„HERING FREI” IN UECKERMÜNDE

Rainer Wendt: "Schule schwänzen ist keine Tugend"

Während das Rheinland schunkelt, geht es am Haff gesittet zu. Traditionell lud die CDU zum Rosenmontagshering ein. Prominenter Redner: Polizeigewerkschafter Rainer Wendt.
Thorsten Pifan Thorsten Pifan
Polizeigewerkschafter Rainer Wendt fand klare Worte zum Thema Migration und Klima-Proteste.
Polizeigewerkschafter Rainer Wendt fand klare Worte zum Thema Migration und Klima-Proteste. Christopher Niemann
Ueckermünde.

„Hering frei!“ So heißt es in Ueckermünde, wenn Philipp Amthor am Rosenmontag zu Tisch bittet. Der Referent des Abends hatte die rund 120 Gäste in der Strandhalle noch mit einem zünftigen karnevalistischen „Helau!“ begrüßt, stammt Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, doch ursprünglich aus Duisburg.

Und bevor der leidenschaftliche Kritiker bundesdeutscher Flüchtlingspolitik zu seinem Lieblingsthema ansetzte, blieb er – nicht weniger politisch – beim Karneval. Denn: „Wer richtig Karneval kann, ist unsere gemeinsame Parteivorsitzende“, rief er in die Runde und setzte damit gleich zwei Akzente. Er selbst hatte sich als CDU-Mitglied mit seinen Zuhörern verbündet und gleichzeitig einen ersten Hieb gegen den politischen Gegner, der meistens von links kommt, gesetzt.

„Brauchen keine linken Sprach-Polizisten.“

„Unsere Parteivorsitzende bringt Leute zum Lachen“, sagte Wendt und weiter: „Andere Parteivorsitzende bringen die Leute eher zur Verzweiflung.“ Dann urteilte der Polizei-Gewerkschafter zum aktuellen Streit um die karnevalistischen Äußerungen von Annegret Kramp-Karrenbauer: „Was wir nicht brauchen, sind linke Sprach-Polizisten.“

Mit Rainer Wendt gelang es Amthor, nach Paul Ziemiak im vergangenen Jahr erneut einen prominenten Gast ans Haff zu laden. So war das Rosenmontagsheringsessen auch in seiner 18. Auflage ein voller Erfolg, und es kamen mehr als die etwas über 100 Gäste, die angemeldet waren. Mit dabei waren an diesem Abend auch Landrat Michael Sack und der Fraktionschef der CDU im Schweriner Landtag, Vincent Kokert, sowie einige Bürgermeister und Wirtschaftsvertreter der Region.

Wendt, den Amthor als „Räumpanzer deutscher Innenpolitik“ angekündigt hatte, teilte fleißig aus: CSU-Innenminister Horst Seehofers 63-Punkte-Plan zur Migration sei kaum umgesetzt. So habe es 23.000 Abschiebungen gegeben – 30.000 Abschiebungen seien dagegen nicht erfolgt.

„Widersprüchliche Aussagen aus dem Kanzleramt“

Widersprüchliche Aussagen kommen auch aus dem Kanzleramt“, kritisierte Wendt und schloss: Dort schwebe man immer ein bisschen über der Realität. Doch nicht nur die Politik bekam ihr Fett weg, auch die Medien: „Über eine 16-Jährige, die die Schule schwänzt, wird in den Hauptnachrichten berichtet, genauso wie über 3000 Hamburger Schüler, die ebenfalls nicht zur Schule gehen.“ Über alle Schüler, die zur Schule gingen, werde nicht berichtet, sagte er und rief: „Schule schwänzen ist keine Tugend.“

An die Seite der neuen CDU-Parteivorsitzenden Kramp-Karrenbauer, die über das dritte Geschlecht gespöttelt hatte, stellte sich Fraktionschef Kokert und wetterte: „Da wird in Berlin etwas festgelegt, und der Steuerzahler muss dann die dritte Toilette finanzieren.“ Zudem gebe es 62 unterschiedliche Geschlechter. „Wir haben nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern andere Probleme, um die wir uns kümmern müssen“, sagte er.

Abschließend stimmte er die Christdemokraten auf den bevorstehenden Wahlkampf ein. Am 26. Mai werden im Land die Kommunalparlamente und das Europa-Parlament neu gewählt.

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