Ein nasses Bitumen-Rollsplitt-Gemisch auf der L263 zwischen Menzlin und Groß Polzin vor der Insel Usedom hat für vi
Ein nasses Bitumen-Rollsplitt-Gemisch auf der L263 zwischen Menzlin und Groß Polzin vor der Insel Usedom hat für viele beschädigte Autos gesorgt. Die zu nasse Straße wurde am Ende von der Feuerwehr gesperrt – für viele Autofahrer zu spät. ZVG
Auf der Landstraße 263 bei Groß Polzin wurde eine flüssige Emulsion und Splitt aufgetragen.
Auf der Landstraße 263 bei Groß Polzin wurde eine flüssige Emulsion und Splitt aufgetragen. ZVG
Geschädigte mit verdreckten Autos und Bremsen können sich an das Straßenbauamt wenden.
Geschädigte mit verdreckten Autos und Bremsen können sich an das Straßenbauamt wenden. ZVG
Der anhaltende Regen machte die frisch bearbeitete Straße zu einem einzigen schwarz-braunen Schlamm.
Der anhaltende Regen machte die frisch bearbeitete Straße zu einem einzigen schwarz-braunen Schlamm. ZVG
Straßen-Sauerei

▶ "Ich kann das ganze Auto lackieren!"

Splitt-Gefahr für Autofahrer vor der Insel Usedom, sogar die Feuerwehr musste zum Einsatz kommen. Ein Betroffener hat dem Nordkurier die Schäden gezeigt.
Groß Polzin

"Das kriegst du auch nicht mehr ab, das ist ’ne richtige Schweinerei!" So schimpft ein Betroffener, als er dem Nordkurier sein Auto zeigt, das völlig verdreckt ist. "Wie kommen die auf die Idee, das da einfach so liegenzulassen und abzuhauen?"

Mit "das da" meint der Mann eine flüssige Emulsion und Splitt, das auf die viel befahrene L263 zwischen Menzlin und Groß Polzin aufgetragen wurde. Und deswegen steht auch das Telefon bei Groß Polzins Bürgermeister Sebastian Hornburg seit Tagen kaum noch still. Immer wieder erreichen ihn neue Beschwerden über die Straßenbaustelle samt Schilderungen von kaputten und verdreckten Fahrzeugen, sagt er.

Video eines betroffenen Autofahrers bei Groß Polzin:

[Video]

Den Lauf nahm die ganze Miesere bereits am vergangenen Mittwoch mitten im Himmelfahrts-Anreiseverkehr zur Insel Usedom. Das allein hätte wohl schon für schlechte Laune sorgen können. Allerdings gab es zur Verwunderung einiger Beobachter vor Ort keine Sperrungen auf der Strecke. Mancher ahnte da schon nichts Gutes.

Ein nasses Bitumen-Rollsplitt-Gemisch auf der L263 zwischen Menzlin und Groß Polzin vor der Insel Usedom hat für vi

Bitumen macht Straße zur Schlammpiste

Der anhaltende Regen machte die frisch bearbeitete Straße anschließend zu einem einzigen schwarz-braunen Schlamm, so Hornburg. Das kann er sogar mit Fotos beweisen. Der Urlaubsverkehr rollte trotzdem weiter hindurch. Zu dieser Zeit erhielt das Gemeindeoberhaupt erste Beschwerdeanrufe von Einheimischen über verdreckte Autos, die mit dem frischen Material komplett bespritzt waren.

Hornburg versuchte zu helfen. Doch beim Straßenbauamt vor Ort kam er nicht weiter, bei der Behörde in Neustelitz verwies man auf die ausführende Baufirma – dort hatte man vor dem langen Wochenende aber wohl schon den Feierabend eingeläutet, deutet der Bürgermeister die Aussagen nach zig geführten Telefonaten. Drei Stunden später gegen 18 Uhr, als die Straße immer noch klebrige Masse aufwies und der Verkehr unvermindert strömte, rief er in der Not die Feuerwehr auf den Plan – ließ den Straßenabschnitt absperren und die Autos umleiten.

Feuerwehr musste Straße sperren

„So konnten wir zumindest für einen Teil der Autofahrer Schlimmeres verhindern”, betont Sebastian Hornburg. Der Feuerwehreinsatz brachte zudem Bewegung in den Vorfall – anschließend sperrte eine weitere beauftragte Firma aus der Region die Straße zunächst komplett ab.

Für viele Betroffene kam diese Hilfe dennoch zu spät. Erst einmal am Fahrzeug getrocknet, sorgt der Teer-ähnliche Stoff weiter für Frust. „Bei mir haben sich inzwischen auch schon Autohäuser aus der Region gemeldet, die komplett verklebte Bremsen auseinander bauen und reinigen müssen”, sagt Hornburg. Er will den Autobesitzern weiter helfen und hat sich nun noch einmal an das Straßenbauamt und die Baufirma gewandt.

Bitumen-Wassergemisch aufgetragen

„Fehler können passieren, das ist kein Thema. Mich ärgert aber enorm, dass am Mittwoch erkennbar erst gar nicht und dann so spät reagiert wurde. Ich erwarte, dass nun bei den Schäden ein Ausgleich erfolgt. Betroffene können sich deshalb auch gerne weiter melden, wir versuchen da zu vermitteln”, kündigt Hornburg an. Derweil gibt es auch eine Antwort vom Straßenbauamt Neustrelitz, die die Autofahrer hoffen lassen kann.

Demnach sollte an dem Mittwoch ein knapp 400 Meter langes Teilstück der L 263 zwischen Groß Polzin und Ziethen einer sogenannten Oberflächenbehandlung unterzogen werden. Die Maßnahme zur Erhaltung der Landesstraße sei ausgeschrieben und an ein Bauunternehmen vergeben worden. Bei der Oberflächenbehandlung sollte ein Bitumen-Wassergemisch auf die Fahrbahn aufgetragen und anschließend mit Rollsplitt überdeckt werden. Dann sollte sogar der Fahrzeugverkehr darüberrollen, um den Splitt besser in das aushärtende Wasser-Bitumengemisch einzudrücken.

„Das Instandhaltungsverfahren soll die Substanz der vorhandenen Fahrbahn erhalten und es wird gleichzeitig die Griffigkeit einer abgenutzten Fahrbahnoberfläche erhöht”, heißt es. So weit die Theorie.

Auf der Landstraße 263 bei Groß Polzin wurde eine flüssige Emulsion und Splitt aufgetragen.

Im Zusammenhang mit diesen Arbeiten habe das ausführende Bauunternehmen aber wohl die aufkommenden Wetterverhältnisse unterschätzt, so dass der einsetzende Starkregen das Bitumen-Wassergemisch stark verflüssigte. So erklärt es das Straßenbauamt. Das Ergebnis waren die verdreckten Autos – und die immer noch kaputte Straße.

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Wer kommt für den Schaden auf?

Das Straßenbauamt Neustrelitz und das Bauunternehmen stehen bereits in Kontakt, um die Sachlage aufzuklären und eine Lösung zu finden. „Das Bauunternehmen bedauert den Vorfall und teilte dem Straßenbauamt mit, dass es gerade klärt, wie die entstanden Schäden an den Fahrzeugen reguliert werden können. Bis zur Klärung nimmt das Straßenbauamt Neustrelitz die Eingaben der Geschädigten entgegen und reicht diese an das Bauunternehmen weiter”, heißt es.

Sie sind auch ein betroffener Autofahrer? Schicken Sie uns Ihr Foto von dem Schaden gerne per E-Mail oder Facebook.

 

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