktor des Klinikums Prof. Dr. med. Wolfgang Motz. Dajana Richter
Im Klinikum Karlsburg wurde der erste Spatenstich für den Bau einer modernen Notaufnahmestation gefeiert.
Im Klinikum Karlsburg wurde der erste Spatenstich für den Bau einer modernen Notaufnahmestation gefeiert. Dajana Richter
Karlsburg ·

Eigentlich sieht sich das Klinikum Karlsburg ganz gut aufgestellt, zeigt sich Prof. Dr. med. Wolfgang Motz, der Ärztliche Direktor, zufrieden. Doch durch die Corona-Pandemie wurden Schwachstellen sichtbar, die es nun schnellstmöglich zu beseitigen gilt. Konkret geht es um die fehlende Notaufnahmestation.

Heute direkt zu einer Spezialklinik gebracht

„Das ist dem geschuldet, dass die Klinik einst vor allem als reine Herzchirurgische Klinik gegründet wurde. Doch über die Jahre haben sich das Aufgabenspektrum und die Standards geändert“, erklärt der Klinik-Leiter. „Früher wurden Patienten meist erst in kleineren Krankenhäusern behandelt, heute werden sie direkt zu einer Spezialklinik gebracht.“

Bisher wurden Notfallpatienten direkt ins Haus aufgenommen und haben dort ein Zimmer bekommen. „Das hat auch gut funktioniert. Es war zwar nie so ganz optimal und komfortabel für die Patienten, die zum Beispiel nachts gestört wurden, wenn neue Leute aufgenommen wurden“, weiß Motz. Deshalb sei auch schon über den Bau einer Notaufnahme gesprochen worden.

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Corona-Isolation auf Intensivstation

Doch Corona war schneller und erschwerte den Klinik-Alltag immens. „Ohne Vorliegen eines negativen Coronatestes wird derzeit niemand mehr in den Klinikbetrieb integriert“, macht der Mediziner deutlich. „Das bedeutet, dass Notfallpatienten auf der Intensivstation so lange isoliert werden, bis ein negativer Abstrich vorliegt. Da das Aufkommen an Notfallpatienten diskontinuierlich ist, werden auf den Allgemein-und Intensiv-Stationen stets Betten frei gehalten, um kurzfristig reagieren zu können.“

Die Klinik weiß aus eigener leidlicher Erfahrung, wie schnell Corona den Betrieb lahmlegen kann. Ende Januar dieses Jahres konnten keine Intensiv-Patienten mehr aufgenommen werden, da es Coronavirus-Infektionen im Haus gab. Mehrere Notfall-Patienten wurden positiv getestet. Die Intensivstation musste geschlossen und der Klinikbetrieb der neuen Situation angepasst werden.

Spatenstich mit Gesundheitsminister, Landrat, Bürgermeister und Amthor

Nun soll diesem Problem schnellstmöglich Abhilfe geschafft werden. Am Mittwoch wurde der erste Spatenstich für den Bau einer modernen Notaufnahmestation gefeiert. Neben dem Klinik-Personal und Karlsburgs Bürgermeister Mathias Bartoszewski waren auch zahlreiche CDU-Politiker vor Ort und packten tatkräftig mit an. So reihten sich neben den Klinik-Direktor auch Landrat Michael Sack, Harry Glawe, Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit, sowie der Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor.

Doch es war nur ein symbolischer Akt. „Wir sind in einer frühen Phase und werden jetzt die Planung ausschreiben“, erklärt Motz. „Erst wenn das Konzept steht, können wir die Baugenehmigung beantragen.“ Der eigentliche Baubeginn wird damit nicht vor Mitte oder Ende des kommenden Jahres starten, machen Motz und Glawe deutlich. Etwa ein Jahr später könne dann mit der Eröffnung der Notaufnahme gerechnet werden.

11 Millionen Euro vom Land

Das Landes-Wirtschaftsministerium fördert das Bauvorhaben mit elf Millionen Euro aus dem Investitionsfonds des Landes, eine Summe, die laut Klinik-Leiter nach bisherigen Berechnungen für den Neubau ausreichen sollte. Neben Karlsburg erhielt dieser Tage im Übrigen auch das Krankenhaus Wolgast einen Fördermittelbescheid vom Land über sieben Millionen Euro, um die Notaufnahme erneuern zu können, verkündete Harry Glawe.

Für die Notaufnahmestation in Karlsburg wird ein separates Funktionsgebäude errichtet, ausgerüstet mit Schockraum und Herzkatheterlabor. Die Station 1 im angrenzenden Haus soll umgebaut und in die Notaufnahme mit einbezogen werden. „Der neue Gebäudekomplex hilft uns, eine noch effektivere Klinikorganisation mit einem ausgefeilten Hygienemanagement umzusetzen“, so Wolfgang Motz. Durch die Notaufnahme werde es künftig möglich, Patienten mit unklarem Virus-Status schnell in Einzelzimmern zu separieren.

Michael Sack: „Krankenhaus zukunftsfähiger aufstellen”

„Wir werden auch zukünftig mit dem Coronavirus leben müssen und dafür gilt es zügig die passenden Rahmenbedingungen zu schaffen“, betont Michael Sack die Wichtigkeit des Bauvorhabens. Und Wirtschaftsminister Harry Glawe ergänzt: „In der Notaufnahme eines Krankenhauses müssen wichtige Entscheidungen in kürzester Zeit getroffen werden. Da ist es notwendig, dass die baulichen Voraussetzungen kurze Wege zur bestmöglichen Versorgung gewährleisten. Mit dem Neubau und der Neustrukturierung der Notfallversorgung wird das gesamte Krankenhaus zukunftsfähiger aufgestellt. Davon profitieren Patienten und die Mitarbeiter.“

Pro Jahr werden mittlerweile rund 2.500 Notfallpatienten in Karlsburg versorgt, damit habe sich die Zahl laut Wolfgang Motz im Laufe der Zeit in etwa verdoppelt. In den vergangenen 25 Jahren hat sich die renommierte Herzklinik zu einem überregionalen Zentrum für herzmedizinische Notfälle im Osten des Landes Mecklenburg-Vorpommern und darüber hinaus entwickelt. Es wurden unter anderem etwa 20.000 Operationen am offenen Herzen und 90.000 Herzkatheteruntersuchungen durchgeführt.

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