Ende der Kampagne

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Rüben für Zuckerfabrik bleiben teils auf Acker liegen

Ob es diese Zuckerrüben auf einem Feld bei Kaeselow (Mecklenburg-Vorpommern) noch in die Zuckerfabrik von Anklam schaffen?
Ob es diese Zuckerrüben auf einem Feld bei Kaeselow (Mecklenburg-Vorpommern) noch in die Zuckerfabrik von Anklam schaffen?
Jens Büttner

Erstmals seit Jahrzehnten sind in Mecklenburg-Vorpommern nicht alle Zuckerrüben geerntet worden. Und die Bauern haben nur noch wenige Tage, bis die Zuckerfabrik in Anklam die Kampagne beendet.

Dass im Januar noch Zuckerrüben auf dem Acker stehen – daran können sich nur wenige Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern erinnern. Die Rüben sind noch gut, aber wegen der extremen Nässe kommt man nicht an sie heran. 60 Hektar Rüben seien stehengeblieben, sagte die Geschäftsführerin der Zuckerrübenanbauerverbände im Land, Antje Wulkow.

Die Bauern könnten die aufgeweichten Felder nicht befahren. So etwas sei zuletzt in den 1980-er Jahren passiert. Besonders betroffen ist Vorpommern, wo laut Wulkow 40 Hektar nicht abgeerntet werden konnten. Insgesamt fehlen damit mehr als 4000 Tonnen Rüben. Das sei für die einzelnen Landwirte schon sehr zu spüren, sagte der Geschäftsführer der Zuckerfabrik Anklam, Mathias Sauer. Insgesamt sind im Land im Vorjahr auf mehr als 15.000 Hektar Rüben gewachsen.

Zuckerfabrik beendet Kampagne

Während in normalen Jahren bis Mitte November alle Rüben gerodet sind, haben Bauern diesmal noch nach Weihnachten versucht, das Gewachsene vom Acker zu holen. Sauer zufolge ist die Qualität der Rüben noch gut, weil es noch keinen Frost gab. Allerdings: Lange haben die Bauern nicht mehr Zeit. Nächste Woche beendet die einzige Zuckerfabrik Mecklenburg-Vorpommerns die Verarbeitungskampagne.

Seit September werden dann rund 1,3 Millionen Tonnen Rüben aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt verarbeitet worden sein. Der Ertrag lag im Schnitt bei 73 Tonnen je Hektar, der Zuckergehalt bei 17,3 Prozent. Beides entspreche dem Durchschnitt.

Was tun mit den nassen Rüben?

Den Landwirten, die ihre Rüben nicht mehr abliefern können, empfiehlt Stefan Engberink von der LMS Agrarberatung in Rostock, sobald die Äcker wieder befahrbar sind, die Rüben unterzupflügen und dabei zu zerkleinern. „Wichtig ist, dass alle Rüben aus dem Boden kommen oder verrotten, sonst wachsen sie weiter”, sagte er. Die Rüben könnten auch gerodet und zerkleinert wieder ausgestreut werden oder in die Biogasanlage gegeben werden. Auf den Flächen könnten Sommergetreide, Hafer oder Erbsen angebaut werden.

Zuckerfabrik-Chef Sauer rechnet diesmal mit 215.000 bis 220.000 Tonnen Zucker. Etwa 100.000 davon würden zu Ethanol verarbeitet. Der größere Teil sei Weißzucker für die Ernährung. Die zum niederländischen Konzern Suiker Unie gehörende Fabrik sei gut beraten gewesen, sich mit der Bio-Ethanolpoduktion ein zweites Standbein zu schaffen, sagte Sauer.

Der Preis für Weißzucker sinke wegen des Überangebotes nach der Abschaffung der Zuckermarktordnung 2017. In Deutschland werde mit 5 statt wie zuvor mit 3 Millionen Tonnen Zucker gerechnet, die dem bundesweiten Verbrauch entsprächen. „Es gibt für uns keinen Anlass, mehr Zucker als nötig zu produzieren”, sagte er.