FREIWILLIGE GESUCHT

Landretter brauchen mehr Helfer

Mit der Landretter-App sollen qualifizierte Laien die Rettungskräfte vor allem im ländlichen Raum unterstützen. Was in der Theorie gut klingt, benötigt in der Praxis allerdings mehr Freiwillige.
Philipp Schulz Philipp Schulz
Dr. Karl Thies, Sozialdezernent Dirk Scheer und Dr. Peter Brinkrolf sind von dem Projekt überzeugt und werben für mehr Mitstreiter.
Dr. Karl Thies, Sozialdezernent Dirk Scheer und Dr. Peter Brinkrolf sind von dem Projekt überzeugt und werben für mehr Mitstreiter. Philipp Schulz
So sieht der Alarm aus, wenn es für die ehrenamtlichen Landretter ernst wird.
So sieht der Alarm aus, wenn es für die ehrenamtlichen Landretter ernst wird. Philipp Schulz
Vorpommern.

An sich sind alle Beteiligten guter Dinge: Seit die Landretter-App im September 2017 an den Start gegangen ist, haben sich bereits 386 Freiwillige als mobile Ersthelfer angemeldet, rund 250 von ihnen sind geschult und können im Notfall eingreifen. Gute Zahlen, wie der zuständige Sozialdezernent, Dirk Scheer, bestätigt. Trotzdem sehen die Verantwortlichen Luft nach oben und werben verstärkt dafür, das kleine Helferprogramm für das Mobiltelefon zu nutzen.

Die Landretter-App soll qualifizierte Laien in die Erstrettung einbinden und ist Teil des Innovationsprojekts „Land|Rettung“, das bis zu diesem Jahr mit 5,4 Millionen Euro vom Bundesausschuss der Krankenkassen finanziert wurde. Geht ein Notruf bei der Zentrale ein und das Stichwort „Herz-Kreislauf-Stillstand“ fällt, werden automatisch Ersthelfer in der Nähe über die App informiert, um noch vor dem Eintreffen eines Rettungswagens mit der Ersthilfe beginnen zu können.

Jede Sekunde zählt

Gerade bei einem Herzstillstand zähle jede Sekunde, erklärt Dr. Peter Brinkrolf. Der stellvertretende Ärztliche Leiter beim eigenbetriebenen Rettungsdienst des Landkreises leitet das Programm Landretter. Für ihn ist es ein Erfolg. Brinkrolf fügt an, dass die qualifizierten Ersthelfer wertvolle Sekunden gewinnen würden, die dem Rettungswagen fehlten. Denn braucht ein Rettungswagen von einer der 21 Wachen im Kreis rund zehn Minuten bis zum Einsatzort, sind es bei einem Ersthelfer oft nur vier bis sechs Minuten – die über bleibende Hirnschäden beim Geschädigten entscheiden.

Trotzdem muss das Projekt weiterentwickelt werden, damit es im Kreis auch flächendeckend eingesetzt werden kann, oder wie Dr. Karl Thies, der ebenfalls stellvertretender Ärztlicher Leiter beim Eigenbetrieb Rettungsdienst ist, sagt: „Wir müssen das Netz enger spannen.“ Aktuell sind nur 250 ausgebildete Ersthelfer registriert, und von den 372 Alarmen, die seit September 2017 über die App verschickt wurden, konnten nur 15 Prozent beantwortet werden.

Netz enger spannen

Das bedeutet aber auch: 56 Menschen konnte schneller geholfen werden. Aber: Nicht jeder Alarm sei gleich ein Kreislaufversagen, und nicht immer müsse ein Landretter in der Nähe sein, so Thies. Zudem könne man den Alarm als Ersthelfer auch ablehnen. Das Angebot könne die normale Rettungskette bestenfalls ergänzen – niemals ersetzen.

Ein weiteres Problem ist, dass die Ersthelfer momentan vor allem in Greifswald um das Uni-Klinikum konzentriert sind, denn: Landretter kann nur werden, wer speziell in Wiederbelebungsmaßnahmen geschult ist und in einem medizinischen Beruf, als Einsatzhelfer oder etwa bei der Feuerwehr arbeitet.

Die App im Internet: www.land-rettung.de

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