Bei stichprobenartigen Untersuchungen ist in einem Aufzuchtbetrieb in Neu Kosenow Rinder-Herpes festgestellt worden. Zum Gl&uu
Bei stichprobenartigen Untersuchungen ist in einem Aufzuchtbetrieb in Neu Kosenow Rinder-Herpes (BHV-1 – Bovine Herpes Virus) festgestellt worden. Zum Glück zeigt keines der Tiere Krankheitssymptome. Mareike Klinkenberg
Die Veterinärbehörden versuchen nun alle Kontaktbetriebe in Deutschland und den Niederlanden zu ermitteln. Das sei n
Die Veterinärbehörden versuchen nun alle Kontaktbetriebe in Deutschland und den Niederlanden zu ermitteln. Das sei nötig, um die Tierseuche möglichst schnell einzugrenzen, sagte der Leiter des Kreisveterinäramtes Dr. Holger Vogel. Anne-Marie Maaß
Bauer in Not

Rinderherpes – das sagen die betroffene Landwirte in Vorpommern

Die betroffene Landwirtsfamilie aus Neu Kosenow fürchtet nach Rinder-Herpes-Fällen in ihrem Bestand um ihre Existenz. Die zuständige Kreisbehörde macht vorsichtige Hoffnungen.
Neu Kosenow

Die Nachricht über einen Ausbruch der ansteckenden Tierseuche BHV-1, die auch als Rinder-Herpes bekannt ist, machte nach einer Ankündigung von Landrat Michael Sack (CDU) in der letzten Kreistagssitzung vom Montag schnell die Runde in der Region rund um Anklam. Die Landwirtsfamilie aus Neu Kosenow, in deren Stall das Virus bei einer stichprobenartigen Untersuchung entdeckt wurde, ist von der Hiobsbotschaft sichtlich mitgenommen.

Sorge um Ruf des Betriebs

Familie K., die ihre Namen und Gesichter ungern öffentlich präsentieren wollen, weil sie negative Auswirkungen auf ihren Betrieb befürchten, sind schon seit einigen Tagen im Ausnahmezustand. Seit 2005 führen sie in Neu Kosenow ihren Hof, zunächst als Milchviehbetrieb und seit 2014 als Aufzuchtbetrieb. Unter ihrer Fürsorge wachsen die Kälber und Färsen von Betrieben aus den Landkreisen Rostock und Vorpommern-Rügen und einem Partnerbetrieb aus den Niederlanden heran, bis sie sechs Wochen vor der Kalbung wieder auf ihre Ursprungshöfe zurückkehren.

Bei stichprobenartigen Untersuchungen ist in einem Aufzuchtbetrieb in Neu Kosenow Rinder-Herpes festgestellt worden. Zum Gl&uu

Rund 600 Rinder hat die Landwirt-Familie an dem betroffenen Standort. Foto: Mareike Klinkenberg

Ein Konzept, das die Bauernfamilie mit ihren zwei Kindern und drei Mitarbeitern bislang immer gut und sicher ernährt hat. Doch nun zittern die Landwirte um ihre Existenz. Was ist, wenn ihre Tiere wegen des Rinder-Herpes-Befalls gekeult werden müssen? Am betroffenen Standort würde das etwa 600 ihrer Rinder betreffen, im gesamten Betrieb haben die Landwirte momentan mehr als 1.000 Tiere in ihrer Obhut. Ein Szenario, das sich Familie K. gar nicht ausmalen möchte. Der Verlust wäre kaum zu kompensieren.

In Rostock musste vor wenigen Jahren 1.700 Tiere werden wegen Rinderherpes geschlachtet werden.

Unklare Herkunft

Derweil ermitteln die Veterinärbehörden alle Kontaktbetriebe in Deutschland und den Niederlanden. Das sei nötig, um die Tierseuche BHV-1 (Bovine Herpes Virus) möglichst schnell einzugrenzen, sagte der Leiter des Kreisveterinäramtes Dr. Holger Vogel am Dienstag. „Deutschland gilt eigentlich als Rinder-Herpes-freies Gebiet“, erläuterte Vogel. Dieser Status werde festgelegt, wenn innerhalb einer bestimmten Zeit kein BHV-1-Fall in Rinderbeständen war.

Wie die Seuche in den Bestand gekommen ist, bleibt weiter unklar. Den ersten Verdacht, dass das Virus aus Holland nach Vorpommern gelangt sein könnte, will Familie K. nicht gelten lassen. Schließlich sei auch ihr Partnerbetrieb dort, anders als der Rest der Niederlande, offiziell virenfrei und die letzten Tiere von dort seien bereits im Mai nach Neu Kosenow gekommen. Alle Tests wären seit dem auch ohne Befunde gewesen.

Die Veterinärbehörden versuchen nun alle Kontaktbetriebe in Deutschland und den Niederlanden zu ermitteln. Das sei n

Derweil ermitteln die Veterinärbehörden alle Kontaktbetriebe in Deutschland und den Niederlanden, um die Tierseuche möglichst schnell einzugrenzen, sagte der Leiter des Kreisveterinäramtes Dr. Holger Vogel.

Landwirte sprechen sich für Rinder-Impfung aus

Die Neu Kosenower Landwirte sprechen sich in diesem Zusammenhang eindeutig für eine Impfung gegen Rinder-Herpes aus. Züchter wie sie wären so vor einem Ausbruch der Krankheit geschützt, das würde Existenzen sichern und generell für mehr Tierwohl sorgen. Selbst ihre Tiere könnten sie mit einem kleinen Piks auch jetzt noch retten, sagen sie. Doch vorsorgliche Impfungen sind in Deutschland gemäß einer EU-Richtlinie nicht mehr erlaubt, da die Bundesrepublik damit den Status als offiziell BHV-1 freies Land und damit zusammenhängende Vorteile verlieren würde. Dass das Virus in der Praxis dennoch seine Kreise ziehe, beweisen sowohl der vorliegende Fall sowie weitere Vorkommen in Westdeutschland, betonen die betroffenen Bauern.

Während aktuell jedes einzelne Rind im Bestand der Familie K. durchgetestet wird, kommt aus der zuständigen Kreisbehörde auch schon eine vorsichtige Entwarnung. Es müssten keine Tiere gekeult werden, denn keines der positiv getesteten Tiere weise bislang Symptome auf, erklärt eine Kreissprecherin. Hier sei eine Schlachtung und eine „wirtschaftliche Verwertung zugelassen”, erläutert auch Kreisveterinär Dr. Vogel.

Gemeinden Neu Kosenow und Bugewitz mit Ortsteilen sind Sperrgebiet

Die Tierseuche gilt als hochansteckend und kann bei den Tieren zu Fieber, Fehlgeburten und einer geringeren Milchleistung führen. Für Menschen ist sie jedoch ungefährlich.

Bis auf Weiteres gelten die Gemeinden Neu Kosenow und Bugewitz mit ihren Ortsteilen als Sperrgebiet und Rinderhalter dürfen dort nicht mit Tieren handeln. Familie K. arbeitet währenddessen eng mit den Behörden und dem zuständigen Tierarzt zusammen und hofft, dass sie nur wenige ihrer Tiere verlieren, an deren Wohlergehen nicht nur ihre berufliche Zukunft hängt, sondern auch viele Emotionen.

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