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"Spiegel" wirft Sparkasse unlauteres Vorgehen vor

Der Hauptsitz der Sparkasse Vorpommern ist in Greifswald.
Der Hauptsitz der Sparkasse Vorpommern ist in Greifswald.
Stefan Sauer/Archiv

In einem aktuellen Bericht des „Spiegel” wird der Sparkasse Vorpommern vorgeworfen, sich auf Kosten der Sozialversicherungen vorzeitig von Mitarbeitern getrennt zu haben. Die Sparkasse kann diese Vorwürfe nicht nachvollziehen.

Im Jahr 2013 hat die Sparkasse Vorpommern mit Sitz in Greifswald die Sparkasse Rügen übernommen – und in den Folgejahren eine Reihe von Mitarbeitern vorzeitig in Ruhestand geschickt. Bei diesen Vorruhestandsregelungen soll das kommunale Geldinstitut ein Modell angewandt haben, bei dem die Sozialkassen über Gebühr belastet sein sollen. Das wirft ein aktueller Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel” (Ausgabe 43) dem Geldhaus vor, ebenso wie mehreren anderen Sparkassen in Deutschland, die in den letzten Jahren fusioniert sind.

Beratungsfirma soll Antrag auf Arbeitslosengeld empfohlen haben

Konkret soll das Modell so funktionieren, dass die Mitarbeiter das Geldhaus zwar freiwillig als Vorruheständler verlassen und dafür eine Abfindung erhalten – dass ihnen im Zuge dieses Verfahrens aber durch eine Beratungsfirma im Auftrag der Sparkassen nahe gelegt wird, zusätzlich zur Abfindung noch Arbeitslosengeld I zu beantragen. Dafür müssten sie sich beim Arbeitsamt arbeitssuchend melden, obwohl sie eigentlich gar nicht mehr arbeiten wollen.

Für den Spiegel ist das ein „klandestiner Griff in die Sozialkassen”, also ein heimliches Manöver, um den Mitarbeitern staatliches Geld zukommen zu lassen. Der Spiegel findet das im Falle von Sparkassen besonders pikant, weil sie anders als private Firmen in öffentlicher Hand seien und ihr Handeln der Allgemeinheit dienen müsse.

Sparkasse: Unser Verhalten ist absolut rechtskonform

Bei der Sparkasse Vorpommern kann man diese Interpretation nicht so recht nachvollziehen. „Wir halten unser Vorgehen und das Vorgehen der Beratungsfirma für absolut rechtskonform, das war für uns selbstverständlich oberstes Gebot”, sagt Veit Axmann aus der Chefetage der Sparkasse.

Tatsächlich habe man 76 Mitarbeitern über 57 Jahren das Angebot gemacht, in Vorruhestand zu gehen. 96 Prozent der Kollegen hätten es auch tatsächlich angenommen: „Niemand ist dazu gezwungen worden. Im Gegenteil: Die hohe Resonanz zeigt doch, dass es sich um ein faires Angebot gehandelt haben muss.” Dies sehe im Übrigen auch der Personalrat des Instituts so.

„Hätten uns auch auf andere Weise von Mitarbeitern trennen können”

Axmann bestätigt, dass die Beratungsfirma im Auftrag der Sparkasse sämtliche Mitarbeiter beraten habe, die das Vorruhestands-Angebot angenommen hätten: „Dabei ging es darum, die Kollegen bei ihren Zukunftsplänen zu unterstützen. Diese waren sehr unterschiedlich. Einige wollten vielleicht noch einige Jahre arbeiten, andere sich sofort zur Ruhe setzen.“

Axmann sagt weiter: „Für uns ist deswegen nicht so ganz klar, worin jetzt eigentlich der 'Skandal' bestehen soll, über den der Spiegel berichtet.” Deshalb habe die Sparkasse Vorpommern dem Nachrichtenmagazin auch bereitwillig Auskunft gegeben. Tatsächlich ist das vorpommersche Geldhaus offenbar das einzige, das dem Spiegel von sich aus konkrete Zahlen genannt hat.

„Wir hätten uns auch auf andere Weise von Mitarbeitern trennen können, etwa durch betriebsbedingte Kündigungen”, sagt Axmann: „Aber dann wären wir unserem Anspruch als kommunalem Geldinstitut nicht gerecht geworden. Und die Sozialkassen wären in diesem Fall ganz anders belastet worden.”