DDR-IMMOBILIE

Murchiner Kulturhaus wird in Rostock versteigert

Bei der Frühjahrsauktion in Rostock soll das Kulturhaus in Murchin unter den Hammer kommen. Das Startgebot für das DDR-Prunkobjekt ist ein echtes Schnäppchen.
Anne-Marie Maaß Anne-Marie Maaß
Die Jahre des Leerstandes haben an der Gebäudesubstanz gezerrt. Auch mit Hilfe eines Maklers konnte das Objekt bislang nicht an den Mann gebracht werden.
Die Jahre des Leerstandes haben an der Gebäudesubstanz gezerrt. Auch mit Hilfe eines Maklers konnte das Objekt bislang nicht an den Mann gebracht werden.
Murchin.

Seit Jahren versucht der Landkreis Vorpommern-Greifswald einen Käufer für das ehemalige Kreis-Kulturhaus in Murchin zu finden. Erst allein, zuletzt mit einem Makler – doch vergebens. Jetzt soll das Gebäude samt dem rund 18.000 Quadratmeter großen Grundstück unter den Hammer kommen. Bei der Frühlingsauktion der Norddeutschen Grundstücksauktionen AG in Rostock am 25. Mai soll das Objekt versteigert werden.

Mit dem Einstiegspreis ist der Landkreis dafür noch einmal ordentlich hinuntergegangen. Wurde das Kulturhaus zuletzt nach aktuellem Gutachten für rund 80.000 Euro angeboten, liegt das Startgebot nun schon bei nur noch 10.000 Euro. Für eine derartige Absenkung sei zuvor die Zustimmung der Landesbehörde notwendig gewesen, erklärt Kreissprecher Achim Froitzheim.

Gebäude ist sanierungsbedürftig

Der Denkmalschutz komme beim Kulturhaus wohl als erschwerendes Verkaufskriterium hinzu. Zumal die allein rund 2000 Quadratmeter große Nutzfläche des Gebäudes in den vergangenen Jahren des Leerstandes nicht besser geworden ist. „Die Substanz baut mehr und mehr ab”, so Froitzheim.

Das von 1952 bis 1954 gebaute Objekt befindet sich in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand. Das Dach sei schadhaft und teilweise bereits mit Bäumen bewachsen, so Froitzheim. Außerdem gibt es Feuchtigkeitsschäden an der Fassade, für die der DDR-Künstler Walter Bullert die Reliefs geschaffen hat. Fenster und Türen seien defekt, ebenso müssten alle Hausinstallationen erneuert werden. Sanitär- und Elektroinstallationen seien derzeit unbrauchbar, so das Exposé. Zusätzlich zu den baulichen Mängeln seien durch den Vandalismus in den vergangenen Jahren erhebliche Schäden verursacht worden.

Top-Adresse zu DDR-Zeiten

Zu DDR-Zeiten war so einiges los im Kulturhaus. Arbeitsgemeinschaften trafen sich regelmäßig, um gemeinsam ihren Hobbys nachzugehen. Regelmäßig traten ostdeutsche Spitzenkünstler in Murchin auf. Der Abstieg begann nach der Wende. Der Kreis konnte sich das Kulturhaus nicht mehr leisten und verkaufte es für 500.000 Euro an einen westdeutschen Unternehmer, der die legendäre Hyper-Dome-Diskothek in Murchin an den Start schickte. Mit der Disko wurde das Haus auf Verschleiß gefahren.

Als die Geschäfte nicht mehr ganz so glänzend liefen, verklagte der Unternehmer den Kreis. Denn die Verwaltung hatte sich beim Verkauf verpflichtet, das Haus von der Denkmalschutzliste zu streichen, was aber gar nicht in der Kompetenz des Kreises lag. Jedenfalls gewann der Unternehmer im Jahr 2006 den Prozess und bekam gar das Dreifache dessen zurück, was er Anfang der 90er Jahre selbst für die Immobilie bezahlt hatte. Zum Dank dafür verschleppte der Mann neun Jahre die Umschreibung der Eigentumsverhältnisse, bis den Verantwortlichen im Kreis im vergangenen Jahr der Geduldsfaden riss und sie die Herausgabe der Immobilie einklagten.

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Kommentare (1)

Prima weiter so, diesen Wessi sollte man als besten Verbrecher des Jahres auszeichnen. Solche Leute haben die Ostdeutsche Jugend schön mit Techno und Drogen zugedröhnt. Am Ende zahlen sie sogar noch die Sanierung oder den Abriss des Gebäudes (mal schaun wie es kommt) aus der eigenen Tasche.