Stadtgeschichte

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Lilienthals Todesflieger zurück in Anklam

Bernd Lukasch, Leiter des Lilienthalmuseums, zeigt das Foto jenes Fliegers, mit dem Otto Lilienthal 1896 bei Rathenow abgestürzt war und einen Tag später starb. Es stammt aus dem Nachlass von Paul Beylich (1874-1965), Lilienthals engstem Mitarbeiter.
Bernd Lukasch, Leiter des Lilienthalmuseums, zeigt das Foto jenes Fliegers, mit dem Otto Lilienthal 1896 bei Rathenow abgestürzt war und einen Tag später starb. Es stammt aus dem Nachlass von Paul Beylich (1874-1965), Lilienthals engstem Mitarbeiter.
Stefan Sauer

Das Anklamer Lilienthalmuseum ist nun im Besitz des Nachlasses von Paul Beylich. Der war der engste Mitarbeiter von Flugpionier Otto Lilienthal, dem berühmten Sohn Anklams. Im Nachlass gibt es unter anderem ein Foto von Lilienthals Todesflieger.

Der Flieger, mit dem Anklams berühmtester Sohn Otto Lilienthal im Jahr 1896 bei Rathenow abgestürzt war, ist wieder in Anklam – zumindest ein Foto des Absturzfliegers. Andrea Frey, Urenkelin vom Flugzeuggerätemechaniker Paul Beylich, der Lilienthals engster Mitarbeiter war, übergab dem Anklamer Lilienthalmuseum Beylichs Nachlass. Der fasst mehr als hundert historische Fotos, Briefe, Bücher und Zeitschriftenartikel.

Für das Museum ist dieser Nachlass von unschätzbarem Wert – Beylich stand Lilienthals Flugversuchen so nahe wie kaum ein anderer. „Es ist toll, dass wir den Nachlass erhalten haben“, sagte Museumsdirektor Bernd Lukasch. „Paul Beylich war unmittelbar am Bau der Fluggeräte und den Flugversuchen von Lilienthal beteiligt. Damit kann Beylich als erster Fluggerätemechaniker der Welt gelten.“

Beylich war der einzige Zeuge von Lilienthals tödlichem Absturz

Beylich war nach eigenen Angaben auch am 9. August 1896 zugegen, als Lilienthal mit seinem Flugapparat in den Stöllner Bergen bei Rathenow abstürzte und einen Tag später in Berlin starb. Nach Einschätzung Lukaschs war Beylich der einzige Zeuge des Unfalls.

In einem Interview des WDR mit Beylich im Jahr 1960 erinnerte sich der 85-Jährige an den tragischen Absturz. „Wie er ‚nen Stück weggeflogen war, blieb er mit einem Mal oben still und in einem Moment neigte sich der Apparat nach vorn und kopfüber runter“, sagte Beylich damals. Das Foto der abgestürzten Maschine und drei weitere Flugbilder gehören nun zu den wertvollsten Teilen des Nachlasses in Anklam, der nun gesichtet und in das Archiv eingearbeitet werden soll, wie Lukasch sagte.