Durch gezielte Pflegemaßnahmen sprießen tausende rot strahlende Knabenkrautorchideen und Wasserschwertlilien.
Durch gezielte Pflegemaßnahmen sprießen tausende rot strahlende Knabenkrautorchideen und Wasserschwertlilien. Norbert Warmbier
Sonnenuntergang im Peenetalmoor.
Sonnenuntergang im Peenetalmoor. Norbert Warmbier
Einst eine umweltzerstörende Industriebrache, heute Natur pur: die klimafreundlichen Naturparklandschaften zwischen Ankla
Einst eine umweltzerstörende Industriebrache, heute Natur pur: die klimafreundlichen Naturparklandschaften zwischen Anklam und Demmin. Norbert Warmbier
Der Naturparkleiter Dr. Frank Hennicke erklärt an der Gützkower Fähre die Entstehung des Peenetalmoors.
Der Naturparkleiter Dr. Frank Hennicke erklärt an der Gützkower Fähre die Entstehung des Peenetalmoors. Norbert Warmbier
Im Naturpark befinden sich mehrere Aussichtspunkte.
Im Naturpark befinden sich mehrere Aussichtspunkte. Norbert Warmbier
Dank des geringen Gefälles und den Naturparkrichtlinien ist die Peene auch ein ideales Paddelrevier.
Dank des geringen Gefälles und den Naturparkrichtlinien ist die Peene auch ein ideales Paddelrevier. Norbert Warmbier
Natur in Vorpommern

Peenetal ermöglicht seit Jahrtausenden Leben mit der Natur

Eigentlich ging es um Fledermäuse. Aber bei einer Tour durch das Peenetal drehte sich ein beachtlicher Teil auch um die Vergangenheit des Naturparks.
Gützkow

Der Naturpark „Flusslandschaft Peenetal“ und der Förderverein des Naturparks haben jüngst zur 9. Fledermausnacht in die Villa Eden am Gützkower Fährdamm eingeladen. Der Zuspruch in der Bevölkerung war mit über 70 Teilnehmern überwältigend, so der Leiter des Naturparks Dr. Frank Hennicke.

„Heute zeigen wir praktische Naturschutzarbeit für unsere Bevölkerung“, meinte der Fachmann. Man könne nur das erfolgreich schützen und wertschätzen, was auch die Bürger kennen, so Hennicke.

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Nachtfalter-Fallen und Kranichrufe

Deshalb zeigte Fledermausexperte Prof. Dr. Gerald Kerth von der Uni Greifswald große Gefühle für die recht kleine Gruppe der 18 Arten in Vorpommern-Greifswald, denn wahrscheinlich sind es mehr als 900 auf der Erde. Diplom-Landwirt Mike Stegemann übernahm dann die Leitung des abendlichen Lichtfangs der Nachtfalter im Obstgarten.

Als die Wissenschaftler noch die technischen Anlagen mit Fledermausnetzen und Lichtfangleuchten für Nachtfalter aufbauten, wanderten die Naturfreunde auf dem Fährdamm beim Gesang der Rotkehlchen, Weidenlaubsänger und Zaunkönige vorbei an zart rosa blühendem Wasserdost, wohlriechender Wasserminze und kräftig, rot strahlendem Blutweiderich zur Gützkower Fähre am Ufer der Peene. Mehrere Kraniche begleiteten die Wanderer mit lauten Trompetenrufen.

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Die Peene wurde zur Schmelzwasserbahn

Dr. Hennicke referierte dann über die Entstehungsgeschichte des Peenetals, das im Stadium der Weichselvereisung geformt wurde. Vor gut 12 000 Jahren kam es durch die Erwärmung zum Zurückweichen der gewaltigen Gletscher, also riesiger Eismassen.

Die Peene wurde zur Schmelzwasserbahn. Erst vor etwa 7500 Jahren begann mit dem allmählichen Ansteigen des Wasserspiegels der Ostsee und des Grundwassers in der Moränenlandschaft die Phase des intensiven Torfwachstums.

Bereits zur Bronzezeit fand Torfabbau, der Bodentyp des Moores, zur Brennstoffgewinnung statt. Als die Menschen im 17. Jh. begannen, diese Moore zur Viehhaltung und Heugewinnung zu nutzen, setzte die erste, wenn auch schleichende Zerstörung des Durchströmungsmoores ein.

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Vom satten Sumpf zur kargen Steppe

Durch den Bau unzähliger Entwässerungsgräben und gewaltiger Pumpstationen im Rahmen der sogenannten Komplexmelioration zu DDR-Zeiten änderte sich das Bild vom Amazonas des Nordens gewaltig. Der Umbruch der trockengelegten Sümpfe, die Neuansaat mit Wirtschaftsgräsern, die Chemisierung und einsetzende Düngung zum höchstmöglichen Futterertrag führten zur Versteppung der einst feuchtschwammigen Peene-Tallebensräume.

Der Rückgang von Kiebitzen, Bekassinen und Großen Brachvögeln war katastrophal. Aber auch die in Mitteleuropa sehr seltenen Schreiadler und Kornweihen haben ihren einstigen Lebensraum durch Umweltveränderungen aufgegeben. Diese Eingriffe hatten aber auch böse Folgen für unsere Lebensqualität.

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Wiedervernässung brachte Tiere zurück

Die Unterschutzstellung als Naturpark „Flusslandschaft Peenetal“ mit einer Fläche von 33 390 Hektar von Demmin bis zum Peenemündungsbereich am Lassaner Winkel und dem Stettiner Haff durch eine Landesverordnung brachte auch international einen riesen Erfolg für den Umweltschutz.

Seinen Sitz hat der Naturpark im Klosterdorf Stolpe. Durch die Renaturierung vieler Polder siedelten sich dutzende seltene Tierarten, wie Seeschwalben, Säbelschnäbler und Fischotter, aber auch Pflanzen wie Seekanne und Orchidee wieder an oder stabilisierten die Populationen.

Aber auch die Kohlendioxidemissionen sowie der Lachgasausstoß wurden durch die Vernässung der Moore drastisch vermindert, so dass kaum noch eine Treibhauswirkung zu spüren ist, was auch die Lebensqualität für uns Bürger verbessert.

Wer dem wundervollen Klang der Umwelt lauschen und dabei beim Anblick von Wildtieren, Adlern, Silberreihern und voller Blühfreude Stress abbauen möchte, kann bei einer geführten Naturwanderung Kraft tanken. Anmeldung bitte unter 015156074311.

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