UNTERWEGS MIT DEM ORDNUNGSAMT

So problemlos machen die Anklamer alles dicht

Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes haben gerade viel zu tun. Neben normalen Aufgaben müssen sie nun auch noch Spielplatzverbote und Ladenschließungen überwachen.
Heiko Laß und Alexander Becker fanden bei den meisten Friseuren und anderen Läden, die nun erst einmal dicht machen
Heiko Laß und Alexander Becker fanden bei den meisten Friseuren und anderen Läden, die nun erst einmal dicht machen müssen, verschlossene Türen vor. Anne-Marie Maaß
Anklam.

An einem normalen Montagvormittag würde Politeur Heiko Laß wohl den ruhenden Verkehr in der Anklamer Innenstadt kontrollieren und Alexander Becker als neuer Marktmeister des Anklamer Flohmarktes die bevorstehende Saisoneröffnung am ersten Aprilwochenende vorbereiten. Doch aktuell ist nichts so wirklich normal in ihrem Job beim Anklamer Ordnungsamt.

So klapperten die beiden Männer gestern erst einmal über 20 Friseure, Nagelstudios und ähnliche Geschäftsinhaber im ganzen Stadtgebiet ab. Auch diese Branchen müssen ihre Türen nun vorerst geschlossen lassen. Wieder ein Corona-Erlass der Landesregierung, der umgesetzt und kontrolliert werden muss.

Es war nicht der erste Einsatz für die beiden Rathausmitarbeiter an diesem Tag: Zuvor musste Heiko Laß erst noch als Wehrführer zu einem Feuerwehreinsatz in die Lindenstraße. Alexander Becker versuchte indes die Angehörigen eines Verstorbenen ausfindig zu machen. Am Morgen hatten sie bereits einen freilaufenden Hund eingefangen – auch der „normale Alltag“ geht eben, wenn auch etwas gedämpft, weiter. „Manchmal kommt alles zusammen“, so Laß.

Keine Diskussionen bei Ladenschließungen

Die gute Laune lassen sich die Männer bei ihrem Job aber dennoch nicht verderben. Immerhin, auch gestern waren die meistens Inhaber der betroffenen Gewerbe einsichtig. Der Friseur im Lilienthal-Center etwa hatte bereits von sich aus geschlossen und informiert mit einem Zettel an der Tür Kunden über die aktuelle Lage. Ähnlich sieht das Bild vor vielen anderen Eingangstüren in der Stadt aus. Viele hatten sich wohl aus den Medien informiert und bereits freiwillig geschlossen.

Andere Geschäftsinhaber warteten lediglich die offizielle Anweisung ab. Ein kurzes Hallo und der Handzettel zur Info, danach schlossen sich gleich hinter dem Besuch des Ordnungsamtes die Ladentüren. Diskussionen gab es dabei nicht. Nach jedem Besuch folgte im Dienstwagen ein weiterer Haken auf der Liste der anzusteuernden Unternehmen. Ähnlich sei es auch schon bei den Einschränkungen und Schließungen von Einzelhändlern und gastronomischen Einrichtungen abgelaufen, so die beiden Ordnungsamtsmitarbeiter.

Verunsicherung gebe es lediglich immer wieder, weil die politischen Botschaften oftmals vor den eigentlichen Erlassen ausgesprochen werden. Diese müssen allerdings erst schwarz auf weiß vorliegen, damit die Behörde genau weiß, was sie umsetzen muss. Das traf gestern etwa auch noch bei den angekündigten Schließungen der Bau- und Gartenmärkte ab Dienstag zu. Während die Stadtverwaltung noch auf eine offizielle Anweisung aus Schwerin dazu wartete, herrschte im örtlichen Baumarkt deshalb am Montag noch einmal Hochbetrieb. Viele nutzen wohl die vorerst letzte Chance, um sich mit Materialien für Haus und Garten zu versorgen. Auch dort schauten Laß und Becker kurz vorbei und kontrollierten die Einhaltung der vorgeschriebenen Sicherheitsabstände. Zu bemängeln gab es aus ihrer Sicht da allerdings nichts.

Gruppe Jugendlicher auf dem Markt ermahnt

So kann Laß den Gewerbetreibenden in der Stadt alles in allem, nur seinen Dank aussprechen. Sie machen ihm den Job mit ihrer Einsicht deutlich leichter. Dabei ist auch ihm bewusst, welche finanziellen Sorgen und Existenzängste viele von den betroffenen Unternehmern nun umtreiben. Dennoch müssen die Erlasse zur Vermeidung weiterer Ansteckungen nun umgesetzt werden – zum Schutze aller. Daran lässt auch die Stadtverwaltung keinen Zweifel aufkommen, heißt es aus dem Rathaus.

Die bislang ergriffenen Maßnahmen scheinen indes bei den meisten Menschen auf Verständnis zu stoßen. Am Wochenende gab es am Bürgertelefon der Stadt nur vereinzelte Hinweise, etwa auf einen Verstoß des Spielplatzverbotes, dem dann ebenfalls das Ordnungsamt sofort nachging. Lediglich am Freitag habe es noch einen Polizeieinsatz gegeben, um eine Gruppe Jugendlicher auf dem Markt zu ermahnen, erklärt Anklams stellvertretende Bürgermeisterin Beatrix Wittmann-Stifft. Um die Einhaltung der Maßnahmen auch weiterhin durch das Ordnungsamt kontrollieren zu können, agieren die Mitarbeiter derzeit bereits im Schichtsystem. Außerdem sollen sie nun auch noch Unterstützung von zwei weiteren Rathaus-Mitarbeitern bekommen. denn eines zeichnet sich jetzt ab: Weniger Arbeit wird es für die Mitarbeiter des Ordnungsamtes vorerst nicht werden.

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