Gas-Pipeline
Mini-Gemeinde an der Peene schmeißt Eugal raus

Die Wand aus Strohballen hat eine deutliche Schieflage. Der stellvertretende Bürgermeister Hornburg bezweifelt, dass sie ordnungsgemäß gesichert. Die Wand soll Stolpe an der Peene vor dem Lärm der Pumpe schützen.
Die Wand aus Strohballen hat eine deutliche Schieflage. Sie soll Stolpe an der Peene vor dem Lärm der Pumpe schützen.
Philipp Schulz

Jetzt hat es der Gemeinde gereicht. Am Freitag schmiss der stellvertretende Bürgermeister von Groß Polzin die Arbeiter der Eugal-Gaspipeline raus – nach einer Woche nicht eingehaltener Versprechen.

Quer durch MV und Brandenburg werden momentan riesige Rohre für die Eugal-Gasleitung in den Boden gegraben. Eugal steht für Europäische Gas-Anbindungsleitung und ist quasi die ländliche Verlängerung der Ostseepipeline Nord Stream.

Zu diesem Bau gehört auch, dass die verlegten Rohre auf ihre Dichtheit getestet werden. Einer dieser Tests hat in Vorpommern nun für jede Menge Ärger gesorgt. Es begann mit Beschwerden aus der Gemeinde Stolpe über Lärm, verursacht durch eine für den Test nötige Pumpe.

Vier Meter hoher Stroh-Lärmschutz

Die Pumpe sei zu laut, geradezu eine Zumutung, hieß es. Mit einer Wand aus Strohballen versuchte der Bauherr daraufhin gegenzusteuern. Diese hielt zwar dem Lärmgutachten des zuständigen Ordnungsamtes stand. Wie lange das aber noch der Fall sein wird, ist fraglich.

Die Gemeindevertreter des Nachbarortes Groß Polzin, auf deren Grund und Boden die Wand errichtet wurde, bezweifeln die ordnungsgemäße Sicherung der gut vier Meter hohen Barrikade. Tatsächlich hat diese bereits begonnen, sich zu neigen. Stolpes Bürgermeister Marcel Falk kann seinen Frust darüber kaum verbergen: „Man bekommt echt das Gefühl, mit uns kann man es ja machen, mich regt das wirklich auf.”

Groß Polzin ruft die Polizei und pocht auf Hausrecht

Dabei ist der Lärm längst nicht alles, was Falk, seinen Bürgermeisterkollegen aus Groß Polzin und viele Anwohner auf die Palme bringt. Am Freitagmorgen, 10. Mai, rief Groß Polzins stellvertretender Bürgermeister, Sebastian Hornburg, die Polizei und machte von seinem Hausrecht Gebrauch: Er erteilte den Arbeitern an der Pumpe kurzerhand Hausverbot.

„Irgendwann ist auch mal Schluss. Wir wollen sicher nicht die Arbeiten an der Pipeline behindern, aber das geht so nicht”, erklärte er die Aktion. Die Pumpe steht auf einem Grundstück, das seiner Gemeinde gehört. Das Unternehmen Gascade habe zwar eine Genehmigung für die Arbeiten beantragt, diese sei durch die Gemeinde jedoch nie erteilt worden, so Hornburg. Das hatten die Groß Polziner noch akzeptiert.

Es kam jedoch noch schlimmer für den stellvertretenden Bürgermeister: „Von der Peene führt eine denkmalgeschützte Kopfsteinpflasterstraße nach Quilow. Diese ist teilweise als Radweg ausgewiesen. Die Arbeiter haben sie trotzdem mit schwerem Gerät benutzt.”

Nun gäbe es Setzungserscheinungen auf der historischen Straße, was ein in Auftrag gegebenes Gutachten belegen soll, so Hornburg weiter. Ihn ärgere vor allem die „offenkundige Dreistigkeit”, mit der das Unternehmen vorgegangen sei. Während die Gemeinde immer Gesprächsbereitschaft bekundet habe, gab es auf der Gegenseite kein Interesse an einer einvernehmlichen Lösung. Deswegen habe Hornburg die Polizei eingeschaltet. Seit dem steht die Pumpe still.

Pipeline-Verleger entschuldigt sich

Ein Eugal-Sprecher entschuldigte sich auf Nordkurier-Nachfrage für das Missverständnis mit den Gemeinden. Man stehe bereits mit Vertretern aus Groß Polzin im Kontakt. Am Montag, 13. Mai, solle es ein klärendes Gespräch geben und die offenen Fragen aus der Welt geräumt werden.

„Wir stehen vor, während und nach den Bauarbeiten in engem Kontakt mit den verschiedenen Gemeinden und Privatpersonen, auf deren Land wir bauen. Wir haben ein großes Interesse daran, alles nach den Vorstellungen der jeweiligen Besitzer zu leisten”, hieß es von Eugal. Am Montag wird sich also klären, wie es weitergeht mit der Gasleitung.

Bei der Eugal handelt es sich quasi um die ländliche Verlängerung der Ostseepipeline Nord Stream. Bis Ende 2019 soll Eugal fertigstellt sein und dann russisches Erdgas aus der Untersee-Leitung ab Lubmin bis nach Deutschneudorf in Sachsen leiten. Die Gesamtlänge der Eugal geben die Bauherren mit etwa 480 Kilometern an.

Nordkurier-Karte der Bauarbeiten für die Ferngasleitung EUGAL durch Vorpommern