VORPOMMERSCHE LANDESBÜHNE

NPD-Mitglied will Haus am Anklamer Theater kaufen

Die Vorpommersche Landesbühne will in Anklam ein Haus in ihrer Nachbarschaft kaufen. Weil ein Mitglied der NPD ein höheres Angebot für das Haus abgegeben hat, werden nun die Stadt Anklam und das Land aktiv.
Um dieses Doppelhaus an der Leipziger Allee streiten sich derzeit die Theaterleute mit einem Mitglied der rechtsextremen Parte
Um dieses Doppelhaus an der Leipziger Allee streiten sich derzeit die Theaterleute mit einem Mitglied der rechtsextremen Partei NPD. Dennis Bacher
Die Schlagwörter „Respekt, Vielfalt und Toleranz“ waren zuletzt an der Fassade des Theaters zu lesen. Das pas
Die Schlagwörter Respekt, Vielfalt und Toleranz waren zuletzt an der Fassade des Theater zu lesen. Das passt nicht unbedingt zur NPD, die gerne neuer Nachbar der Theaterleute wäre. Weronika Golletz
Anklam.

Die Vorpommersche Landesbühne Anklam möchte ihre Räumlichkeiten an der Leipziger Allee in Anklam bestenfalls schon bald um einige Quadratmeter erweitern. Wie es aus dem Theater auf Nachfrage heißt, soll ein 700 Quadratmeter großes Doppelhaus erworben werden, welches direkt an den Hof vor dem Theatergebäude anschließt. Der Kaufpreis des Objektes beläuft sich auf 95 000 Euro.

„Der Vertrag liegt bereits beim Notar, wir möchten das Haus unbedingt erstehen“, sagte der Landesbühnen-Intendant, Martin Schneider, dem Nordkurier. Er habe schon seit längerer Zeit ein Auge auf das Objekt geworfen. Das Theater verfüge über ein Platzproblem, besonders Büroflächen würden dringend benötigt. Insgesamt engagiert die Vorpommersche Landesbühne Schneider zufolge aktuell mehr als 120 Mitarbeiter, wovon allein über 70 Leute in Anklam aktiv sind. Mit dem Kauf des Doppelhauses könnte die Situation in der Hansestadt verbessert werden.

Doch nicht nur die Landesbühne ist am Erwerb des Mehrparteienhauses interessiert: Bei einem weiteren potenziellen Käufer soll es sich nach Nordkurier-Informationen um ein Mitglied der rechtsextremen Partei NPD handeln. „Anfang des Jahres bekam ich den Tipp, dass die NPD das Haus kaufen möchte“, so Schneider. Das Parteimitglied soll dazu bereit gewesen sein, 5000 Euro auf den ursprünglichen Kaufpreis von 90 000 Euro draufzulegen, womit die Immobilie in dessen Hände übergegangen wäre.

Intendant will keinesfalls Rechtsextreme in der Nähe

Intendant Martin Schneider könne sich nicht erklären, warum die rechtsextreme Partei unbedingt die Nähe zum Theater sucht. Eines stehe jedenfalls fest: „Wir wollen die NPD auf keinen Fall in unserer Nähe haben“, macht Schneider deutlich.

Um den Verkauf an den NPD-Mann zu verhindern, wurde nun sogar die Stadt Anklam aktiv. „Es ist uns als Stadt ein Anliegen, die Theaterleute beim Kauf der Immobilie zu unterstützen, damit sie ihre Räumlichkeiten vor Ort ausdehnen können und das Haus in nächster Nähe zum Theater nicht in die Hände von Nationalsozialisten fällt“, so Anklams Bürgermeister, Michael Galander (IfA). Daher sei die Hansestadt bereit dazu, die Landesbühne mit 5000 Euro zu unterstützen, um dem Konkurrenzangebot gleichzukommen. Diese Finanzspritze wurde nun von den Mitgliedern des Hauptausschusses der Stadt bewilligt.

Zudem freute sich Theater-Intendant Schneider darüber, dass auch die Landesregierung helfen möchte. Wie der Vorpommern-Staatssekretär, Patrick Dahlemann, auf Nachfrage mitteilte, sei eine Investitionsförderung konkret mit der Vorpommerschen Landesbühne vereinbart. „Diese umfasst auch die Modernisierung des Haupthauses in Anklam“, so Dahlemann. Gute Theaterbedingungen seien für einen reibungslosen Ablauf wichtig.

Landesregierung übernimmt Hälfte des Preises

Wie der Nordkurier erfuhr, soll die Hälfte des Kaufpreises von der Landesregierung übernommen werden. Demnach müsste die Vorpommersche Landesbühne etwa 45 000 Euro selbst aufbringen. „Mit der Aufnahme der Vorpommerschen Landesbühne in den Theaterpakt des Landes Mecklenburg-Vorpommern ist das Haus mit seinen verschiedenen Spielstätten auch finanziell langfristig gut aufgestellt“, so Dahlemann.

Bei den Eigentümern der Immobilie handelt es sich unterdessen um Privatleute. Intendant Martin Schneider: „Die Leute sind mittlerweile ebenfalls froh, nicht an die NPD verkaufen zu müssen.“ Aktuell wohnen noch fünf Mietparteien im Gebäude. „Die müssten dann aufgrund von Eigenbedarf ausziehen“, so Schneider. Jetzt fehlen nur noch die Unterschriften auf dem Kaufvertrag.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Anklam

Kommende Events in Anklam (Anzeige)

zur Homepage

Kommentare (3)

Was soll der Artikel insinuieren? "Die Leute sind mittlerweile ebenfalls froh, nicht an die NPD verkaufen zu müssen". Die Leute brauchen gar nicht zu verkaufen. Die können das auch je nach politischer Überzeugung dem einen oder dem anderen schenken!
Der eigentliche Skandal ist, daß Steuergelder von der Stadt oder vom Land gegen irgendeine politische Überzeugung einfach so rausgeschmissen werden, obwohl das eine reine Privatveranstaltung ist. Derzeitiger Grundstückseigentümer möchte man sein; Im Kampf gegen rechts spielt (Steuer-)Geld keine Rolle.

... das wenigstens die Stadtvertreter in Anklam nicht auf dem rechten Auge blind sind.

Stellt sich die Frage, wie großzügig Herr Dahlemann und die Anklamer Stadtverwaltung mit einer Förderung wären, wenn der potentielle Erwerber die Partei "Die Linke" heißt. Dann würden wir sehen, dass es nur darum geht, einer nicht geliebten Partei wieder einmal eines auszuwischen.