TIERHALTUNG

Schweine sorgen schon vor Einzug für Stunk

In Medow bei Anklam soll ein neuer Schweinestall gebaut werden. Mit dem Erörterungstermin zur wasserrechtlichen Genehmigung ist nun ein großer Schritt für die Gesamtgenehmigung des Baus getan. Für die Einwohner ist das nicht unbedingt ein Grund zur Freude.
Rund 13 000 neue Mastplätze für Schweine sollen in Medow entstehen. Das wäre nahezu eine Verdopplung des
Rund 13 000 neue Mastplätze für Schweine sollen in Medow entstehen. Das wäre nahezu eine Verdopplung des aktuellen Tierbestands. Stefan Sauer
Durch die Erweiterung der Schweinemastanlage befürchten viele Medower eine Gefahr für das Grundwasser sowie Unmengen
Durch die Erweiterung der Schweinemastanlage befürchten viele Medower eine Gefahr für das Grundwasser sowie Unmengen zusätzlicher Gülle, die exportiert werden müsste. Dennis Bacher
Medow ·

In Medow bei Anklam regt sich Widerstand gegen Pläne eines Schweinemastbetriebes, seinen Zuchtbetrieb deutlich zu erweitern. 13 000 neue Mastplätze sollen bei der Schweineproduktion Brenkenhof GmbH eingerichtet werden. Auf Begeisterung stößt das in der Gemeinde nicht. „Die 15 000 Schweine jetzt würden mir reichen“, so Medows Bürgermeister Hartmut Pätzold. Auch wenn die Filteranlagen und die Überwachung durch das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) seiner Meinung nach grundsätzlich gut funktionieren würden, sei die Anlage dennoch eine Belastung für die Bürger. Das zeige sich unter anderem an den Straßen im Ort, welche durch die schweren Tiertransporte arg in Mitleidenschaft gezogen sind. „Und doppelte Tiere bedeuten dann auch doppelte Transporte“, sagt Pätzold.

Doch die Tiere an sich sind nicht das Einzige, was den Medowern sauer aufstößt. Hinzu kommen die mangelnden Informationen über das laufende Genehmigungsverfahren für die neuen Ställe. „Wie die Geschichte abgelaufen ist, hat mir nicht richtig geschmeckt“, sagt Pätzold. Denn von dem Erörterungstermin zur wasserrechtlichen Genehmigung am Montag habe er erst am Freitag davor erfahren. Ein Umstand, den der Bürgermeister auch dem Amtsleiter des Amtes Anklam-Land anlastet. „Wir wurden schlecht informiert, die Unterlagen kamen im Amt an, und ich habe sie nicht bekommen“, kritisiert der Bürgermeister. Daher stehe mit dem Amtsleiter auch noch ein klärendes Gespräch an.

Neben dem aktuellen Ärger im Ort wegen der geplanten Stallerweiterung ist der Mutterkonzern der Schweineproduktion Brenkenhof GmbH allgemein kein unbeschriebenes Blatt. So betreibt die LFD-Holding GmbH deutschlandweit an mehreren Standorten, zum Beispiel im vorpommerschen Alt Tellin sowie in Thüringen, Brandenburg, Sachsen und Bayern, Ferkelzucht-Betriebe und landete damit in der Vergangenheit in den Schlagzeilen. Wenn auch unter anderem Namen. Denn die LFD ging Ende 2014 aus der Straathof-Holding hervor. Kopf der GmbH war seinerzeit der niederländische Investor Adrianus Straathof. Wiederholter Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, Baurecht und den Immissionsschutz führten zu einem Tierhaltungsverbot für den Großunternehmer. In Folge übernahmen sein Sohn Martinus Straathof und Miron Mank die Geschäfte unter dem aktuellen Firmennamen. Inzwischen gehört der Betrieb aber nicht mehr der Familie Straathof, sondern einem Bankenkonsortium.

Einwände sollen geprüft werden

Endgültig entschieden ist über die Anlagenerweiterung in Medow bisher jedoch noch nicht. „Das ist ein großes Verfahren“, sagt Matthias Wolters, Amtsleiter des StALU Vorpommern. Die wasserrechtliche Genehmigung sei nur ein Teil davon, auf dessen Grundlage das weitere Verfahren aufbaue. Auch die Einwände der Bürger sollen noch eingehend geprüft werden. Daraus können sich dann eventuelle Nebenbestimmungen für den Bau der neuen Mastanlage ergeben.

Ein Ende des gesamten Verfahrens hat Wolters allerdings bereits im Blick. „Wenn alles glatt läuft, wäre es möglich, innerhalb der nächsten sechs Wochen eine Entscheidung zu treffen“, sagt er. Für den umstrittenen Neubau scheinen die Ampeln also auf Grün zu stehen. Auch Medows Bürgermeister sieht wenig Chancen, etwas daran zu ändern. „Ich gehe davon aus, dass wir die Finger davon lassen können, das bringt sowieso nichts“, sagt er.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Medow

zur Homepage