ABSAGE IN ANKLAM

Regen vertreibt Stasi-Gegner, AfD-Freunde und Künstler

Interkulturelles Fest, AfD-Protestaktion und Anti-Stasi-Mahnwache. Durch den strömenden Regen kam dann alles etwas anders.
Die Musiker von „Sparks & Ashes”, „Artur und Band” sowie der Alleinunterhalter Holger Pautz posier
Die Musiker von „Sparks & Ashes”, „Artur und Band” sowie der Alleinunterhalter Holger Pautz posierten nach der Absage geschlossen für eine Foto auf der Bühne von „Kultur leben!”. Dennis Bacher
Die wenigen Teilnehmer der AfD-Protestaktion brachen ihre Zelte schnell wieder ab.
Die wenigen Teilnehmer der AfD-Protestaktion brachen ihre Zelte schnell wieder ab. Dennis Bacher
Anklam.

Gleich drei Veranstaltungen unterschiedlichster Couleur waren für Samstag zur selben Zeit auf dem Marktplatz der Hansestadt Anklam angekündigt. Anhaltender Regen sorgte am Ende dafür, dass nicht eine davon wie geplant durchgeführt werden konnte. Der „Interkulturelle Dreiklang” fiel buchstäblich ins Wasser.

Es regnete – und hagelte Absagen

Ein Clown, der die Kinder mit Zaubertricks verblüfft, zwei Bands, die mit ihren Auftritten zum Tanzen animieren – der Zusatztag der Reihe „Kultur leben!” versprach für Samstagnachmittag ein buntes Programm auf dem Markt und hätte der Höhepunkt der Veranstaltungsreihe werden sollen. Doch die Auftritte von „Holly's Showtheater”, „Artur und Band” sowie „Sparks & Ashes”, welche die Stadt als Ersatz für das interkulturelle Spätsommerfest aus dem Hut gezaubert hatte, mussten kurz vor Beginn abgesagt werden. „Bei diesem Wetter macht die Durchführung keinen Sinn”, erklärte Eva Dinse aus der Stadtverwaltung mit Blick auf den strömenden Regen um kurz vor 15 Uhr.

Lesen Sie auch: "Vielleicht finden uns die Anklamer ja kacke!" - Interview mit Artur Apinyan

Künstler wollen trotzdem nach Anklam kommen

Gemeinsam mit den Künstlern habe man sich aber darauf einigen können, die Auftritte schon am Dienstag, dem offiziellen Abschlusstag der Kulturreihe, nachzuholen. Die Show von Clown Klecks soll dann durch den Auftritt von „Holly's Showtheater” ergänzt werden (ab 10 Uhr), das Blues-Konzert von „Der Waldgänger” durch die Ersatzkonzerte beider Bands (ab 18 Uhr). „Das könnte ein toller Abschluss werden”, freute sich Eva Dinse über die spontanen Zusagen der Künstler.

Demo für ein Recht auf Lärm

Unter dem Motto „Letzte Ausfahrt für Freiheit!“ hatte die AfD in Vorpommern-Greifswald am Samstag ebenfalls auf den Marktplatz gerufen. Geplant war ein Motorrad- und Autokorso, der in Neubrandenburg beginnen und gegen 15.45 Uhr in Anklam Halt machen sollte.

Lesen Sie auch: Streitthema Motorrad-Lärm spaltet Deutschland

Sowohl bei Eva Dinse als auch bei Anklams Bürgervorsteher Andreas Brüsch, der den interkulturellen Tag eröffnen sollte, herrschte großes Unverständnis darüber, wieso diese Aktion zur selben Zeit am selben Platz genehmigt wurde. Auch einige Anklamer erkundigten sich im Vorfeld bei der Stadt und auch beim Nordkurier, um zu erfahren, wie denn das interkulturelle Programm störungsfrei ablaufen könne, wenn gleichzeitig der AfD-Korso über den Marktplatz rollt. „Es ist zwar nur eine Zwischenstation, aber ich werde nicht zwei Kindern und mir gleichzeitig die Ohren zuhalten können”, schrieb beispielsweise ein Nordkurier-Leser angesichts des angekündigten Hupkonzertes. Dazu ist es nicht gekommen.

Regen verschreckte die Motorrad-Patrioten

Beteiligten sich bei einer ähnlichen Protestaktion der AfD im Juni noch um die 100 Personen, folgte diesmal lediglich ein gutes Dutzend dem Aufruf der Rechtskonservativen nach Anklam. „Wir verzeichnen eine mäßige Beteiligung”, resümierte der AfD-Bundestagsabgeordnete Enrico Komning vor Ort und fügte an: „Sicherlich wegen des Wetters.”

Auf der Facebook-Seite der AfD Vorpommern-Greifswald war vorab zu lesen: „Vom schlechten Wetter lassen wir uns natürlich nicht abschrecken.” Dies war nun aber doch der Fall. Motorradfahrer beteiligten sich überhaupt nicht an dem Motorrad- und Autokorso, auf das Hupkonzert wurde gänzlich verzichtet. Nach einer Viertelstunde machte sich die kleine Karawane auf zu ihrem letzten Stopp in Wolgast. „Wir hätten gerne noch einige Worte gesagt, auf einem leeren Marktplatz bringt das aber nichts”, so Komning kurz vor Abfahrt.

Konflikt zwischen Kunst und Politik

Dass eine Kulturveranstaltung im Zeichen der Vielfalt nicht unbedingt mit den Werten der rechtskonservativen AfD zusammenpasse, empfanden die Künstler von „Kultur leben!” einheitlich. „Wir sind froh, diesen Auftritt der AfD nicht auch noch musikalisch unterstützen zu müssen”, hieß es beispielsweise von den Künstlern der Gruppe „Artur und Band”. Man distanziere sich klar von den Ansichten der Partei. Ähnliches ließen die Musiker der Band „Sparks & Ashes” verlauten. Auch Holger Pautz von „Holly's Showtheater war froh, sich den Markt nicht mit der AfD teilen zu müssen. „Auch wenn wir die lautere Anlage gehabt hätten”, fügte er lächelnd an. Die Konzerte nur wegen der AfD abzusagen, wäre allerdings für alle keine Option gewesen. „Dies hätte ein falsches Signal vermittelt” hieß es aus den Reihen von „Artur und Band”. „Wir kapitulieren letztendlich vor dem Regen, nicht vor der AfD.”

Zeitgleich zur Protestaktion der AfD war am Samstag auch noch eine Mahnwache gegen Stasi-Mitglieder in der AfD und dem Bundestag angekündigt. Gedacht war das wohl als Seitenhieb auf den AfD-Abgeordneten Komning und seine Vergangenheit im Wachregiment der Stasi. Die zwei Organisatoren verzichteten aber kurzfristig auf ihren Auftritt vor den Rathaustreppen.

Lesen Sie auch: Komning wehrt sich gegen Bezeichnung als Stasi-Mitarbeiter

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Anklam

Kommende Events in Anklam (Anzeige)

zur Homepage

Kommentare (2)

Der Komning war freiwillig beim Wachregiment Feliks Dzierzynski. Soso.

Kann man sowas als Rechter Wissenschaftler nicht per Unterlassung einklagen, um das gefälligst geheim zu halten? Wie sieht das denn bitte aus.

Ständig muss er sich von seinen eigenen Wählern beleidigen lassen, wenn sie von Stasimethoden reden, obwohl er doch aus eigener Erfahrung viel besser weiß wie sowas geht und trotzdem nicht regieren darf.

Wo sind bloß die ganzen AfDler auf Nordkurier hin, um die fette Henne zu grillen. Schon zur Wahlurne, das Hakenkreuz an der rechten Stelle setzen?

Nicht gut wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht! Politik hat nichts mit Ehrlichkeit zu tun, schon gar nicht im widervereinten D unter Merkel - ob das Hakenkreuz auf der rechten oder linken Seite gemacht wird zu einer Wahl muss jeder selber entscheiden - ,,demokratisches,, Recht - viel Spaß