Auf riesigen Frachtern wird das tiefgekühlte Flüssiggas über die Weltmeere gebracht. Deutschland will sich vore
Auf riesigen Frachtern wird das tiefgekühlte Flüssiggas über die Weltmeere gebracht. Deutschland will sich vorerst mit schwimmenden Terminals behelfen, vielleicht ja auch in der Ostsee vor Lubmin. Lex Van Lieshout
Lubmin ist einer der Knotenpunkte im deutschen Gas-Netz. Russisches Erdgas kommt über Nord Stream 1 an und wird über
Lubmin ist einer der Knotenpunkte im deutschen Gas-Netz. Russisches Erdgas kommt über Nord Stream 1 an und wird über Eugal, Opal und NEL verteilt. NK-Grafik
Flüssiggas

Milliarden vom Bund – kommt das Gas-Terminal für Lubmin?

Im Wettbewerb um Industriestandorte hat MV zuletzt mehrfach den Kürzeren gezogen. Doch beim Bau neuer Flüssiggas-Terminals sind zwei Standorte im Gespräch. Darunter auch Lubmin.
Lubmin

Drei Milliarden Euro will der Bund für drei neue schwimmende LNG (Liquefied Natural Gas) Terminals ausgeben, die im besten Falle schon im kommenden Winter Gas liefern sollen. Mecklenburg-Vorpommern will im Regen möglicher Standorte eine Rolle spielen, Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) brachte dafür die Häfen Rostock und Lubmin ins Gespräch. Doch wie wahrscheinlich ist ein LNG Terminal in Lubmin?

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Vorpommern ist Knotenpunkt gleich mehrerer Gas-Leitungen

Erdgas bleibt absehbar der wichtigste Energieträger. Rund 87 Milliarden Kubikmeter davon wurden alleine im vergangenen Jahr verbraucht. LNG ist dabei nichts anderes ans Erdgas in flüssiger Form:. Bei Temperaturen von bis zu minus 164 Grad verflüssigt sich das Gas und nimmt so nur noch einen Bruchteil des ursprünglichen Volumens ein. So lässt sich das Gas platzsparend transportieren, wenn es, wie zum Beispiel Fracking-Gas aus den USA, mit speziellen Schiffen angeliefert wurde und dann an einem schwimmenden LNG Terminal entladen werden muss. Von dort soll es dann in die bestehenden Pipeline-Systeme eingeschleust werden, um verteilt zu werden.

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Mit den direkten Anschlüssen für den Weitertransport des Gases könnte das vorpommersche Lubmin tatsächlich ein geeigneter Standort sein. Als wichtiger Knotenpunkt im deutschen Erdgasnetz, laufen in Lubmin gleich mehrere Leitungen zusammen. Die parallel verlaufenden Stränge von Opal (Ostseepipeline-Anbindungsleitung) und Eugal (Europäische Gasanbindungsleitung) sowie die NEL (Nordeuropäische Erdgasleitung) sind miteinander verknüpft und verteilen von dort bislang auch das über die Nord Stream 1-Leitung durch die Ostsee transportierte russische Gas im deutschen Netz.

Erstes LNG-Terminals schon in wenigen Monaten

Die Energieunternehmen RWE und Uniper haben sich nun im Auftrag der Bundesregierung die Option auf drei der weltweit 48 schwimmenden LNG Terminals gesichert. So soll trotz des Wegfalls der russischen Gaslieferungen, eine warme Wohnung im Winter gesichert werden.

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Knapp über 48 Prozent der 40 Millionen deutschen Wohnungen nutzen Erdgas zum Heizen. Das macht den Rohstoff zum wichtigsten Energieträger Deutschlands. Russland war mit knapp 40 Prozent der Erdgaslieferungen maßgeblich an der Gasversorgung beteiligt. Sollten nun die russischen Gaslieferungen entfallen, wäre das ein schwer zu kompensierender Verlust für die Energiewirtschaft. Allein in MV verbrauchen die Privathaushalte jährlich etwas über fünf Milliarden Kilowattstunden Gas, die Industrie sogar etwa vier Mal so viel. Was würde also ein LNG Terminal abfedern können?

Moderne LNG Terminals haben eine Nennleistung von etwa 50 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr. Mit drei geplanten, könnte man also etwa 30 Prozent der ausfallenden russischen Gasimporte deutschlandweit abfedern. Das Problem ist allerdings, dass der Bau der LNG Terminals sehr lange dauert. So sind mit Wilhelmshaven und Stade bereits zwei Anlagen geplant, deren Bau aller Voraussicht aber bis 2026 andauern wird. Als Zwischenlösung kommen aber schwimmende Terminals in Frage. Das sind riesige Schiffe, auf denen das Flüssiggas kurze Zeit gelagert und wieder in den gasförmigen Zustand versetzt werden kann.

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Doch ein Knackpunkt sind die Kosten der Anlagen. Allein die Miete der schwimmenden Terminals nicht zu vernachlässigen. Auch der Bau einer Anlage an Land schlägt mit etwa 200 Millionen Euro zu Buche. Dazu kommt, dass das Gas an sich auf Grund der Abbaumethodik weder sonderlich umweltfreundlich und noch dazu teuer ist.

Dass in MV ein schwimmendes Terminal gebaut wird, liegt aufgrund der Anbindungsmöglichkeiten an Eugal und Nordstream durchaus nahe. Rostock scheint im Vergleich zum Standort Lubmin dabei die von der Politik präferierte Option.

Für Rostock wäre noch ein Pipelinebau notwendig

Das Problem mit der größten Stadt des Landes als LNG-Anlandestation wäre aber im Moment der Weitertransport des Gases. Das Pipelinenetz in Mecklenburg-Vorpommern mit über 500 Kilometern Länge zwar im Prinzip gut ausgebaut und die Eugal-Leitung, die auch unabhängig von Nordstream 2 betrieben werden kann, ist für einen Transport für 55 Milliarden Kubikmetern Gas pro Jahr ausgelegt. Jedoch fehlen, um Rostock an das Netz anzuschließen, zunächst erst einmal weitere 65 Kilometer Leitungsstrang. Also wäre ein Lückenschluss nötig, der zwar im Vergleich zu den Pipelineprojekten der vergangenen Jahre leicht erscheint, in Lubmin allerdings hinfällig wäre. Im Gegenzug spricht für Rostock, dass ein Großteil des Flüssiggases per Schiff aus Richtung Westen

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