Denkmalschutz

:

Millionengrab“ sucht einen neuen Käufer

Denkmalschutz bangt um Schloss Auerose.

Das denkmalgeschützte Schloss Auerose in Ostvorpommern ist ein besonderes architektonisches Kleinod. In der Fassade des Hauses vermischen sich auf originelle Art und Weise Elemente der Neu gotik und des Neubarock. Gekrönt wird das Haus von Zinnen und einem Turm: „Es ist eines der repräsentativsten Schlösser neuerer Entstehungszeit in der Region“, urteilt Artur Behn. Er ist Kreisdenkmalpfleger im ostvorpommerschen Landratsamt in der nahen Kreisstadt Anklam.Das zwischen 1848 und 1849 errichtete und 1902 umgestaltete Schloss wird jetzt zum Verkauf angeboten. „Wir suchen im ganzen Bundesgebiet nach jemandem, der das Haus erwerben will“, sagt Miteigentümer Gerd Jäger aus Göttingen in Niedersachsen.

Dies ist vorerst das Ende ehrgeiziger Pläne.__" Private Zahnklinik "__„Wir hatten so viele Ideen, als wir 1992 anfingen in Auerose“, erzählt der Investor. Vor zwölf Jahren hatte Jäger gemeinsam mit seinem ebenfalls aus Göttingen stammenden Partner Klaus Kühne das Anwesen von der Gemeinde Neu Kosenow, zu der Auerose gehört, für 700 000 Mark gekauft. Die beiden Eigentümer wollten in dem Gebäude eine private Zahnklinik einrichten, im Gespräch war gar der Einzug einer Außenstelle des Max-Planck-Institutes.Umfangreiche Sanierungsarbeiten begannen. Doch das Vorhaben wurde teurer und teurer, mehr als eine Million Euro seien geflossen, ohne dass alles fertig wurde. Zudem stand das Insolvenzverfahren für das Unternehmen eines der beiden Partner ins Haus. Das finanzielle Fiasko war komplett. Jetzt lasten hohe Schulden auf dem Schloss, dessen aktueller Verkehrswert bei 195 000 Euro liegt.

Zwei anberaumte Termine zur Zwangsversteigerung hat es bereits gegeben: Beim Ersten im Vorjahr fand sich kein Ersteigerer, der zweite Termin Anfang August dieses Jahres wurde kurz zuvor ohne Angabe von Gründen abgesetzt.Dabei haben sich die beiden eingesetzt, waren oft hier vor Ort, sagt die 87-jährige ehemalige Eisenbahnerin Ruth Pickbrenner, die von 1949 bis 1998 in dem Schloss wohnte. „Das war mein Schloss“, meint sie liebevoll und weiß zu erzählen von jenen Tagen, als in dem einst exklusiven Herrensitz das Büro der örtlichen LPG, der Kindergarten und der Konsum untergebracht waren und hier zeitweise 23 Familien unter einem Dach lebten."

Eile tut Not

„Es ist nicht schön, wie es gekommen ist“, urteilt auch die 73-jährige Gisela Mehnert-Geß aus Bremen, die Nichte des letzten Vorkriegs-Schlossbesitzers Otto Wolf-Heinrich von Borcken-Auerose.„Ich hoffe, dass das Schloss eine Zukunft hat“, wünscht sie sich. Ihr Onkel habe sehr an dem Anwesen gehangen, das er 1945 auf der Flucht vor der anrückenden Roten Armee verlassen musste und bis zu seinem Tod 1975 nicht wiedergesehen hat.Und Eile tut Not. Die Zeit arbeitet gegen den charmanten Adelssitz: Das wuchernde Unkraut nimmt das Schloss von vier Seiten in die Zange, von den Wänden bröckelt der Putz, Dachziegel rutschen vom Dach auf die Erde.

Nach und nach verliert das Gebäude sein Gesicht.„Es wird immer schwerer, das unbewohnte historische Anwesen vor bau lichen Schäden und Übergriffen von Rowdys zu schützen"“, zeigt sich Behn besorgt und verweist auf die Problematik bei dem Erhalt vieler historischer Adelssitze in Vorpommern: Die Zeit der alten großflächigen Gutsbetriebe im einstigen Pommern, von denen aus die Schlösser und das höfische Leben in ihnen finanziert wurde, sei unwiederbringlich vorbei. Neuzeit liche Schlossherren müssten mit einem hohen Erhaltungsaufwand und geringen Einkünften rechnen.