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Oma-Mörder seit 18 Jahren auf der Flucht

Am Abend des 3. Juni 1998 soll die 83-jährige Greifswalderin in ihrer Wohnung in der Roßmühlenstraße ermordet worden sein.
Am Abend des 3. Juni 1998 soll die 83-jährige Greifswalderin in ihrer Wohnung in der Roßmühlenstraße ermordet worden sein.
Anne-Marie Maaß

In der Kriminalitätsstatistik für 2015 findet sich für den Landkreis Vorpommern-Greifswald genau ein Mord. Allein: Es hat keinen gegeben. Gemeint ist ein Verbrechen, das ins Jahr 1998 zurückgeht. Eine 83-jährige Greifswalderin wurde brutal getötet. Bis heute ist der Fall nicht geklärt.

Die Kriminalstatistik für 2015 weist für den Landkreis Vorpommern-Greifswald genau einen Mord auf. Wann und wo er stattgefunden haben soll, konnten selbst die Polizeibeamten zunächst nicht sagen. Denn 2015 ist solch ein Fall auf den ersten Blick schlichtweg nicht passiert.

Aufklärung bringt jedoch ein Blick in die Ermittlungsakten aus zurückliegenden Jahren. Und siehe da: Im Jahr 2015 wurde eine Ermittlung abgeschlossen, die auf einen Mord im Jahr 1998 zurückgeht. Ein Fall, der damals auch in der Öffentlichkeit Wellen schlug – und der bis heute ungeklärt ist. Mit der Suche nach dem Täter ging die Kriminalpolizei Anklam sogar bis ins Fernsehen: Der Privatsender Sat 1 zeigte den Fall in der Sendung „Fahndungsakte“.

Die schweren Kopfverletzungen stammen wohl von ihrem Spazierstock

Am Abend des 4. Juni 1998 fanden Angehörige die alte Dame tot im Badezimmer ihrer Wohnung in der Greifswalder Roßmühlenstraße. Sie hatte schwere Kopfverletzungen erlitten. Die anschließende Obduktion ergab, dass die Greifswalderin wahrscheinlich bereits einen Abend zuvor an zwei Stichverletzungen mit einem Messer verstarb. Die Kopfverletzungen wurden ihr wahrscheinlich mit dem eigenen Spazierstock zugefügt. 

Das Tatmotiv ist bis heute unklar: Es bestand der Verdacht, dass 80 D-Mark aus der Wohnung der Toten entwendet wurden. Lange Zeit tappte die Polizei bei der Suche nach einem möglichen Täter im Dunkeln. Dabei wurden umfangreiche Ermittlungen durchgeführt, die von Befragungen der Nachbarn bis zu Schuhabdruckanalysen reichten, so die Staatsanwaltschaft Stralsund.

War das ein Mordgeständnis?

Dennoch konnte lange Zeit nur gegen Unbekannt ermittelt werden. Doch das änderte sich plötzlich im Jahr 2012. 14 Jahre nach der Tat brachte eine Zeugenaussage neue Ermittlungsansätze. Demnach soll ein Tatverdächtiger in einer Greifswalder Kirche geäußert haben, viel Schlimmeres getan zu haben. War das ein Mordgeständnis?

Doch auch die polizeilichen Ermittlungen gegen den dann konkret Beschuldigten endeten nicht in einer Anklage und wurden nun 2015 eingestellt. Es gab keinen hinreichenden Tatverdacht für eine Anklage, so die Staatsanwaltschaft.

Dennoch wird das bislang ungeklärte Verbrechen an der Greifswalderin Polizei und Staatsanwaltschaft weiterhin beschäftigen. Mord verjährt eben nicht. In regelmäßigen Abständen wird daher auch dieser ungeklärte Mordfall von Polizei und Staatsanwaltschaft wieder aufgeschlagen, um nach neuen Ermittlungsansätzen zu suchen, die dann weiterverfolgt werden können.