Kind gestorben
Politik schweigt nach Tod von Dreijähriger in Wolgast

In Wolgast starb ein dreijähriges Mädchen.
In Wolgast starb ein dreijähriges Mädchen.
Tilo Wallrodt

In Wolgast ist ein Kind einer Familie gestorben, die vom Jugendamt betreut wurde. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Offenbar will sich aber nur eine Fraktion näher mit dem Fall befassen.

Nach dem Verbrühungstod eines kleinen Mädchens aus Wolgast denkt die SPD darüber nach, den Fall im Kreistag Vorpommern-Greifswald auf die Tagesordnung zu setzen. „Ich habe vom Ortsverband Wolgast-Usedom den Auftrag, das am kommenden Dienstag in der Fraktionssitzung zur Diskussion zu stellen“, sagte Vize-Fraktionschef Günther Jikeli dem Nordkurier.

Damit ist die SPD-Fraktion bislang die einzige, die den Tod des kleinen Mädchens auch politisch aufrollen will – alle anderen winkten ab. Tenor: Man wolle den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht vorgreifen.

Jugendamt beobachtete Familie

Auch hielten sich CDU, Linke, Grüne und AfD mit öffentlichen Statements bisher bedeckt. Die Familie stand längere Zeit unter Beobachtung des beim Kreis angesiedelten Jugendamtes. In anderen Fällen, die bundesweit Schlagzeilen gemacht haben, wurde die Politik fast immer aktiv: So erlangte die heutige Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) erst durch ihre Aufklärungsarbeit nach dem Hungertod der fünfjährigen Lea-Sophie in Schwerin Bekanntheit. Schwesig war damals noch Stadtvertreterin.

Das zuständige Jugendamt sieht keine Versäumnisse. Laut einer Sprecherin des Landkreises Vorpommern-Greifswald habe die Familie eine Zeit lang Hilfe zur Erziehung in Anspruch genommen. Diese Unterstützung sei später aufgrund des positiven Verlaufs und der Stabilisierung der Familie beendet worden. Ein Sozialarbeiter habe danach weiter in regelmäßigem Kontakt mit der Familie gestanden und auch Hilfe angeboten. Von Nachbarn und anderen Personen habe es keine Hinweise auf Kindeswohlgefährdung gegeben.

Staatsanwaltschaft Stralsund ermittelt

Die Dreijährige war infolge großflächiger Verbrühungen gestorben, wie eine Obduktion ergab. Die Mutter hatte angegeben, das Kind in ein Erkältungsbad gesetzt und es dann verletzt ins Bett gelegt zu haben. Am Vormittag habe sie das Mädchen dort tot aufgefunden. Die Staatsanwaltschaft Stralsund ermittelt gegen die Mutter. Das dreimonatige Geschwisterkind wurde vom Jugendamt in Obhut genommen. Zwei ältere Geschwisterkinder leben seit Längerem in Pflegefamilien.

Heute tagt der Jugendhilfeausschuss des Kreistages. Auch auf dessen Tagesordnung findet sich kein spezieller Tagesordnungspunkt zu dem Fall, der die gesamte Region bewegt. Möglicherweise werde die Verwaltung die bisherigen Erkenntnisse noch einmal zur Sprache bringen, hieß es seitens des Kreises. Das werde aber nicht über das hinausgehen, was ohnehin schon bekannt ist.

Kommentare (2)

Das ist doch auch kein politisches Problem, wenn eine Mutter ihr Kind mit kochendem Wasser verbrüht Die gehört wegen Kindesmord verurteilt.

Wie in der großen Politik,werden auch den unteren Regionen Posten nach dem Parteibuch verteilt. Dort sitzen dann Vorgesetzte,die kein Ahnung oder Interesse daran haben,ihren Posten auszufüllen. Leittragende sind dann die unteren Mitarbeiter. Habe das während meiner Dienstzeit beim BGS am Wochenende oft erlebt,wenn wir jugendliche unterbringen mussten,die wir aufgegriffen haben. Keiner fühlte sich dann zuständig.