„Herbert” ist schon gut rumgekommen. Als Höhle diente dem Aal in Jarmen zuletzt ein rund 65 Zentimeter lange
„Herbert” ist schon gut rumgekommen. Als Höhle diente dem Aal in Jarmen zuletzt ein rund 65 Zentimeter lange KG-Rohr. Nun soll er die Gäste im Wolgaster Tierpark erstaunen. Privat
Einst sorgte dieses Aquarium im Aufenthaltsraum der Schlosserei von Herbert Kuhfuß in Alt Plestlin für Auflockerung
Einst sorgte dieses Aquarium im Aufenthaltsraum der Schlosserei von Herbert Kuhfuß in Alt Plestlin für Auflockerung, später nahm er es mit zu seinem Altersruhesitz in Jarmen. Privat
Alles klar für die Fahrt: Tierpark-Leiter Mirko Daus holte den Aal samt dreier Giebel und einer Plötze zu Wochenbegi
Alles klar für die Fahrt: Tierpark-Leiter Mirko Daus holte den Aal samt dreier Giebel und einer Plötze zu Wochenbeginn mit dem Kastenwagen und per Fass aus Jarmen ab. Stefan Hoeft
Auf dem Weg zum Star: Der stattliche Aal musste nicht lange schutzlos ausharren, bekam in Wolgast ein Extra-Becken mit viel me
Auf dem Weg zum Star: Der stattliche Aal musste nicht lange schutzlos ausharren, bekam in Wolgast ein Extra-Becken mit viel mehr Platz und natürlich einem Versteck. Stefan Hoeft
Diese Woche wurde der neue Aquarien-Bau im Wolgaster Tierpark eröffnet.
Diese Woche wurde der neue Aquarien-Bau im Wolgaster Tierpark eröffnet. Tierpark/Daus
Tierpark

Super-Aal aus Jarmen – „Herbert” ist der neue Star im Wolgaster Tierpark

Dieser Aal reiste von Neukalen über Neu Plestlin nach Jarmen und nun nach Wolgast – allerdings per Auto. Um nun Star der neuen Tierpark-Unterwasserwelt zu werden.
Jarmen

Hinter den vielen Scheiben des jetzt im Familientierpark am Tannenkamp in Wolgast eröffneten neuen Aquarien-Neubaus gibt es schon so Einiges zu sehen, selbst wenn noch nicht alle Becken komplett besetzt werden konnten.

Doch der schwimmende Star und Publikumsliebling in dieser Unterwasserwelt, da zeigte sich der Leiter der Freizeiteinrichtung im Gespräch mit dem Nordkurier überzeugt, dürfte jener stattliche Aal sein, den er erst kurz vorher eingesetzt hat und einer „Spende“ aus Jarmen verdankt. Dort lebte das Exemplar bisher im Haushalt von Andrea und Herbert Kuhfuß. Allerdings war es nicht der erste Umzug, denn seine Geschichte in Menschenhand begann bereits in den 1990er-Jahren am Kummerower See.

Einst sorgte dieses Aquarium im Aufenthaltsraum der Schlosserei von Herbert Kuhfuß in Alt Plestlin für Auflockerung

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Unerwarteter „Schnürsenkel”-Beifang

Damals warf ein Alt Plestliner seine Angel am Neukalener Peenekanal aus und zog neben einigen anderen Fischen auch einen kleinen Aal heraus. Sozusagen als unerwarteten Beifang, das Tier verfing sich nämlich nicht am Haken, sondern wickelte sich um die Schnur. Als der Petrijünger den munteren und für die Küche nicht zu gebrauchenden Gesellen sah, fiel ihm sein Bekannter Herbert Kuhfuß ein. Schließlich wusste er, dass der Schlossermeister aus dem benachbarten Neu Plestlin gerade ein Aquarium gebaut hatte und mit heimischen Fischen besetzen wollte.

„Der Aal war da so ein Ding wie ein Schnürsenkel“, beschrieb der Handwerker unserer Zeitung die erste Begegnung. Er habe sich schnell eingelebt und bekam ein vier Zentimeter dickes Edelstahlrohr als Höhle ins Becken, welches den Aufenthalts- und Pausenraum in seiner Firma zierte. Über der „Wasserschlange“ wechselte der Besatz immer wieder, anfangs waren es kleine Plötzen und Karauschen, sogar einen Wels gab es mal als Mitbewohner. „Aber der hat alles weggefressen und ist gut 40 Zentimeter in einem Dreivierteljahr gewachsen. Da haben wir ihn dann im Bentziner Dorfteich ausgesetzt.“

„Super-Aal“ ist ein Glücksfall

Auch sein Aal legte im Laufe der Jahre ordentlich zu, bewohnte zuletzt ein KG-Rohr von 16 Zentimeter Durchmesser und 65 Zentimeter Länge. Beköstigt wurde er mit normalen Teichfutter, handelte es sich doch um einen sogenannten Spitzkopf. Der Europäische Aal kommt in zwei Ernährungsvarianten vor, weiß Herbert Kuhfuß, die andere besitzt einen breiteren Kopf und agiert als Fischjäger. Er schätzte den Wuchs seines Schützlings auf mittlerweile um die 90 Zentimeter. Ein stattliches Maß, wenn man bedenkt, dass Männchen der Gattung Anguilla anguilla nur an die 60 Zentimeter erreichen sollen und Weibchen mit mehr als einem Meter bereits als ausgesprochen groß gelten.

„Herbert” ist schon gut rumgekommen. Als Höhle diente dem Aal in Jarmen zuletzt ein rund 65 Zentimeter lange

Als der Schlossermeister in den Ruhestand ging, sein Plestliner Anwesen verkaufte und in den 2018 in Jarmen gebauten Altersruhesitz umzog, war klar, dass auch der Aal in die Autobahnstadt mitkam. Dort an der neuen Feldstraße erhielt er in der Garage sein Domizil, überstand den Wechsel schadlos. Doch da diese genügsamen Tiere laut Überlieferungen in Gefangenschaft wohl locker 50 Jahre alt werden und sogar das Doppelte schaffen können, machte sich der Vorpommer durchaus Gedanken über die Zukunft seines Schützlings.

Auch „Herbert” soll heimische Natur näherbringen

„Wir hatten schon im Meereskundemuseum und im Müritzeum angefragt“, berichtet Andrea Kuhfuß. Aber entweder sei sehr reserviert reagiert worden oder es habe sich ein kompliziertes Verfahren abgezeichnet. Sodass sich die Eheleute dann in Wolgast meldeten, als sie von den neuesten Ideen des dortigen Tierparks erfuhren: Eine Art Pavillonbau mit sieben je 1000 Liter fassenden Kaltwasser-Aquarien, die Tiere aus Peene und Peenestrom zeigen sollen.

Das Ganze sei ein gut 130.000 Euro teures Gemeinschaftsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Landesanglerverband, unterstützt vom Umweltministerium, erläuterte Mirko Daus. Der den Besuchern damit die heimische Natur noch näher bringen möchte. Ende Oktober 2020 fand der erste Spatenstich statt, nun konnte endlich die Eröffnung gefeiert werden. Zum Endspurt gehörte auch die Abholung des Aals aus Jarmen samt dessen Mitbewohnern – drei Giebel und eine Plötze. Das Alter veranschlagte der Experte aufgrund der Schilderungen vom „Fang“ und des Lebenszyklus dieser Art auf um die 29 bis 30 Jahre.

Alles klar für die Fahrt: Tierpark-Leiter Mirko Daus holte den Aal samt dreier Giebel und einer Plötze zu Wochenbegi

Schon diese relativ genaue Aussage stelle eine Besonderheit dar, denn das sei sonst eher schwer bei Anguilla anguilla, sagte der Mann. Hinzu komme die beachtliche Länge des Exemplars. Von so einem „Super-Aal“ wagte der Tierparkleiter jedenfalls kaum zu träumen, als er sich nach Besatz für die Aquarien umschaute. „Der kriegt auf jeden Fall auch einen Namen bei uns“, kündigte er in Jarmen an, nun heißt der Fisch tatsächlich ganz offiziell Herbert nach seinem Vorbesitzer. Schließlich sei es immer ein Glücksfall, wenn sich um ein Tier herum so eine Geschichte erzählen lasse wie bei Familie Kuhfuß.

Sie musste die Einladung zur Eröffnung aus Termin- und Gesundheitsgründen zwar absagen. Doch natürlich wollen beide Eheleute so schnell wie möglich diesen Besuch in Wolgast nachholen, um zu schauen, wie es ihrem besonderen Ziehkind in seinem neuen Heim geht.

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