Diana Räder-Krause (links) tritt die Nachfolge von Manfred Lübke an.
Diana Räder-Krause (links) tritt die Nachfolge von Manfred Lübke an. Dennis Bacher
Jonas Dietrich hatte bei der Wahl das Nachsehen.
Jonas Dietrich hatte bei der Wahl das Nachsehen. Dennis Bacher
Vorpommern-Greifswald

Neue Kreis-Fußballchefin will Mitbewerber ins Boot holen

Obwohl Jonas Dietrich aus Alt Tellin die Wahl zum Fußballchef in Vorpommern-Greifswald verloren hat, könnte der 23-Jährige bald zum Vorstand gehören.
Spantekow

„Puh, das war eng!“ Nach der Auszählung aller Wählerstimmen musste Diana Räder-Krause erst einmal durchschnaufen. 26 zu 23! Das Ergebnis der Wahl zum neuen Oberhaupt des Fußballverbandes Vorpommern-Greifswald (FVVG) fiel am Freitag denkbar knapp zu Gunsten der 50-Jährigen aus Rebelow (bei Spantekow) aus. Lediglich drei Stimmen machten am Ende den Unterschied. Ihr Mitbewerber Jonas Dietrich aus Alt Tellin ging (vorerst) leer aus.

„Wir können es uns nicht leisten, noch mehr Vereine zu verlieren!“

„Er hat es mir wirklich nicht einfach gemacht“, erkannte die neue Fußballchefin nach gewonnener Wahl in Richtung des 23-Jährigen an. Sie sagte: „Ich hatte schon im Vorfeld einige Gespräche mit Jonas. Das Ergebnis der Abstimmung hat gezeigt, dass seine Ideen auch hier sehr gut ankommen.“ In der Tat: Während sich Diana Räder-Krause in ihrer Ansprache kurz vor der offiziellen Abstimmung auf wenige Worte zu ihrer Person beschränkte, machte Jonas Dietrich im Spantekower Bürgerhaus mit einigen Ideen auf seine Kandidatur aufmerksam.

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„Mutig sein“ – so lautete das Motto des 23-Jährigen bei seiner Ansprache, die ihm vereinzelt sogar Applaus aus dem Publikum einbrachte. Er plädierte unter anderem für eine Erhöhung der Wechseloptionen im Fußballkreis, wie es zum Beispiel der Seenplatte-Verband vormacht. Außerdem schlug er vor, allen Vereinen pro Saison zumindest einen straffreien Nichtantritt in Aussicht zu stellen. „Wir können es uns nicht leisten, noch mehr Vereine zu verlieren“, erklärte der Student der Politikwissenschaften.

Doch wer ist Jonas Dietrich eigentlich? Hiesigen Fußballfans dürfte er Schiedsrichter, Mitglied im Spielausschuss und vor allem als Moderator der Kreispokal-Auslosungen des Fußballverbandes in Vorpommern bekannt sein, deren regelmäßige Live-Übertragungen ins Internet auf „seinem Mist“ gewachsen sei, wie er in Spantekow betonte. „Es hat mich geärgert, dass die Vereine immer erst kurzfristig von ihren Pokal-Gegnern erfahren haben.“

Pokal-Wettbewerb trotz Corona zwei Mal ausgetragen

Dietrich zeichnete sich außerdem verantwortlich, gemeinsam mit Björn Wudke (Ausschuss-Chef) die Fortführung der beiden Kreispokal-Wettbewerbe in den vergangenen Spieljahren 2019/20 und 2020/21 vorangetrieben zu haben – der FVVG war während der Corona-Zeit wohlgemerkt der einzige Kreisfußballverband im Land, der seinen Pokal-Wettbewerb gleich zweimal über die Bühne brachte. „Das hat viele schlaflose Nächte gekostet“, verriet Dietrich. Kritik äußerte der Bewerber unter anderem mit Blick auf die Erhöhung der Strafen und Gebühren für Vorpommerns Vereine während der Corona-Zeit: „Wie viele Vereine sollen unter diesem Druck noch zusammenbrechen?“, fragte er in Richtung der bisherigen Verbandsspitze.

Am Ende reichte es für den 23-jährigen aus Alt Tellin nicht ganz für den Vorstandssitz. Die neue Fußballchefin, Diana Räder-Krause, die sich nach ihrer Wahl unter anderem für die Digitalisierung und den Frauen- und Mädchenfußball aussprach, stellte ihrem jungen Mitbewerber aber trotzdem in Aussicht, künftig ein Wörtchen mitreden zu können, was die Belange des hiesigen Fußballkreises betrifft. „Ich möchte Jonas mit ins Boot holen“, sagte sie. Dabei könnte es sich um eine zusätzliche Position im Vorstand handeln. Räder-Krause kündigte an, das Gespräch mit Jonas Dietrich suchen zu wollen. „Er könnte eine Menge frischen Wind mitbringen“, so Räder-Krause.

Erste „Kampfkandidatur“ im Fußballkreis

Eine waschechte „Kampfkandidatur“ um den Vorsitz, wie man sie in diesem Jahr erleben konnte, hatte es beim Fußballverband Vorpommern-Greifswald seit der Neu-Fusionierung im Jahr 2009 noch nicht gegeben, wie der einstige Vorsitzende Horst Zirzow (2010 bis 2017) mitteilte. „Zwei Kandidaten – das war eine Premiere“, erklärte er in Spantekow. Der Greifswalder Manfred Lübke, der sich nach zweieinhalb Jahren im Amt nicht mehr zur Wahl stellte, hielt Räder-Krause für eine würdige Nachfolgerin: „Altgedient hört sich immer so altbacken an – erfahren trifft es in diesem Fall besser“, sagte er.

„Diana bringt Erfahrung über 30 Jahre als Schiedsrichterin mit, sie saß zuletzt dem Schiedsrichter-Ausschuss vor und war außerdem die letzten vier Jahre lang als stellvertretende Vorsitzende im Verband aktiv. Ich wünsche ihr alles Gute für die kommende Zeit und bin mir sicher, dass ihre Wahl eine sehr gute für den Fußballverband war.“

 

 

Kommentar

Nordkurier-Reporter Dennis Bacher meint:

Verliert die Zukunft nicht aus den Augen!

Diana Räder-Krause hat die Wahl zur neuen Fußballchefin wahrscheinlich zu Recht gewonnen. Ihre Erfahrung kann der 50-Jährigen keiner nehmen. Drei Jahrzehnte war sie als Schiedsrichterin mittendrin im Geschehen und weiß genau, bei welchem Verein der Fußballschuh drückt. Hinzu kommt das Know-how aus jahrelanger Vorstandsarbeit. Der Verbandstag in Spantekow hat aber auch gezeigt, dass kaum einer die Sorgen und Nöte der Kreisfußballer besser verstehen kann, als einer von ihnen: Der 23-jährige Jonas Dietrich würde der jungen Spielergeneration eine Stimme geben. Der FVVG sollte sich darum bemühen, diesen ideenreichen jungen Mann in seinen Reihen zu halten. Denn bei all der Erfahrung im Vorstand darf man die Zukunft keinesfalls aus den Augen verlieren.

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