Gemeinsam mit anderen Demonstranten sind auf den Corona-Demos wie hier in Wolgast auch Mitarbeiter des Gesundheitswesen unterw
Gemeinsam mit anderen Demonstranten sind auf den Corona-Demos wie hier in Wolgast auch Mitarbeiter des Gesundheitswesen unterwegs. Drei Pflegefachkräfte stören sich besonders an der Pflicht zur Corona-Schutzimpfung für ihre Branche. ZVG
Pflegekräfte drohen

„Kommt die Impfpflicht, gehen wir!“

Gegen Corona wollen sie sich nicht spritzen lassen: Drei Pflegerinnen wehren sich gegen eine Impfpflicht. Dem Nordkurier haben sie erzählt, warum.
Wolgast

Isabell Meier, Beate Schulz und Karin Sommer (Namen geändert) sehen müde aus. Als sich der Nordkurier mit den drei Pflegefachkräften zum Gespräch trifft, sind ihnen der Stress, die zahlreichen schlaflosen Nächte, das sich ständig drehende Gedankenkarussell und die Sorge um ihre eigene Zukunft anzusehen. Doch sie wollen reden, wollen ihre Wut, ihre Meinung und ihr Unverständnis bezüglich der Änderung des Infektionsschutzgesetzes mitteilen.

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Das neue Gesetzt beinhaltet unter anderem eine einrichtungsbezogene Impfpflicht, es tritt zum 16. März in Kraft. Konkret heißt das, dass alle Beschäftigten im Pflege- und Gesundheitsbereich mit dem Stichtag 15. März 2022 nachweisen müssen, dass sie entweder gegen das Coronavirus geimpft, genesen oder von einer Impfung ärztlich befreit sind. Mitarbeiter, die diesen Nachweis nicht führen können, müssen dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Dort wird dann entschieden, wie es weitergeht und ob ein Betretungsverbot ausgesprochen werden muss. Dann könnten betroffene Mitarbeiter ab dem 16. März ohne Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber freigestellt werden.

Zweifel am Sinn der Schutzwirkung

„Wir zweifeln die Sinnhaftigkeit der Impfpflicht für Pflegekräfte an“, begründet Beate Schulz ihren Widerstand. Das Gesetz solle dem Schutz gefährdeter Menschen dienen, von denen es im Pflege- und Gesundheitsbereich sicher viele gebe. Doch es zeige sich ja, dass auch Geimpfte das Virus übertragen können. Zielführend sei die Impfpflicht für Pflegekräfte daher nicht. Wenn die Impfung höchstens dem eigenen Schutz vor einem schweren Verlauf der Krankheit dient, dann, so fordert Isabell Meier, „möchten wir darüber bitte schön allein entscheiden.“

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Sie und ihre Mitstreiter betonen, dass sie auf keinen Fall generell als Impfgegner bezeichnet werden möchten. „Wir sind als Pflegekräfte gegen alles Mögliche geimpft, und das ist auch gut so“, bekräftigt Meier. Einer Impfung gegen das Coronavirus stehen die drei allerdings skeptisch gegenüber. Sie befürchten gesundheitliche Schäden, die möglicherweise erst Jahre nach der Impfung auftreten könnten. „Die Angst vor einer Impfung und den Folgen ist größer, als die, am Virus zu erkranken. Wir leben seit fast zwei Jahren mit dem Virus und wissen uns zu schützen“, sagt Schulz, der vor allem die im Schnellverfahren erfolgte bedingte Zulassung der Impfstoffe ein Dorn im Auge ist.

„Erst beklatscht und jetzt entmündigt“

Wie auch ihre Kolleginnen berichtet die Pflegefachkraft davon, dass die Belastung, der Druck und die Angst immer größer würden. Ihr Leben drehe sich nur noch um das eine Thema, und das nicht nur auf Arbeit, sondern auch zu Hause. Sie und ihre Kolleginnen mit ähnlichen Ansichten fühlten sich „von der Gesellschaft verarscht“, drückt Schulz es drastisch aus. „Vor zwei Jahren haben alle noch für uns geklatscht, heute sind wir es nicht einmal wert, für uns selbst eine Entscheidung treffen zu dürfen.“

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Karin Sommer ärgert sich auch sehr, dass sie als Demo-Teilnehmer immer mal wieder mit der rechten Szene in Verbindung gebracht werde. „Und dass nur, weil ich für Selbstbestimmung kämpfe.“ Auch Isabell Meier schimpft: „Wir sind alle keine 20 mehr. Mein Hobby ist es nicht, nach einem anstrengenden Frühdienst noch nach Wolgast auf eine Demo zu fahren.“

Sollte die Impfpflicht für Pflegekräfte wirklich kommen, wird das Trio die Konsequenzen des Gesetzes bis hin zum Jobverlust in Kauf nehmen. Und das, obwohl alle drei bekräftigen, ihre Arbeit trotz der schwierigen Umstände zu lieben und jeden Tag gern zu machen. „Aber wir werden täglich unter Druck gesetzt, schlafen wenig und haben Existenzängste“, sagt Karin Sommer, die weiß, dass bei einer unbezahlten Freistellung natürlich auch der Versicherungsschutz gefährdet ist.

„Wer macht ab Mitte März dann unsere Arbeit?“

„Wissen die Gesundheitsämter überhaupt, was da auf sie zukommt und wie vielen Arbeitgebern sie die Beschäftigung ihrer Mitarbeiter untersagen müssen?“ Sie frage sich, ob die Arbeitsämter die Zahlen der sich bisher bereits arbeitssuchend gemeldeten Pflegekräfte überhaupt irgendwohin weitermelden und auch wer ab Mitte März die gesundheitliche Versorgung aufrechterhält – oder ob alles zusammenbricht.

Sie selbst hätten sich bereits arbeitssuchend gemeldet, bestätigen sie. Sie wollen stark bleiben und für ihre freie Entscheidung kämpfen – mit allen Konsequenzen. „Es ist doch verrückt, bei jedem Test hofft man schon auf ein positives Ergebnis“, so Isabell Meier. Dann würden sie als genesen zählen und dürften ihren Job weiter ausüben.

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„Man geht so oft den bequemen Weg“, sinniert sie. Aber dieses Mal komme es für sie nicht in Frage, nachzugeben und gegen ihre eigenen Überzeugungen zu handeln. „Kommt die Impfpflicht für Pflegekräfte wirklich, dann gehen wir“, sagen alle drei Pflegefachkräfte unisono.

 

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Kommentare (1)

Ein professionell gefertigtes Transparent. Wie teuer ist sowas, wer organisiert das/steht dahinter? Wie spontan ist der/die einzelne Teilnehmer(in) da noch?