Warnung der Polizei
Schlüsseldienst-Betrüger zocken Anklamerin ab

Sandro Mauritz vom Sicherheitsdienst Brüsch weiß, wie mit wenigen Handgriffen Schlösser auch ohne horrende Kosten wieder geöffnet werden können.
Sandro Mauritz vom Sicherheitsdienst Brüsch weiß, wie mit wenigen Handgriffen Schlösser auch ohne horrende Kosten wieder geöffnet werden können.
Anne-Marie Maaß

In ihrer Not wurde eine Anklamerin auch noch betrogen: Fast 600 Euro zahlte sie für die Türöffnung ihrer Wohnung an ein unseriöses Unternehmen. Kein Einzelfall, wie die Fachfirmen vor Ort wissen.

Eine kurze Drehung, ein Windhauch – und schon fliegt die Tür ins Schloss. Dumm nur, wenn der Schlüssel innen steckt und der Wohnungsbesitzer draußen steht. Ein solch unachtsamer Moment kam eine 54-jährige Anklamerin am Sonntag teuer zu stehen.

Nach dem Missgeschick wurde sie zum Opfer eines unseriösen Schlüsseldienstes, weshalb nun auch die Polizei den Fall auf dem Tisch hat. Aus den vorab abgesprochenen 270 Euro Kosten wurden vor Ort schnell fast 600 Euro. Anstatt mit flinken Handgriffen, in wenigen Minuten die Tür wieder zu öffnen, wurde zunächst das alte Schloss aufgebohrt, um anschließend ein neues Schloss auch noch falsch einzubauen. Ein klarer Fall von Betrug.

Kartenlesegerät gleich parat

Andreas Brüsch, der in Anklam einen Schlüsseldienst betreibt, kennt diese Masche von fremden Firmen. In den vergangenen Monaten habe deren Auftreten in Anklam sogar zugenommen, empfindet er. Betroffene stehen anschließend oft bei ihm auf der Matte, wenn das Geld an das ortsfremde Unternehmen allerdings schon längst bezahlt wurde und klagen ihr Leid. Teilweise berichten die Betroffenen dann auch von unangenehmen Szenen vor der Haustür.

„Diese Unternehmen sind meist zu zweit unterwegs, haben ein Kartenlesegerät gleich parat, um die Überweisung dann auch auszuführen“, sagt Brüsch. Nicht wenige unglückliche Kunden würden sich davon bedroht fühlen. Zumal die horrenden Abrechnungen nach oben hin kaum Grenzen kennen. Bis zu 900 Euro seien aus der Not heraus auch von Anklamern für die Türöffnung schon bezahlt worden. Der örtliche Dienst nehme dafür selbst am Wochenende nur ein Bruchteil.

Polizei rät bei hohen Preisen zu Skepsis

Bei dem aktuellen Fall am Wochenende betrage der reine Materialwert für das neue Schloss vielleicht 25 bis 35 Euro. Selbst mit Sonntagszuschlag sollten Kunden ab einer Summe weit über 125 Euro skeptisch werden, rät dementsprechend auch die Polizei. Unter der Woche würden maximal 80 bis 100 Euro anfallen, zumal echte Fachmänner nur in einem von zehn Fällen im Schnitt das vorhandene Schloss wirklich aufbohren müssten.

Die Beamten gehen zudem davon aus, dass der Vorfall am Sonntag kein Einzelfall ist. Allerdings kommen nur wenige Fälle zur Anzeige.

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