Interview mit Veranstalter
Pleiten, Pech und Pannen beim Schlager-Festival in Anklam

Marcel Glöden, Unternehmer und Konzertveranstalter aus Greifswald, erlebte am Sonnabend die Schattenseiten des Wetters.
Marcel Glöden, Unternehmer und Konzertveranstalter aus Greifswald, erlebte am Sonnabend die Schattenseiten des Wetters.
Karsten Riemer

Die Kritik war harsch – und schraubte sich in den sozialen Medien immer weiter hoch. Beim Schlager-Festival auf dem Anklamer Flugplatz ging so einiges schief. Veranstalter Marcel Glöden bezieht im Interview Stellung.

Mit dem Festival „Schlager Pur“ haben Sie viele tausende Menschen auf den Anklamer Flugplatz gelockt. Dennoch gab es seitens der Gäste schon während der Veranstaltung eine Menge Kritik. Herr Glöden, was ist denn so schwierig daran, hier ein großes Konzert auf die Beine zu stellen?

Eine Schwierigkeit ist, dass es in Vorpommern eben gar keine Veranstaltungsorte gibt, die man so einfach nutzen kann. Um eine Infrastruktur einfach nutzen zu können, wie sie zum Beispiel die Rostocker Stadthalle hat, also einen abgegrenzten Bereich mit Fluchtwegen mit einer Bühne, mit Sitzplätzen, mit Licht, Strom, Wasser, Toiletten, sind wir jetzt hier in Anklam 150.000 Euro losgeworden. Das war finanziell und organisatorisch schon sehr umfangreich.

Was ist denn nun genau schief gelaufen am Sonnabend?

Wir hatten einen Kollaps aller 13 Kühlanlagen auf dem Platz zu verkraften. Das führte dazu, dass alle Zapfanlagen ausgefallen sind. Ich bin auf allen Bierwagen gewesen, habe mir die ganze Geschichte angeschaut. Wir hatten beim Bier nur Schaum in den Bechern. Das führte zu den langen Wartezeiten am Ausschank. Die Kritik daran kann ich natürlich nachvollziehen. Ich möchte während so einer Veranstaltung auch nicht eine Stunde am Bierwagen stehen.

Es hatte nichts damit zu tun, dass es zu wenige Ausschankwagen für diese vielen Menschen waren?

Also, wir haben das Ausschankkonzept von unserem Dienstleister vorher berechnen lassen – entsprechend der erwartbaren Personenzahl und mit 1000 Personen Reserve. Für 2200 Gäste kalkuliert man einen dieser großen Wagen mit mehreren Anlagen. Aber wenn die unerwartet alle ausfallen, weil wir Umgebungstemperaturen von 40 Grad und mehr haben, hätte auch ein fünfter, sechster oder siebenter Getränkewagen nichts gebracht. Es sind sogar die Kühlanhänger ausgefallen, in denen weitere Getränke gelagert waren. Es standen auch keine alten Geräte auf dem Veranstaltungsplatz. Alle vier Ausschankwagen waren Baujahr 2017 oder 2018. Rückwirkend betrachtet wäre der Gedanke, den wir durchaus hatten, die Veranstaltung aus diesem Grund abzubrechen, vielleicht auch gar nicht so verkehrt gewesen.

Das heißt, das ist zwischendurch diskutiert worden?

Ja. Wir haben uns mit den Sanitätern kurzgeschlossen, ob es bereits ein erhöhtes Aufkommen an Zwischenfällen gibt, aufgrund der Temperatur und einer möglichen Dehydrierung. Das war aber nicht der Fall. Daher die Entscheidung nicht abzubrechen. Der Unmut war ja ohnehin da, aber es hätte noch mehr Unmut gegeben, wenn dann alles abgesagt worden wäre. Wir hatten ja zuvor die Idee, eine Sprinkleranlage aufzubauen, die haben wir dann mit der Feuerwehr einen Tag vorher auch aufgebaut. An dieser Stelle muss man der Feuerwehr einen großen Dank aussprechen. Die haben das super gemeistert. Gleiches gilt für die Sanitäter.

Die meiste Kritik gab es ja gar nicht wegen der Zapfanlagen. Warum fehlte es denn am Wasser?

Wir hatten auf dem Platz ausreichend Wasser, das uns geliefert wurde. Wir mussten unsere Vorräte jedoch kurz vor der Veranstaltung aus qualitativen Gründen aus dem Verkehr ziehen und nach Alternativen suchen, um die Leute zu versorgen. Wir haben dann Mitarbeiter mit Transportern losgeschickt, um in umliegenden Märkten Wasser zu kaufen. Diese Flaschen haben wir anschließend ausgegeben. An dieser Stelle nehme ich die Kritik übrigens auch an: Die Preise dafür waren zu hoch. Wir haben versucht, im Orga-Büro schnell Entscheidungen zu treffen und wussten zunächst auch gar nicht, was wir aus den Supermärkten für Ware bekommen. Dennoch, angesichts der Situation war der Preis zu hoch.

Dann haben Sie ja auch die Sicherheitsbedingungen gelockert.

Ja, das Verlassen des Geländes und das Mitbringen von eigenen Flüssigkeiten ist eigentlich aus Sicherheitsgründen nicht gestattet. Aber hier mussten wir einfach abwägen. Für solche Veranstaltungen wird immer ein Sicherheitskonzept entwickelt. Dabei arbeiten wir mit einem Ingenieurbüro zusammen, das einen Evakuierungsplan erarbeitet, der festlegt, wie viele Security-Leute wir brauchen und so weiter. Man muss fairerweise sagen, dass den Behörden hier die Erfahrung mit solchen Großveranstaltungen fehlt, sodass die Restriktionen etwas strenger gewesen sind. Die Antwort auf die Wetterbedingungen sah so aus, dass wir außerhalb des normalen Catering-Angebots ein Erfrischungswasser für einen günstigen Preis angeboten haben. Das war der Kompromiss.

Von dem Angebot haben aber offenbar viele nichts mitbekommen…

Wir haben das vorher kommuniziert und mehrere große Tafeln aufgestellt. Aber gut, die Probleme bei der Getränkeversorgung, das qualitativ schlechte Wasser, der Rückstau, die langen Schlangen – das war eine Kettenreaktion.

Im Vorfeld hieß es auch, dass Sonnenschutz installiert wird. Warum gab es den nicht?

Wir hatten diverse Segel, Pavillons und Sonnenschirme schon am Freitag aufgebaut. Dann gab es massive Böen auf dem Platz, sodass wir diverse Schäden zu verzeichnen hatten. Was dabei kaputt gegangen ist, kann man auch nicht wieder aufbauen.

Kritik gab es auch an den Einlasskontrollen. Besucher haben berichtet, dass ihnen dort Sonnenschutzmittel abgenommen wurden.

Sprays sind verboten. Abgestimmt war, dass man Sonnencreme mit auf den Platz nehmen darf. Das haben wir auch der Security so gesagt. Wenn jetzt Leute sagen, das sei anders gelaufen, kann ich das im Einzelnen nicht sagen. Wir hatten aber auch Sonnencreme besorgt und zur Verfügung gestellt.

In so einer Veranstaltung stecken viel Vorbereitung und auch Geld. Die Kritik im Nachgang ist laut und heftig. Wie geht es Ihnen denn persönlich damit?

In der Veranstaltung stecken ein Jahr Arbeit, eine Unmenge an Ideen und unwahrscheinlich viel Organisation. Es ist persönlich eine sehr harte Nummer. Dabei spielen zwei Faktoren eine Rolle. Das eine ist, dass ich den Mitarbeitern natürlich so eine Situation nicht zumuten wollte. Das Gleiche gilt für die Gäste. Dafür kann ich mich nur entschuldigen.

Wie geht es denn jetzt weiter? Wird es im nächsten Jahr noch mal eine Veranstaltung in Anklam geben?

Ich bin, nach allem, was jetzt passiert ist, in einer extremen Katerstimmung. Wenn ich die Kommentare sehe, die teilweise sehr persönlich sind, dann will ich das meiner Familie und mir eigentlich nicht noch einmal zumuten. Es gibt auch keinen Königsweg aus der Situation. Nehmen Sie die technischen Probleme als Beispiel, an dieser Stelle fehlt mir eine Antwort, wie man das hätte verhindern können. Also kurz gesagt: Ich habe noch nicht entschieden, ob wir weitermachen. Noch wichtiger: Wir hatten Mitarbeiter auf den Getränkewagen, die seit vielen Jahren für mich arbeiten. Die haben sich unglaublich engagiert und auf diese Situation bestmöglich reagiert. Das war eine Kampftruppe, die unter extrem Bedingungen geackert hat. Und die mussten sich Dinge anhören… Das war unmenschlich, und das will ich denen auch nicht zumuten.

Kommentare (2)

Fazit: Der veranstalter hat in allem versagt und sollte von solch.en projekten die finger lassen. Das ganze ist was für komplette großunternehmer, die die materie kennen, die risiken richtig einschätzen und auch den arsch in der hose haben , wir brechen ab. Was hier abgelaufen ist grenzt schon ankörperverletzung und entzug von grundnahrungsmittel. Kaum zu glauben das die menschen es kommentarlos hinnehmen fast umgebracht zu werden und keine Strafanzeige erstatten. Die guten vorsätze alles irgendwie noch zu regeln reicht nicht aus, man muss dazu eben mehr als nur ein paar hobbyordner oder defekte bierwagen managen.guter rat finger weg von großveranstaltungen wen man nicht ein gestandenes team von 500- 1000 hhelfer im hintergrund und den nötigen sachverstand hat, geldgier und und größenwahn sind fehl am platz.

Trotz aller Kritik, fand ich die Veranstaltung gut. Die Auswahl der Interpreten hat mir und meiner Frau sehr gut gefallen und anscheinend auch vielen anderen Fans. Ja, die Getränkeversorgung war problematisch, allerdings für ein hoffentlich nächstes Mal lösbar. Wir kommen aus der Müritzregion und hier haben wir eine solche Veranstaltung nicht. Wir würden uns sehr freuen, wenn der Veranstalter trotz der vielen Kritik und negativen Meldungen den Mut nicht verliert und wieder eine solches Event für das kommende plant. Meine Frau und ich sind dabei, wir lieben Schlagermusik und das war für uns das Wichtigste.