Naturschutz
Nachhaltige Landwirtschaft durch Gesetze erzwingen?

In Bayern fordert ein Volksbegehren schärfere Gesetze für den Artenschutz, vor allem für die Bienen. Wie sehen Bauern und Imker in Vorpommern das Vorhaben.
In Bayern fordert ein Volksbegehren schärfere Gesetze für den Artenschutz, vor allem für die Bienen. Wie sehen Bauern und Imker in Vorpommern das Vorhaben.
Peter Förster

Verschärfte Gesetze für die Rettung der Bienen – über eine Million Bayern haben ein Volksbegehren dafür unterzeichnet. Was sagen die Bauern und Imker dazu in Vorpommern?

Wie stehen Landwirte und Naturschützer in Vorpommern zu den Plänen aus dem Süden? Der Nordkurier hat sich mit Landwirten und Imkern unterhalten. Der Hintergrund: An 16 Stellschrauben des Bayerischen Naturschutzgesetzes wollen die Initiatoren des Bürgerbegehrens drehen. Plakativ in den Mittelpunkt gerückt haben die Naturschützer die Bienen, doch es geht um mehr – es geht zum Teil um ein radikales Umdenken in der Landwirtschaft.

Das Volksbegehren in Bayern wurde initiiert von der Ökologisch-Demokratischen Partei Deutschlands, den bayerischen Vogelschützern und den Bündnis-Grünen im Land. Auch wenn sich die Grünen in Bayern zurzeit wie in vielen alten Bundesländern auf einem Höhenflug befinden, so viele Stimmen wie beim Bürgerbegehren konnten nicht einmal sie bei der letzten Wahl auf sich vereinigen. Vielleicht liegt der Erfolg darin begründet, dass Bayern stark vom Tourismus und der Landwirtschaft geprägt ist.

Nachhaltiges Wirtschaften auf neu verpachtete Flächen

Beides gilt auch für Mecklenburg-Vorpommern: Die Landwirtschaft ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige, in dem auch hier in der Region der Artenschutz seit Langem in den Vordergrund gerückt wird. Mitte Februar fand in Greifswald ein Treffen zu dem Thema „nachhaltige Landwirtschaft“ statt. Betroffene Pächter, landwirtschaftliche Betriebe und Umweltverbände besprachen, wie auf den neu zu verpachtenden Flächen in Zukunft eine nachhaltige Landwirtschaft gewährleistet werden kann.

Auch Marco Gemballa, Geschäftsführer der Agrarservice Nordost GmbH, war bei dem Treffen. Ihm ist besonders wichtig, dass die Landwirte nicht als Sündenböcke dargestellt werden. „Wir Landwirte tun hier im Land einiges für die Biodiversität und die Artenvielfalt – worum es am Ende ja auch geht. Ob ich einen Hektar für Biodiversität nutze, oder Getreide anbaue, ist am Ende des Tages egal, ich muss aber von dem, was ich tue, leben können,“ erklärt Gemballa.

Bauern sollen von ihren Höfen leben können

Die Landesregierung in Bayern hat den Landwirten schon Rückendeckung versprochen. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) warnte vor zusätzlichen Kosten, die die Forderung nach sich ziehen könnten. Besonders die Bauern im Land müsse man in Schutz nehmen und gewährleisten, dass diese trotz der geplanten scharfen Gesetze von ihren Höfen leben können. Denn viele der geforderten Änderungen beziehen sich teilweise direkt auf die Arbeitsweise und Arbeitszeiten der Bauern.

Genauso ist es Gemballa wichtig, dass nicht nur über den vermeidlich angerichteten Schaden an der Natur durch die Landwirte, sondern auch über die Finanzierung geredet werde. Regelungen, wie sie jetzt in Bayern durchgesetzt werden sollen, hält er für falsch. „Da wollen Menschen mit entscheiden, die in München abstimmen und im schlimmsten Fall gar nicht erfassen, worum es geht“, befürchtet Gemballa.

„Wichtigste Nutztiere: Schweine, Rinder – und Bienen”

Der Vorsitzende des Anklamer Imkervereins, Dr. Uwe Schultz, hält den Bayrischen Vorstoß hingegen für den richtigen Weg, Menschen in den Prozess zu integrieren. „Wir müssen die Zeichen der Zeit erkennen und endlich handeln“, appelliert Schultz. „Die Bauern erhalten jetzt schon hohe Summen, die werden davon nicht kaputt gehen.“

Auch wenn 2018 für die Imker ein gutes Jahr war, sollte der erste Eindruck nicht täuschen. „Die Biene ist das nach Schwein und Rind wichtigste Nutztier. Wir dürfen nicht zu leichtfertig mit der Zukunft der Biene umgehen,“ mahnt Schultz. Auch wenn Schultz den teilweisen Willen der Landwirte und Unternehmen sieht, Blühwiesen anzulegen, mahnt er an: „Es muss im Land strengere Lösungen gegen Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat geben.“

Dass es aber in absehbarer Zeit in Mecklenburg-Vorpommern eine ähnliche Initiative im Ausmaß und Inhalt der Bayerns geben wird, ist eher unwahrscheinlich. Sicher würde die Debatte aber mit der gleichen Emotion geführt werden.