BAUVORHABEN

Richtfest für Wohnanlage in Völschow

Bisher erscheint dieses Bauprojekt in einem kleinen vorpommerschen Dorf eher ungewöhnlich, doch der Gebäudekomplex für betreutes Wohnen nimmt Gestalt an.
Da musste die Chefin selbst ran: Katja Bednarski, deren Pflegedienst für den Neubau der Anlage für betreutes Wohnen
Da musste die Chefin selbst ran: Katja Bednarski, deren Pflegedienst für den Neubau der Anlage für betreutes Wohnen in Völschow verantwortlich zeichnet, hämmerte zum Richtfest den „letzten“ Zimmermannsnagel in den Dachstuhl. Stefan Hoeft
Aus der Vogelperspektive sind die beiden versetzt zueinander stehenden Gebäudeteile ebenso gut zu erkennen wie die Terras
Aus der Vogelperspektive sind die beiden versetzt zueinander stehenden Gebäudeteile ebenso gut zu erkennen wie die Terrassen beziehungsweise Balkone. Thomas Breitsprecher
Warten auf Dach und Fenster: Nach den reichhaltigen Regenfällen der vergangenen Tage muss nun erst mal das ganze Wasser a
Warten auf Dach und Fenster: Nach den reichhaltigen Regenfällen der vergangenen Tage muss nun erst mal das ganze Wasser aus dem Gebäude raus. Stefan Hoeft
Völschow.

Nicht jeder hatte wohl wirklich an die Umsetzung dieses Projektes geglaubt, bis im Frühjahr zwischen ehemaligem Kindergarten und der Landesstraße in Völschow tatsächlich die Bagger anrollten, die eine große Grube aushoben und dann die Fundamentplatte gegossen wurde. Doch inzwischen ist der Rohbau des Gebäudekomplexes für betreutes Wohnen eines in Jarmen beheimateten Pflegedienstes so weit emporgewachsen, dass die Bauherrinnen und Handwerker am Ende vergangener Woche Richtfest feiern konnten. Und so mancher Gast der Veranstaltung staunte bei einem Rundgang über die vielen Räume, die sich dort auf zwei Etagen verteilen. Immerhin umfasst das aus zwei schräg zueinander versetzten und miteinander verbundenen Teilen bestehende Haus zusammengerechnet rund 2000 Quadratmeter.

Platz für zwei Wohngruppen

Unten und oben sollen so jeweils zwei Wohngruppen Platz finden, wobei die Struktur bei allen gleich ausfällt: Zentrum ist ein Gemeinschaftsraum mit Küche, Wohn- und Essgruppe. Von diesem und dem sich anschließenden Flur zweigen acht Einzelzimmer mit Grundrissen zwischen 20 und 30 Quadratmeter ab, die, ausgestattet mit einer Nasszelle, das ganz persönliche Reich der Mieter bilden. Sprich: Dorthin kann sich jeder zurück und die Tür hinter sich zu ziehen. Auf diese Weise sollen hier am Ende 32 Männer und Frauen ein neues Zuhause finden. Balkons und Terrassen – die größte halb überdacht und mit 120 Quadratmeter Fläche – laden an einigen Ecken ins Freie ein. Zudem gibt es eine Art Cafeteria mit Küchentrakt, die für Feiern zur Verfügung steht, beispielsweise von Leuten innerhalb des Hauses oder mit der Familie.

Darüber hinaus umfasst das Nutzungskonzept Umkleide-, Aufenthalts- und Sanitärräume für das Personal, Zimmer für die Geschäftsführung sowie Lager und Technikzentrale. Zwei Treppenhäuser verbinden die Etagen, ein Fahrstuhl in der Mitte sorgt für die Erreichbarkeit des Obergeschosses auch für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Ohnehin steht Barrierefreiheit obenan in der Planung.

Pflegedienst-Inhaberin Katja Bednarski hingegen musste ordentlich Leitern raufkraxeln, um hoch über Völschow zum Richtfest den obligatorischen letzten Zimmermannsnagel in einen Firstbalken des Dachstuhles zu schlagen. Sie wartet nun gespannt auf die nächsten Wochen, wenn die Fenster kommen sowie das Dach abgedichtet und mit Profilblech-Platten gedeckt werden. Schließlich soll alles noch vor Weihnachten so weit sein, dass die kalte Jahreszeit über störungsfrei der Innenausbau stattfinden kann. Erst mal indes muss dafür das viele Wasser rausgeschafft werden, das sich durch den Dauerregen der vergangenen Tage in zahlreichen Räumen gesammelt hat.

Im Juni soll es einen Tag der offenen Tür geben

Sommerende 2020 hin hofft sie auf die Eröffnung der Einrichtung, spätestens jedoch im September. Für Juni plant das Unternehmen einen Tag der offenen Tür, um das Haus schon mal der Öffentlichkeit vorzustellen und noch Klienten für etwaige freie Zimmer zu finden. Ob es davon noch viele geben wird zu dieser Zeit, erscheint indes durchaus fraglich angesichts des bisherigen Interesses. „Die Nachfrage ist groß. Aber Verträge mache ich erst ab März. Insofern ist noch alles offen“, erklärte die stellvertretende Geschäftsführerin Caroliné Vogt. Ein Teil der Leute, die sie angesprochen und sogar schon zugesagt haben, kämen aus den drei Ortsteilen der Gemeinde, viele aber auch umliegenden Dörfern und einige sogar aus Jarmen.

Sie alle scheinen angetan von der Idee, diese Wohnform mal auf dem Land statt in einer Stadt anzusiedeln. Schließlich gibt es viele alte Vorpommern, die möglichst in ihrem gewohnten Umfeld verweilen möchten, wenn ihnen das eigene Haus und Grundstück zu viel werden. Bisher blieb da meist nur der Umzug in einen mit Treppensteigen verbundenen Wohnblock oder eben in eine Senioren-Einrichtung, wie sie beispielsweise Jarmen mehrere zu bieten hat. Künftig existiert dann in Völschow eine Alternative für den Lebensabend.

Im Ort wird den Senioren viel geboten

Wobei gerade dieses Dorf bei der Standortsuche der Pflegedienst-Unternehmerinnen, die schon seit vielen Jahren ein ähnliches, aber deutlich abgelegeneres Haus bei Menzlin nahe Anklam betreiben, mit zahlreichen Dingen punkten konnte. Angefangen vom guten Verkehrsanschluss durch die L 35 und folgend B 110 sowie Autobahn über die Bushaltestelle direkt vor der Haustür bis hin zum reichhaltigen Dorfensemble aus Teichen, Spielplatz, Kita, Sportverein und Feuerwehr. Völschow ermöglicht eine Menge gesellschaftlichen Anschluss und Kontaktmöglichkeiten für die Senioren.

Bürgermeister Thomas Breitsprecher, der zu den Gratulanten beim Richtfest gehörte, zeigte sich schon erfreut und gespannt über die künftigen Bewohner. Würden sie doch nicht nur menschlich eine Bereicherung für die Kommune bedeuten, sondern darüber hinaus für ihren Finanzhaushalt. Denn je mehr Personen aus anderen Gemeinden dort einziehen, um so mehr steigt die eigene Einwohnerzahl und damit der Zuweisungsbetrag vom Land. Immerhin musste Völschow da seit der Wende kontinuierlich Einbußen hinnehmen – 2020 könnte es also in die andere Richtung gehen.

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