Umstrittene Ferkelzuchtanlage

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Nach der Baugenehmigung fliegen Steine in Alt Tellin

Die Genehmigung für die größte Schweinezuchtanlage Mecklenburg-Vorpommerns, die in Alt Tellin (Kreis Demmin) gebaut werden soll, ist auf unterschiedliche Reaktionen gestoßen.

Der Landesbauernverband in Neubrandenburg und die CDU-Agrarexpertin im Landtag, Beate Schlupp, begrüßten gestern die Entscheidung. Protest kam dagegen von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und der Linksfraktion im Schweriner Landtag. Besonders scharf fiel die Reaktion in Alt Tellin aus: Unbekannte schlugen noch am Dienstagabend fast alle Fenster der Gaststätte des Ortes ein, die Bürgermeister Frank Karstädt (parteilos) betreibt. Er hatte sich für den Bau der Anlage eingesetzt, in der Hoffnung auf 40 neue Arbeitsplätze.

"Jede Investition in Veredelung ist ein Plus für Mecklenburg-Vorpommern, egal in welcher Größe", sagte der Präsident des Bauernverbandes, Rainer Tietböhl. Wenn die gesetzlichen Regelungen eingehalten würden, gebe es keinen Grund, die Anlage nicht zu genehmigen. Ähnlich äußerte sich Landespolitikerin Schlupp. Politische Erwägungen, wie sie seitens der Gegnerschaft ins Spiel gebracht wurden, hätten bei der Genehmigung keine Rolle gespielt, hieß es. Dies zeichne ein rechtsstaatliches Verfahren aus. Weitere Investitionen in moderne Tierhaltungsanlagen im ländlichen Raum seien zwingend erforderlich - auch darin stimmen Schlupp und Tietböhl überein.

Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt in Neubrandenburg hatte am Dienstag den Bau der Ställe mit Plätzen für rund 10 500 Sauen und 35 000 Ferkel bis zu einem Gewicht von 25 Kilogramm genehmigt. Kritik an dieser Entscheidung übte der AbL-Sprecher Eckehard Niemann vom Landesverband Niedersachsen. Die systematische Förderung von agrarindustriellen Anlagen mit ihrer nicht artgerechten Tierhaltung vernichte Arbeitsplätze in der bäuerlichen, artgerechten Tierhaltung und im Tourismus. Die AbL hat bundesweit 1500 Mitglieder.

Der Agrarexperte der Linksfraktion im Landtag, Fritz Tack, sprach von einer "völlig überdimensionierten Anlage". Dies sei eine falsche politische Weichenstellung und stehe im Widerspruch zu nachhaltiger Agrarproduktion und regionalen Wirtschaftskreisläufen. Laut Tack werden in der Anlage jährlich rund 250 000 Ferkel produziert. Nach Ansicht des linken Landtagsabgeordneten Peter Ritter aus dem Kreis Demmin sind die entstandenen touristischen Angebote im Tollensetal nun gefährdet.

Unterdessen ermittelt die Polizei nach der Lokal-Attacke in Alt Tellin. Gegen 23 Uhr hatte ein Anwohner das Klirren der Scheiben gehört. Der oder die Täter sollen rings um das Haus herum gegen die doppelt verglasten Scheiben geschlagen haben, von denen ein Großteil zu Bruch ging. Bürgermeister Karstädt vermutet einen Zusammenhang mit dem Streit um die Ställe. Die Scheiben wurden provisorisch repariert, die Gaststätte habe wieder geöffnet, hieß es.

In der Vergangenheit waren die Ordnungshüter in diesem Streit bereits mit Schmierereien an Häusern von Anlagenbefürwortern und der Blockade eines Nachbarbetriebes befasst. Dieser sollte aufgefordert werden, seine Flächen nicht an den Investor zu verkaufen, ließ sich darauf aber nicht ein.