Rechte Umtriebe verheimlicht?

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Kritik an Postlow-Doku des ZDF

Die Gemeinde Postlow hat eine heikle Vergangenheit.
Die Gemeinde Postlow hat eine heikle Vergangenheit.
Sophia Brandt

Am 7. August strahlt das ZDF eine Dokumentation über das Dorfsterben in Vorpommern aus. Doch schon jetzt hagelt es Kritik. Grund: Das Dorf Postlow hat eine delikate Vergangenheit – und diese bleibt in der Doku unerwähnt.

Die ZDF-Reportage "37 Grad” über das vorpommersche Dorf Postlow hat bereits im Vorfeld der Ausstrahlung (am 7. August um 22.30 Uhr) für Kritik gesorgt. So bemängelte die Tageszeitung Taz, dass die Filmemacher mit keiner Silbe die politischen Hintergründe der heute nicht einmal 300 Einwohner zählenden Kommune erwähnten. Denn: Postlow war bei der Landtagswahl 2006 in Mecklenburg-Vorpommern NPD-Hochburg, mehr als ein Drittel aller Wähler gaben den Rechtsextremen ihre Stimme. Bei der vergangenen Bundestagswahl erreichte die AfD hier eines ihrer besten Ergebnisse bundesweit: 42,2 Prozent.

„Von all dem erfahren die ZDF-Zuschauer nichts. Stattdessen sehen sie heimelige Bilder aus einer zurückgelassenen Region und liebenswürdige Protagonisten”, kritisierte die Taz. Die „politische Dimension des gesellschaftlichen Problems” würde nur unzureichend erwähnt. Das ZDF verteidigte sein Vorgehen: „Der Anteil rechter Wähler in der Gemeinde Postlow ist groß, aber nicht alle Menschen, die dort leben, teilen diese Einstellungen”, sagte die ZDF-Redaktion auf die Taz-Kritik. In dem Sendeformat gehe es um bezeichnende Einzelschicksale, eine Aufarbeitung des Wahlverhaltens der Gemeinde sei nicht vorgesehen gewesen.

Prozess um rechtsextremen Feuerwehr-Chef

Postlow hat es in der Vergangenheit bereits mehrfach in die bundesdeutschen Medien geschafft. Einmal kurz nach der Landtagswahl im Jahr 2006, als 38,2 Prozent der damals mehr als 400 Einwohner die rechtsextreme NPD wählten. Einige Jahre später, die Einwohnerzahl nahm in der Zwischenzeit genau so deutlich ab wie das mediale Interesse an dem Dorf, kam es zu einem weiteren Skandal. Die Gemeindevertreter wollten den als Neonazi bekannten Ralf S. zum Chef der lokalen Freiwilligen Feuerwehr ernennen. Er war Bassist der rechtsextremen Band „Wiege des Schicksals”. Die Band stammt aus dem Umfeld der Kameradschaftsbunde Bargischow und Anklam und fand bereits in mehreren Verfassungsschutzberichten Erwähnung.

Weder der noch heute amtierende Bürgermeister Norbert Mielke noch die Gemeindevertreter fanden dies problematisch. Erst die Amtsverwaltung Anklam-Land äußerte Zweifel an der Verfassungstreue des bereits als Wehrführer aktiven S. und widersprach der Ernennung. Der Fall ging bis vor das Verwaltungsgericht Greifswald, das dem Widerspruch des Amtes gegen die Ernennung zum Ehrenbeamten stattgab.

Kommentare (2)

Na dann möchte ich jetzt auch immer informiert werden, wie das Wahlverhalten war bei Dokus über Hamburger und Frankfurter Problembezirke. Oder verwahrloste Bezirke im Pott. Denn urteile ich jetzt auch immer vor und wenn mir das Wahlverhalten oder die politische Ausrichtung stört, hält sich mein Mitleid auch in Grenzen. Aber sagen wir es mal anders. Vielleicht haben die Poltzower auch einen Grund so zu wählen? Abgehängte Region? Aber schön Brandmarken, vielleicht schaffen die Medien wie die TAZ noch ein Jamel... abwr dann nicht wundern das Ausgrenzen sowas erzeugen kann.

Wer den soebend ausgestrahlten Beitag gesehen hat wird das verstehen. Anlass zu ernsthafter Sorge sollte vielmehr der Umstand sein, dass der Landkreis Vorpommern-Greifswald gemäß einer Untersuchung mit die schlechtesten Zukunftsaussichten in ganz Deutschland hat.